Hermann Greif ist ungehalten über die Pauschalverurteilung der deutschen Landwirte. Nach Feststellung der EU belasten zu viel Gülle und Dünger das Trinkwasser und die Umwelt. Als Folge soll die Düngeverordnung nachgebessert werden.

"Noch strenger würde das dann bedeuten", weiß Greif und hält das Ganze für Mist. Denn die Forchheimer Landwirte erhofften sich eher eine Erleichterung, "denn was dort jetzt schon verankert ist, ist für den einen oder anderen Bauern existenzbedrohend".

"Bei uns gibt es kein Problem mit Nitrat im Trinkwasser", hebt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Forchheim hervor. Einer der Gründe dafür sei, dass es in Oberfranken kaum Viehbetriebe gebe. "0,7 Großvieheinheiten kommen auf einen Hektar Ackerland. Einen Stickstoff-Überfluss wie in Regionen mit viel Vieh, etwa in Norddeutschland, gibt es bei uns deshalb nicht."


Viele Schutzgebiete


Die Forchheimer Landwirte gingen ohnehin sorgsam mit der Gülle oder dem Stallmist um, betont Nützel. Die Hauptdüngung finde vom Frühjahr bis etwa September statt. "Danach wird nur in Ausnahmefällen, etwa beim Anbau von Wintergetreide, gedüngt", sagt der BBV-Geschäftsführer. "Wenn nichts auf dem Feld ist, wird der Landwirt auch nicht düngen, um seinen Geldbeutel und um die Umwelt zu schonen."

Auch über die Behauptung, dass zu viel Nitrat ins Wasser gelange, kann er nur den Kopf schütteln. "Wir haben hier viele Wasserschutzgebiete", sagt Nützel. Im 500 Hektar großen Gebiet "Im Zweng" in Forchheim gebe es den fruchtbarsten Boden im Landkreis. Der Lößboden puffert Gülle und Stickstoff gut ab. Folglich gebe es dort auch keine Nitratprobleme. Eine Messung habe unlängst einen Nitratwert kleiner als zehn Milligramm auf einen Liter ergeben, der Grenzwert sei mit 50 Milligramm definiert.


Im Herbst wird gemessen


Dann gibt es laut Nützel die Wasserschutzgebiete in Gosberg, Pinzberg, Eggolsheim oder Dormitz. "Fast in jeder Gemeinde", ergänzt Hermann Greif. Dort würden verschärfte Vorschriften gelten. Im Herbst würden Stickstoffuntersuchungen durchgeführt. "Wenn dann zu viel im Boden gefunden wird, können die Zuschüsse gestrichen oder Auflagen gemacht werden", erklärt Greif. Landwirte würden zudem gefördert, wenn sie Zwischenfrüchte anbauen, die den Nährstoff in der Pflanze halten, anstatt ihn über den Boden abzugeben.

"Wir wollen alle die Umwelt schonen. Die Landwirte sind dazu ausgebildet", hebt Werner Nützel hervor. Er schließt auch aus, dass es schwarze Schafe gibt. Sollte einmal Gülle in einem Bach vorgefunden werden, sei meist ein Unfall daran schuld, erklärt der Geschäftsführer des BBV. Die Landwirte würden beim Düngen tunlichst Abstand von den Gewässern halten.

Die neue Düngeverordnung muss erst noch den Bundesrat durchlaufen. Die noch strengeren Regeln könnten den einen oder anderen Landwirt im Landkreis zum Aufhören zwingen, sind sich Nützel und Greif sicher. Neue Vorschriften seien zum Beispiel, dass die Güllelager abgedeckt und die Kernsperrzeiten, in denen kein organischer Dünger ausgebracht werden darf, verlängert werden sollen.


Grünflächen müssten künftig vorher geackert werden


Mancher Landwirt könnte wegen der verlangten Direktinjektion vor eine zu hohe finanzielle Belastung gestellt werden. Ein Güllefass, das das Material direkt in den Boden abgebe, koste zwischen 70 000 und 90 000 Euro. Wer sich das nicht leisten könne, müsse Großdienstleister beauftragen oder aufgeben.

Greif fragt sich überhaupt, wie diese Direktinjektion bei Grünland funktionieren soll. "Das müsste vorher umgeackert werden. Oder man müsste Schläuche am Boden anbringen. Das macht das Grünland kaputt", betont er. Der Bauer wehrt sich ohnehin gegen die Behauptung, dass der Landwirt die Umwelt kaputt mache. "Die Umwelt ist so sauber wie nie", findet er.

Die Forchheimer Landwirte hoffen Greif zufolge eher auf eine Erleichterung bei der Düngeverordnung. Viele Vorschriften seien für Gegenden gedacht, in denen es viele Großvieheinheiten gebe. "Wir haben die niedrigsten Besätze in Deutschland, müssen aber die gleichen Auflagen tragen", ärgert er sich. Manchmal hege er Zweifel, ob die europaweit gültigen Auflagen außerhalb Deutschlands mit der gleichen Intensität überprüft werden. Sein Fazit: Die neue Düngeverordnung würde im Landkreis nur Landwirte treffen, auf die der Vorwurf ohnehin nicht zutrifft.