Wie Claudia Gottstein, Obermeisterin der Friseur-Innung Forchheim, berichtet, stünden viele Unternehmen mittlerweile mit dem Rücken zur Wand und berichteten von erheblichen Zahlungsschwierigkeiten. Die Rücklagen seien vielerorts aufgebraucht.

"Jetzt ist schnelle finanzielle Hilfe von Seiten der Regierung notwendig", mahnt die Obermeisterin in der Pressemitteilung, "doch ist diese mit Blick auf die existierenden Hilfsprogramme für uns Friseure nur bedingt zu erwarten." Denn bedauerlicherweise kämen Friseurbetriebe nicht in den Genuss eines umsatzabhängigen Hilfsprogramms, wie es bei der November- beziehungsweise Dezemberhilfe der Fall ist, sondern die Salons könnten lediglich die anteilige Erstattung der Fixkosten über die Überbrückungshilfe III beantragen. Eine Entschädigung für den entgangenen Unternehmerlohn sowie für die Azubi- und Minijobber-Löhne sei in den Hilfsprogrammen aktuell nicht vorgesehen.

Keine Ausweichmöglichkeiten

Zudem habe das Friseurhandwerk keine einträglichen "Ausweich- oder Kompensationsmöglichkeiten" wie die Gastronomie (To-Go-Geschäft) oder der Einzelhandel (Click & Collect). Zwar ist der Produktverkauf auch für Friseure erlaubt, jedoch sei er im Friseurhandwerk umsatzmäßig verschwindend gering.

"Den größten Kostenanteil in unserem personalintensiven Handwerk machen mit circa 85 Prozent der Gesamtkosten die Löhne aus. Die finanziellen Hilfsprogramme gehen deshalb vollkommen an den Bedürfnissen des Friseurhandwerks vorbei", klagt Claudia Gottstein.

Illegale Dienstleistungen steigen

Die angespannte finanzielle Lage vieler Betriebe veranlasse immer mehr Friseure dazu, gegen die Auflagen zu verstoßen und ihre Dienstleistung bei Hausbesuchen oder im Hinterstübchen anzubieten. Die Abstands- und Hygieneregeln könnten in solchen Fällen oftmals nicht eingehalten werden. "Und die Zahl dieser illegalen Dienstleistungen wird weiter steigen, je länger der Lockdown noch andauert", beteuert die Obermeisterin.

Claudia Gottstein appelliert deshalb im Namen des Forchheimer Friseurhandwerks an die verantwortlichen Politiker, die Hilfen für Friseure rückwirkend zu überarbeiten und anzupassen, um Betrieben schnellstmöglich finanziell unter die Arme greifen zu können und eine Insolvenzwelle zu verhindern.

Hygienestandards eingehalten

Auch fordert die Innungs-Obermeisterin im Namen ihrer Mitgliedsbetriebe die schnelle Öffnung der Friseursalons, um Kunden wieder hygienisch und sicher bedienen zu dürfen und damit dem Wunsch der Bevölkerung nach Wohlbefinden und Normalität nachkommen zu können.

Claudia Gottstein verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeitsschutz- und Hygienestandards der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in den Salons, die in der Vergangenheit vorbildlich eingehalten worden seien.