Der Innenraum der sonst eher schummrigen Kneipe "Zur Funzl" glänzt bei Tageslicht. Genauer gesagt, ist es die neue Theke, die seit einer Woche das Herz der Forchheimer Traditionskneipe bildet. Nach 44 Jahren sei es an der Zeit für eine neue gewesen, erzählt Inhaber Tobias Raab und fährt die saubere Edelstahloberfläche mit der Hand ab.

Am Samstag darf der Wirt wie alle anderen in Bayern den Innenraum seiner Kneipe offiziell wieder öffnen. Die Regeln sind dann die gleichen wie für Speiselokale (siehe Infokasten). "Die Nachricht kam doch ein bisschen überraschend", so Raab. Denn noch fallen im leergeräumten Innenraum einige Aufgaben an: Die Tische sind noch beim Schreiner, ein neuer Anstrich für den Innenraum ist geplant, die Theke muss angeschlossen werden - der Charme der urigen Kneipe bleibe bei all dem erhalten, betont er. "Die Zeit rennt, ich bemühe mich. Aber vielleicht muss ich eine Woche länger zulassen."

In den Sommermonaten hat Raab provisorisch eine Außenfläche für den Ausschank geschaffen, "den Funzl-Biergarten". Sieben Biertischgarnituren stehen im dazugehörigen Hinterhof, der sonst ein Parkplatz für die Mitarbeiter ist.

Obwohl er sich freut, bald auch innen wieder Gäste bewirten zu können, bleibt Raab realistisch. Sehr viel mehr Personen als zurzeit auf die Außenfläche passen, wird er im Raum nicht beherbergen können. Denn die Grundfläche der Kneipe ist eher langgezogen, der Keller klein. Und in ein paar Wochen sitze ohnehin niemand mehr draußen, wenn es abends kalt wird, vermutet Raab. Wie viele Tische es innen genau sein werden, muss er im Laufe der Woche noch abmessen. Für den Umsatz sind vor allem zwei andere Aspekte einschneidend. "Veranstaltungen wie das Annafest, Zirkart oder das Apothekenstraßenfest ziehen die Menschen in die Innenstadt." Außerdem ist die eigentliche Nachtkneipe zur Abendkneipe geworden: Ist der Betrieb ab 22 Uhr sonst erst richtig angerollt ist, muss er jetzt schon um diese Uhrzeit enden. "Viele, die abends Training haben oder im Verein sind, sind sonst immer danach gekommen", weiß der Forchheimer über seine Kundschaft.

Fast alleine hinter der Theke

Der 30-Jährige öffnet zurzeit nur an bestimmten Tagen. Dienstag, Mittwoch und Sonntag bleibt zu, denn Raab bewirtschaftet zurzeit bis auf Montag alleine. Die sechs Aushilfen haben Urlaub auf unbegrenzte Zeit, zwei Festangestellte sind in Kurzarbeit. Die Kneipe wegen der Pandemie nicht mehr aufzumachen, ist für Raab aber nie eine Option gewesen. "Ich habe nie überlegt, ob ich nicht mehr aufsperre", sagt er. Die Stammgäste hätten ihm die Treue gehalten. So erfreut er sich besonders an Momenten, wenn diese Treue sichtbar wird. "Zum Beispiel alte Stammgäste, die früher schon oft da waren, und heute mit ihren erwachsenen Kindern zusammen kommen."

Zu späterer Stunde ist etwa die Hälfte der Tische besetzt. Raab hält mit fast jedem einen kurzen Plausch, wenn er ihnen das Getränk in den Hof bringt. Etwas Gutes hat die Pandemie für ihn durchaus. Durch den in der Not entstandenen Biergarten konnten die Gäste zum ersten Mal im Sommer draußen sitzen. Raab ist bestrebt, das auch in Zukunft bis 22 Uhr möglich zu machen und hat bereits einen Antrag gestellt. "Dann überlege ich, ob ich in die Außenfläche investiere."

Kneipenöffnungen: Dasmüssen Gäste beachten

Kneipen & Bars Für Schankwirtschaften gelten ab dem 19. September die gleichen Regeln wie für Speisewirtschaften: im Gastraum muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden, die am Tisch abgenommen werden darf. Kontaktdaten müssen hinterlassen werden. Zudem erfolgt die Bedienung in geschlossenen Räumen am Tisch. Vor dem Besuch sollte reserviert werden, Spontanbesuche sind aber möglich. Allerdings können Gesundheitsämter laut Ministerpräsident Markus Söder den Ausschank von Alkohol ab 23 Uhr verbieten, wenn die Infektionszahlen in einer Region besonders hoch sind. mstQuelle: dpa, DEHOGA

Dehoga-Kreisvorsitzender im Interview: Lockerung nicht in Aussicht"

Wie es aussieht, werden die Regeln zu Corona noch längere Zeit bestehen bleiben, meint Georg Hötzelein, selbst Wirt und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA). Darauf müssten sich Wirte einstellen. FT: Welche Zukunft prognostizieren Sie dem Gaststättengewerbe vom jetzigen Standpunkt, speziell Kneipen und Bars, aus?

Georg Hötzelein: Die Gastronomie muss sich den Gegebenheiten anpassen. Abstände bedeuten weniger Gäste oder ein vergrößertes Platzangebot. In Folge: Weitere Wege, mehr Personal und Aufwand, ein schlankeres Angebot, Anpassung der Öffnungszeiten, schnellere Reaktionszeiten usw.

Betreiber mussten in der Vergangenheit viel wegstecken. Unter anderem ein wachsender Familiensinn sowie längere und flexiblere Arbeitszeiten bedeuten, dass die Leute gleichzeitig nicht mehr so viel frei haben. Dann noch das Rauchverbot, jetzt Corona. Es gilt, neue Inhalte zu finden, damit es für eine (betriebs-)wirtschaftliche Existenz reicht.

Was sagen Sie dazu, dass Lokale bereits wieder öffnen durfte, Kneipen und Bars bisher allerdings nicht?

Wegen der Abstandsregeln war dies ganz logisch. Das Bier mit der regen Diskussion in der Ecke am Stehtisch, eng und gemütlich - leider nicht möglich.

Wie viel machen Großveranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt oder Annafest für den Umsatz der Forchheimer Kneipen aus?

Bei Großveranstaltungen setzt man auf viel Masse in einer kurzen Zeit. Ein Annafest kann der Kellerwirt mit einem reizvollen Angebot über einen längeren Zeitraum etwas ausgleichen. Dafür entfallen hohe Kosten für Aufbau, Musik und anderes.

Wie blicken Sie auf die kommenden Monate?

Wirte mit Außengastronomie konnten in den vergangenen Monaten profitieren. Wenn jetzt wieder alles rein muss wird es enger und weniger werden bewirtet werden können. Wir müssen unseren Gästen Sicherheit bieten um sie zurückzugewinnen. Eine Chance auf Lockerung der Auflagen sehe ich zur Zeit nicht.