Anja Wolf kam als Touristin. Was sie in der ägyptischen Wüste erlebte, machte sie zu einer Betroffenen, dann zur Akteurin.

Gerade kehrte die 42-Jährige von ihrer fünften Afrika-Reise nach Forchheim zurück. Aus ihren Ausflügen nach Bir El Gabal ist eine Mission geworden. Anja Wolf spricht von "konkreter Lebenshilfe" und vom "friedlichen Zusammenleben der Völker"; eine religionsübergreifende Freundschaft sei entstanden.

Es geht um etwas Naheliegendes - die Verwandlung der Wüsten-Sonne in Strom, um Wasser pumpen zu können, damit die Felder nicht verdorren.

Vor sieben Jahren hatten sich acht Großfamilien und das Gästehaus in Bir El Gabal zu einer Nutzer-Gemeinschaft zusammengeschlossen. Sie pachteten Wüstenland von der Regierung. Eine Solaranlage wurde gebaut.
Die solarbetriebene Pumpe schaffte es, die Felder zu bewässern und die Existenz von 100 Menschen zu sichern.


Zerstörerischer Sturm

Doch dann kam der Sturm und riss die Paneelen weg. Im Jahr 2013 schien die harte Aufbauarbeit von Jahren zerstört. "Was für Mühen das waren, das kann doch nicht sein." So dachte Anja Wolf, als sie bei einem Besuch kurz vor Weihnachten 2013 mit den Rückschlägen konfrontiert war. Und sie wurde aktiv. Sie wandte sich an die Deutsche Regierung, bat um Entwicklungshilfe-Mittel. Auf Umwegen kam sie immerhin an 10 000 Euro Fördermittel.

Dank eines Freundeskreises und des Zuschusses der Deutschen Botschaft in Kairo wurde die Photovoltaik-Anlage in der Wüste wieder aufgebaut. Doch es müssen 45 000 Euro abfinanziert werden; erst die Hälfte ist bezahlt.
Eine 18 Hektar große Agrarfläche und das Gästehaus sind seit April nun wieder ganzjährig über eine Solarpumpe mit Wasser versorgt. "Dies wird künftig acht Großfamilien weitgehend ernähren, die nach dem wirtschaftlichen Einbruch in Ägypten mit großer Hoffnung und hartem Arbeitseinsatz steinigen Wüstenboden in fruchtbares Ackerland verwandelten", freut sich Anja Wolf.

Doch wo sollen die noch benötigen 22 000 Euro für die Restfinanzierung herkommen? Anja Wolf setzt auf die Stiftung Ecocrowd. Sechs Wochen lang darf sie kostenlos über die Crowdfunding-Plattform (www.ecocrowd.de/en) eine Tauschbörse einrichten. Wer das Projekt in der Oase von Bir El Gabal fördern will, kann auf der Börse Gegenwerte für Summen zwischen zehn und tausend Euro Produkte erwerben: vom Fotoband bis hin zu einem Aufenthalt im Gästehaus von Bir El Gabal.

"Wir leben gerade in einer Zeit, in der sich alle Menschen der Welt zu bewegen scheinen", sagt die Forchheimerin. Die Armut vertreibe Millionen Menschen aus ihren heimatlichen Regionen. Auch ihre Freunde in Ägypten seien gefährdet, wenn sie nicht ihre Solarpumpe in der Wüste hätten. Die Stiftung Ecocrowd sei ein Weg, "wie man diesen Menschen Perspektiven zeigen kann". Die Forchheimer Entwicklungshelferin hofft nun, dass die sechswöchige Tauschbörse das Geld für die Photovoltaik-Anlage einspielt.

Anja Wolf ist gelernte Konditor-Meisterin. Seit sie mitbekommt, wie ihre ägyptischen Freunde um das Essenzielle kämpfen müssen, "stößt mich der Konsum bei uns immer mehr ab", sagt die 42-Jährige. Daher setzt sie so große Hoffnung in die "Ecocrowd-Plattform für nachhaltige Projekte".

Langsam werde es Zeit, Arabisch zu lernen. Das hätten ihr die Freunde in der Wüste bei ihrem November-Besuch ans Herz gelegt.