Eva Wagner spielt gern. Mit Literaturgattungen, mit Ironie und mit ihrem eigenen Namen. Im Jahr 2005 debütierte die aus Hausen stammende (und in Nürnberg lebende) Autorin mit dem Roman "Der Nymphengarten". Damals schrieb sie unter dem Pseudonym Raven Wega. Das war ein Spiel mit den Buchstaben ihres Namens Eva Wagner.

Jetzt schreibt sie unter einem neuen Pseudonym: Elisabeth Wega. Und auch das Spiel mit der Gattung "Roman" hat sie fortgesetzt. Herausgekommen ist "Die Wunderreise". Ein Buch, sagt die Autorin, das weniger als Roman, denn als "Fantasie" gelesen werden sollte.

Schreiben als Verzauberung

Diese Schriftstellerin will nicht festgelegt werden. Die Begrenzung von Unterhaltungsliteratur und Bildungsroman akzeptiert sie nicht. Sie unterhält durch eine an Thomas Mann geschulte Ironie - und während sie erzählt, verarbeitet sie jede Menge Wissen und Bildung. Stapelweise Bücher über Quantenphysik habe sie gelesen, um die "Wunderreise" schreiben zu können. Es gehe ihr auch darum, ihre Begeisterung für das Thema "mit dem Leser zu teilen".

Begonnen hat dieser "Genre-Mix" aus Mystery-Thriller, Love-Story und historischer Erzählung mit einer sehr einfachen Idee. Eva Wagner wollte ein Buch über die sieben Weltwunder der Antike schreiben. Durch das Nachdenken über Wunder hat sich dieser ursprüngliche Schreib-Ansatz komplett verschoben.

Wie der Soziologe Max Weber ist Eva Wagner davon überzeugt, "dass wir in einer restlos entzauberten Welt, in einem Stahlgehäuse aus Rationalität" leben. Der Drang aus diesem Käfig auszubrechen, sei groß. So gesehen sei "Die Wunderreise" auch ein bisschen der Versuch einer "Wiederverzauberung der Welt".

Gralssuche

Der Held dieser experimentellen Reise heißt Pieter von Allen. Der Name verweist auf den Astrophysiker Van Allen. Dessen Entdeckung des Allen-Strahlungsgürtels ist eines der Bildungselemente dieser surrealen Identitäts- und Sinnsuche. Natürlich steckt ein Stück von Pieter van Allen in der Autorin. Ihre Fantasie nennt Eva Wagner "eine Art Gralssuche in postmodernem Gewand, mit abenteuerlichen Zutaten garniert".

Der liebenswerte Antiheld Pierre von Allen ist Historiker und freiberuflicher Journalist. Von seinem Verleger bekommt er den Auftrag, einen Bildband über die sieben Weltwunder der Antike zu gestalten. Auf seiner Reise begegnet er der Liebe - in Form einer Figur, die Athene heißt. Ob sie eine Göttin oder eine irdische Frau ist, lässt der Text offen. Aber die Begegnung zwischen Allen und Athene ist sozusagen das achte Weltwunder, das die Geschichte antreibt.

Knapp 500 Seiten

"Das Buch behauptet, dass es verschiedene Ebenen der Existenz gibt", sagt Eva Wagner. Von 2002 bis 2008 hat sie an den knapp 500 Seiten gearbeitet. Letztendlich versucht der Text, eine komplizierte philosophische Frage zu beantworten - die Frage was Realität überhaupt ist.

Die Antwort muss fantastisch ausfallen. Denn in ihren Recherchen ist Eva Wagner klar geworden, dass die Welterklärungen der Quantenphysiker schlicht unglaublich sind. Sie sei fasziniert von der Tatsache, sagt Eva Wagner, dass die Naturwissenschaft auf religiöse Modelle zurückgreife und dass es "Parallelen zwischen Mystik und Quantenphysik gibt". Personifiziert wird diese Faszination in der Athene - sie steht für den "Triumph der Fantasie über die Realität".

Es werde "gnadenlos angespielt in diesem Roman", sagt Elisabeth Wega. Aber man muss kein "Bildungstyp" sein wie die Autorin selbst, um der Geschichte zu folgen. Bei all seiner inhaltlichen Rätselhaftigkeit ist der Text von Eva Wagner klar durchkomponiert. Sieben Weltwunder, sieben Reisestationen, sieben Kapitel.

Trotz der wundersamen Gralssuche ist die Autorin nicht wundergläubig; hält nichts von überirdischen Phänomenen: "Wunder ist für mich ein anderes Wort für sagenhaftes Glück", sagt Eva Wagner und beweist gleich im nächsten Satz ihren Sinn für Ironie: "Wenn das Buch ein Bestseller wird, dann würde ich an Wunder glauben."