Kirchturmdenken war gestern. Interkommunale Zusammenarbeit lautet die Devise. Nun auch bei der Breitband-Versorgung. Für Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU) aus Egloffstein ein Zeichen, dass die engen Verwaltungsgrenzen gesprengt werden. Der Staat belohnt diese Zusammenarbeit mit 50.000 Euro Bonus pro Kommune.
Mit der Unterzeichnung eines Vertrages, in dem die Bürgermeister von Ebermannstadt, Pottenstein und Waischenfeld, aus dem Markt Wiesenttal, Gößweinstein, Obertrubach, Egloffstein und Pretzfeld die Synergieeffekte beim Ausbau des Breitband-Netzes auf 30 bis 50 Megabit/pro Sekunde nutzen wollen, möchten die Kommunalpolitiker ein Zeichen gegen die drohende Abwanderung der Bürger in Ballungsgebiete setzen.
Für ansiedlungswillige Familien, so Bürgermeister Markus Grüner (CSU) aus Obertrubach sei ein schnelles Internet mittlerweile genauso wichtig, wie der Kindergarten oder der Arzt am Ort.

Im Tal der Ahnungslosen

Gut versorgt seien in Obertrubach bislang nur Geschwand und Teile von Obertrubach. Ein Anteil von maximal 20 Prozent, schätzt Grüner. Doch die Bürger in Bärnfels, Hundsdorf oder Wolfsberg lebten im "Tal der Ahnungslosen." Dort müssten die Leute mit weniger als einem Megabit pro Sekunde auskommen. Deshalb soll mit den Ausbau so schnell wie möglich begonnen werden. "Am 3. Dezember ist Angebotsabgabe", so Grüner.

Ebenso in Gößweinstein. Dort sind derzeit neun von 31 Gemeindeteilen mit Bandbreiten zwischen sechs und zehn Mbit versorgt. Das sei aber schon gut. Morschreuth sei über Satellit an das world-wide web angeschlossen. Nun sollen die Hauptorte durch die Investition von 1,3 Millionen Euro Bandbreiten zwischen 16 und 20 Mbit bekommen. "Doch um alle Ortsteile der 57 Quadratkilometer großen Kommune anschließen zu können, bräuchten wir weitere 1,5 Millionen", klagt Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG). Waischenfeld soll flächendeckend ein schnelles Internet bekommen. Etwa für ein Drittel der Bevölkerung sei die Netzverbindung jetzt akzeptabel. Nach dem Ausbau sollen zwölf Ortschaften 50 Mbit bekommen. Selbst Seelig und Hubenberg seien dann mit rund 30 Mbit noch schnell unterwegs.

Abstriche machen

Im 45 Quadratkilometer großen Markt Wiesenttal müssen nahezu die Hälfte der Einwohner mit Übertragungsgeschwindigkeiten von unter zwei Mbit auskommen. Schnelles Internet mit 30 Mbit und mehr ist künftig zwar in Oberfellendorf, Wüstenstein und Gößmannsberg möglich, Albertshof, Trainmeusel und Wohlmannsgesees oder Birkenreuth müssen aber trotz einer Investition von 1,3 Millionen Euro (870.000 Euro gibt es als Zuschuss) mit Übertragungsraten unter 16 Mbit auskommen.

Auch Pretzfeld, das an einem Modellversuch in Sachen Breitbandversorgung teilgenommen hat, und zu 75 Prozent annehmbar versorgt sei, müsse kräftig investieren. Immerhin könnten dann Hetzelsdorf und Urspring oder Poppendorf mit Internet versorgt werden. Trotz 730.000 Euro Zuschuss und 50.000 Bonus für die Interkommunale Zusammenarbeit werde es vermutlich Inseln ohne schnelles Internet geben, so Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen). Das bestätigt Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) aus Pottenstein: "Wir bekommen maximal 90.000 Euro Zuschuss plus die 50 00 für interkommunale Zusammenarbeit. Deshalb mussten wird bereits jetzt Abstriche bei der Breitbanderschließeung vornehmen. Wollten wir in unserer 75 Quadratkilometer großen Gemeinde jedes Haus anschließen bräuchten wir 4,5 Millionen Euro."

Selbst Ebermannstadt, so Bürgermeisterin und Vorsitzende der VG Ebermannstadt, Christiane Meyer (NLE), sei erst zu einem Drittel einigermaßen adäquat mit Breitband versorgt. Wie viel investiert werden muss, ist aber noch offen. "Wir sind erst in der Markterkundung", erklärt dazu Bürgermeisterin Meyer.