Bodenständig bayerisch, urig, deftig schildert Monika Gruber, die Style-Queen von Tittenkofen, vor 1100 Gästen in der Hirtenbachhalle von Heroldsbach gleich dutzendweise Szenen mitten aus dem Leben. Ohne Atem zu holen echauffiert sich die 41-jährige über den Zipfelklatscher vom Landratsamt, dem ihr Bauvorhaben missfällt, Radiomoderatoren im Dreierpack - ein Bayer, eine Preußin und einen Quotenfranken - oder Werbebotschaften. Stets authentisch, mitreißend.

Die Requisiten auf der Bühne - Biertisch, Stehleiter, Bierkasten und Dixiklo - hätte es nicht gebraucht. Dank Grubers derber Wortgewalt fühlte sich jeder sofort auf ihre Baustelle versetzt, auf der die "Chippendales mit anständigem Beruf" das Sagen haben. "Da begrüßen mich Handwerker in Latzhosen, von denen ich nicht weiß, ob sie nur einen Meterstab einstecken haben, oder ob sie sich freuen, weil sie mich sehen."

Dort sucht der stockschwule Alex ("Ich bin so heiß dass ich mit meinem kleinen Finger löten kann") Kontakt zu den vor Testosteron strotzenden Maurern, während der pensionierte Lastwagenfahrer "Alisi" selbst volltrunken einen Dreiachser arschlings - zu deutsch rückwärts - einparkt, dass links und rechts gerade mal zehn Zentimeter Platz bleiben.

Kurzzeit Affäre oder Kinder?

Getreu dem Motto ihres Programmes. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", schafft sich Monika Gruber als Frau deutlich über 30, bzw. deutlich unter 50 (!) auf Drängen ihrer Mama ein eigenes Heim. Mit zwei kleinen Kinderzimmern, auch wenn männermäßig nicht einmal eine Zwischenlösung in Sicht ist. Sollte es bei sechswöchigen Kurzzeit-Affären bleiben, kann sie die Räume ja immer noch an Ankleidezimmer nutzen. Dabei liebt sie Kinder, allen voran ihre Neffen. Selbst dann, wenn es ihr warm den Rücken herunterläuft, als sie Valentin huckepack trägt. Der räumt sein Missgeschick ein, versichert seiner Tante aber treuherzig: "Ich hab kein' Stinker g'macht."

Kein Wunder, dass da Monika Gruber die Panik erfasst, denn die deutschen Hormone arbeiten schließlich nur bis 45. Und nach einer zweijährigen Übergangsphase gehen sie in Rente. Im Gegensatz zu ihrer "patschert" (unbeholfen, hilflos) drein schauenden Freundin, die mit dieser Masche die Männer reihenweise abschleppt, eröffnet Moni jedem Aspiranten beim ersten Annäherungsversuch in einem unvergleichlichen Redeschwall, dass jede Beziehung mit zwei Kindern, einer Geliebten und einer Scheidung endet.

Es sei denn, es käme der Richtige, ein echter Kerl mit einem Aftershave aus Bier, Leberkäs und alten Socken. Weicheier, die bei der Schwangerschaftsgymnastik mithecheln, den Geburtsvorgang filmen und die Nabelschnur durchschneiden, haben bei ihr keine Chance. Und ein Lover, der mit dem Wachhund im Bett um die Gunst des Frauchens buhlt und den angesichts des Terriers seine Männlichkeit verlässt, hat von Haus aus keine Chance.

Lebenshalbzeit

Eher schon der junge Pfleger Benjamin vom Seniorenheim nebenan, den die "Gruberin" umgerannt hat und der trotzdem auf einen Kaffee kommt. Bedauerlicherweise ist die Sahneschnitte mit dem Zwetschgenarscherl der Monika bei der ersten Kuss-Attacke auf der Treppe "auskemma" und wegen des fehlenden Geländers einen Stock tiefer auf dem Betonboden gelandet. "Auf der Intensivstation san ma aa net so recht zum Reden kemma" bedauert die Kabarettistin. So widmet sie sich erst einmal der Ausgestaltung ihrer Räume und bezieht dabei das Publikum ein. Da ihr Schlafzimmer einen Anstrich bekommen hat, als wäre Cindy von Marzahn explodiert, will sie wissen, welche Teppichfarbe dazu besser passt: mauve (gesprochen mov) oder kackbraun?

Noch bevor das Haus mit 258 Steckdosen, einer Küche (obwohl sie nicht kocht), einem Treppenlift und einem Bügelzimmer zum Dampfbügeln ("I trink beim Bügeln, bis i mein Dampf hab") fertig ist, überlegt Monika Gruber, was danach kommt. Da erinnert sie sich, dass ihr Kumpel Tschoggo ihr am Meterstab verdeutlicht hat, dass 40 Zentimeter die Lebens-Halbzeit sind. "Varreck Kaffeehaus" entfährt es ihr, steigt in ihren VW-Bus und fährt weg. Für Tage, Wochen, Monate? Wer weiß. Aber wenn nicht jetzt, wann dann? Das empfiehlt sie auch ihrem Publikum.