• Die Preise für Holz sind extrem gestiegen, es herrscht Knappheit
  • Holzbauer aus Forchheim muss bereits improvisieren
  • "Am Ende bist du der Depp" - Zimmermeister spricht über schwierige Lage
  • Fränkische Waldbesitzer bekommen weiter nur Niedrigpreise 

Zimmermeister aus Forchheim wegen Holzmangel in Bedrängnis - "Bestraft wird der, der gut geplant hat": Seit mehreren Monaten spielt der weltweite Holzmarkt verrückt. Während Handwerker kaum Nachschub bekommen, bleiben Waldbesitzer auf Massen an Schadholz sitzen. Der Forchheimer Holzbauer Philipp Blümlein spricht von Preissteigerungen um bis zu 110 Prozent und fünfmal längeren Lieferzeiten. inFranken.de erklärt, warum die Lage auf dem Holzmarkt derzeit so schwierig ist. 

Forchheimer Holzbauer erklärt: "Käferholz ist kein kaputtes Holz" 

Philip Blümlein baut mit seinem 30-köpfigen Team in Forchheim unter anderem Carports, Dachstühle und ganze Häuser aus Holz. "Ich als Firma kriege momentan zwar Holz her. Aber die Lieferzeit beträgt etwa 15 bis 20 Wochen. Normal sind zwei oder drei, manchmal sogar noch die gleiche Woche", so Blümlein gegenüber inFranken.de. Er spricht von Preissteigerungen um 110 Prozent im Vergleich zu Oktober 2020. 

Dafür gebe es mehrere Gründe: "Die Trump-Regierung hatte Kanada mit Strafzöllen belegt, deshalb importieren die USA mittlerweile viel mehr aus Europa", so Blümlein. Die Nachfrage sei auch in Asien extrem gestiegen. "Das sind Riesenwachstumsländer, die explodieren." Profitieren würden davon große Industriesägewerke in Deutschland. "Erst gestern habe ich ein Foto aus dem Rotterdammer Hafen gesehen, wo riesige Holz-Lieferungen aus Deutschland liegen, die großen Sägewerke stoßen sich reich."

Dabei handle es sich oft um Holz von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen wurden. "Käferholz ist kein kaputtes Holz. Der Käfer frisst sich vor allem in die Rinde. Wenn er nicht tief genug drin ist, ist das kein Problem", so Blümlein. Die Abnehmer, etwa in China und den USA seien bereit, deutlich höhere Holzpreise zu zahlen als in Deutschland üblich. Allerdings würden von dem Boom kaum die kleinen Sägewerke in der Region profitieren. 

Situation macht Holzbauern und Waldbesitzern in Franken zu schaffen

Und auch die Waldbesitzer in Franken selbst bekämen deshalb keine höheren Preise für ihr Holz, sagt Blümlein. "Der Waldbesitzer kriegt hier vielleicht 50 Euro pro Kubikmeter, die Sägewerke verkaufen das Rundholz für 580 Euro pro Kubikmeter ins Ausland." Der Grund: Ein Überangebot.

Und sie müssen permanent eigenhändig ohne teure Maschinen Bäume fällen, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. 

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"Man sollte jedem Waldbesitzer vernünftiges Geld zahlen, dass es sich für sie auch lohnt, in den Wald zu fahren", sagt Firmenchef Blümlein. Seine Firma habe selbst einen recht hohen Holzverbrauch pro Jahr, etwa 1000 Kubikmeter. Blümlein ist auf Massenlieferungen von verarbeitetem Holz angewiesen. Doch das wird immer teurer. "Ich habe bis vor ein paar Monaten 450 Euro pro Kubikmeter gezahlt und bin jetzt schon bei 980 Euro für Schnittholz."

Er spüre die Nachteile in seinem Unternehmen deutlich: "Wenn man schnell etwas braucht, kann man es vergessen. Man muss teilweise sogar improvisieren, Bretter selbst zusammenleimen. Aber das geht nur begrenzt, wegen der Stabilität." Blümlein sagt, er instruiere seine Kollegen genau, für Projekte "vorzudenken und zu schauen, dass dann auch genug im Lager ist". Er spricht von einer "blöden Situation", die alle Beteiligten treffe. 

Fränkischer Holzbauer warnt vor "künstlicher Preisverknappung"

"Aber am Ende bist du als Handwerker der Depp. Denn du hängst immer hinten dran", sagt der 42-Jährige aus Forchheim. Bestraft werde der, der gut geplant habe, meint Blümlein. Denn viele Verträge seien vor einem halben Jahr oder länger geschlossen worden - mit deutlich geringeren Preisen. "Und der Kunde hat für das Projekt vielleicht ein Darlehen aufgenommen. Da muss ich schauen, dass ich mit den Preisen nicht zu sehr hochgehe."

Blümlein warnt auch andere davor, eine "künstliche Preissteigerei" mitzumachen. "Eigentlich sprechen wir von einer hohen Nachfrage nach Nadelbäumen. Komischerweise werden aber auch Eiche und Lärche teurer." Weil wegen Corona viele Menschen zu Hause kreativ würden und die Baumärkte teils geschlossen sein, kämen die Leute zu ihm, um Holz zu holen. "Aber ich kann gerade eh nichts an Privatleute abgeben. Ich muss schauen, dass noch Holz im Lager bleibt." 

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