Der Medizinhersteller Siemens Healthineers eröffnet feierlich ein neues Werk in Franken. Es ist das erste seiner Art. In der Fabrik entstehen ganz besondere Schätze.
Siemens Healthineers hat am Standort Forchheim eine neue Fabrik zur Herstellung von Halbleitersensoren für Röntgenstrahlung eröffnet. In der nach Unternehmensangaben in Europa einzigartigen „Photon-counting Sensor Fab“ werden Sensoren auf Basis von Cadmiumtellurid (CdTe) - kristallinen Verbindungen - gefertigt. Sie kommen in photonenzählenden Computertomographen (CT) zum Einsatz.
Bei einer Computertomographie werden schnell und computergestützt Röntgenbilder erstellt. Die neuen photonenzählenden CTs ermöglichen Aufnahmen mit höherer Bildschärfe und einer geringere Röntgenstrahlendosis für den Patienten. Mehr zu den revolutionären Neuerungen und dem Herstellungsprozess der Sensoren liest du hier (PLUS-Artikel).
Eröffnung der neuen Siemens Healthineers Halbleiterfabrik in Forchheim: Rund 9500 Quadratmeter Fläche
Zur Eröffnungsfeier der Fabrik kamen rund 300 Gäste aus Gesundheitswesen und Politik, Projektbeteiligte sowie Beschäftigte des Unternehmens zusammen. Begrüßt wurden sie von Bernd Montag, dem Vorstandsvorsitzenden der Siemens Healthineers. Der Medizintechnikhersteller und Siemens-Tochter mit Firmensitz in Erlangen ist auch in Forchheim stark vertreten und mit knapp 5000 Arbeitsplätzen einer der Top-Arbeitgeber der Forchheimer Region - und auch qualitätstechnisch in ganz Bayern.
Das neue Fabrikgebäude in der Siemensstraße verfügt über eine Nutzfläche von rund 9500 Quadratmetern. Nach eigenen Angaben investierte Siemens Healthineers für das Gebäude und die technische Ausstattung rund 100 Millionen Euro. Zudem sollen mehr als 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Bauarbeiten hatten 2023 begonnen und wurden nun abgeschlossen.
In der Fabrik werden künftig Cadmium und Tellur in hoher Reinheit verarbeitet. Beide dieser Stoffe sind giftig. Für die Abluft- und Abwasserreinigung investierte das Unternehmen daher zusätzlich einen einstelligen Millionenbetrag.
Herstellung der Sensoren dauert mehrere Wochen
Hintergrund für den Ausbau der Fertigung ist die steigende Nachfrage nach photonenzählenden Computertomographen. Die bisherige Produktionsstätte für Halbleitersensoren in Japan nähert sich nach Unternehmensangaben ihrer Kapazitätsgrenze. Mit der neuen Anlage in Forchheim soll die Fertigung auf einen weiteren Standort verteilt und im industriellen Maßstab ausgebaut werden.
Die Herstellung der Sensoren umfasst mehrere Prozessschritte. Cadmium und Tellur werden dabei bei hohen Temperaturen von etwa 1.110 Grad miteinander verschmelzen. Dabei entstehen komplizierte Polykristalle. Diese werden durch sogenannte Keimkristalle zum kontrollierten Wachstum gebracht – dabei entsteht ein Einkristall, der für die Sensoren weiterverarbeitet werden kann. Das dauert seine Zeit – rund zehn Wochen.