Den Wald als Spielplatz entdecken, das soll in Heroldsbach Realität werden. Wie Bürgermeister Benedikt Graf von Bentzel (CSU) in der jüngsten Gemeinderatsitzung erklärte, will die Gemeinde einen Waldkindergarten für bis zu 20 Kindern realisieren.

Dieser soll auf einem gepachteten Wiesen- und Waldgrundstück in der Nähe des Tennisheims entstehen. Dafür müsse allerdings eine Wasser- und Stromleitung verlegt werden. Die bereits vorhandenen Leitungen des Tennisheims sollen dafür teilweise genutzt werden.

AWO ist der potentielle Betreiber

Nun hat der potenzielle Betreiber, die AWO Forchheim, den Räten das aktuelle Konzept für die immer populärer werdende Betreuungsform vorgestellt.

"Kinder wachsen heute in einer sich rasch verändernden Umwelt auf", erklärt AWO-Geschäftsführerin Eva Wichtermann. "Bewegungsräume, in denen sie selbstständig und eigenaktiv handeln und spielen können, werden immer seltener. Kindern fehlt zunehmend die Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten auszuprobieren."

Routine ist für Kinder wichtig

Fachbereichsleiterin Henriette Nürnberger sowie die zukünftige Leiterin des Waldkindergartens Susann Popp erläuterten die Schwerpunkte ihrer pädagogischen Arbeit: "Unerlässlich für den Tag im Wald sind immer wiederkehrende Rhythmen und Rituale", so Popp.

Sie strukturieren den Tag und geben die notwendige Sicherheit, die die Kinder brauchen würden, um selbstständig tätig werden zu können. "Kinder aus dem Waldkindergarten sind die typischen späteren Klassensprecher, die Verantwortung übernehmen können", glaubt Popp.

Im Waldkindergarten halten sich die Kinder vor allem im Feien auf. Die Gruppe hat aber auch einen Rückzugsort, meist einen beheizbaren Bauwagen. Dieser soll den Kindern bei Bedarf Schutz und Wärme geben.

Doch die meiste Zeit halten sich die Kinder im Wald selbst auf, so kann ein Morgenkreis auch mal auf dem Waldboden stattfinden. Robuste Kleidung ist daher ein Muss. Eine an die Kanalisation angeschlossene Toilette wird es nicht geben, stattdessen gibt es eine kompostierbare Toilette.

Auch beim Frühstück werden bestimmte Abläufe eingehalten. Bevor gemeinsam gegessen wird, waschen sich alle Kinder die Hände mit einer selbsthergestellten, biologisch abbaubaren Seife. Jedes Kind bringt sein eigenes Frühstück mit.

Ausnahme ist das einmal wöchentlich stattfindende Erntefrühstück. Hierfür schauen die Kinder, was reif ist, und bereiten daraus ein Frühstücksbüffet vor. Damit wolle man den Kindern erklären, dass alles, was es ganzjährig im Supermarkt zu kaufen gibt, hier nicht wachse, so Popp.

"Nach dem Frühstück ist Freispielzeit. Die Kinder spielen, wie und was sie möchten. Sie lassen Landschaften aus Matsch, Wasser, Steinen und Ästen entstehen. Werken und gestalten mit Zweigen, Baumscheiben und Blättern. Sie sollen ihren Tag selbst gestalten", erklärt die Pädagogin.

Die Kinder werden morgens zwischen 8 und 8.15 Uhr von den Eltern zum vereinbarten Parkplatz gebracht. Von dort aus laufen alle gemeinsam zum Gelände. Zu den Abholzeiten werden die Kinder wieder zum Parkplatz zurück begleitet.

Bereits im Im Januar soll eröffnet werden

Damit der Betrieb des neuen Waldkindergartens ab 1. Januar 2021 erfolgen kann, bedarf es, so der Bürgermeister, einer Entscheidung über den Betrieb der Einrichtung sowie über den Abschluss einer Vereinbarung mit dem Betriebsträger der AWO Forchheim.

Im Gemeinderat stieß das Vorhaben auf Zustimmung. Die Räte beschlossen einstimmig, dass der Betrieb des geplanten Waldkindergartens sowie der Übergangsstandort in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Grund- und Mittelschule dem AWO-Kreisverband Forchheim übertragen wird.

Weiter beschlossen die Räte, die mit dem Betriebsträger abgestimmten Vertragsinhalte sowie einen freiwilligen Defizitausgleich von jährlich bis zu 27 000 Euro, der aus dem Haushalt finanziert werden soll. Der Bürgermeister wurde ermächtigt, alle Verträge und Vereinbarungen für den Betrieb des Kindergartens und des Übergangsstandorts entsprechend der Anforderungen der Fachaufsicht und anderer einzubeziehender Beteiligter abzuschließen. Die Verwaltung wird im Nachrichtenblatt noch genauer zu Anmeldung und Kosten informieren.