Zum 1. Januar ist eine neue EU-Verordnung mit einem unscheinbaren Namen in Kraft getreten - die Abgasnorm Euro 6. Nach dieser Richtlinie sollen Nutzfahrzeuge künftig weniger Schadstoffe in die Luft blasen dürfen. Die Abgasnorm betrifft alle Fahrzeuge, die zwischen 3,5 Tonnen und 18 Tonnen schwer sind.

Sie betrifft damit auch fast alle Feuerwehrfahrzeuge. Zwar gilt in Bayern eine Sondergenehmigung, die bis zum 31. Dezember 2016, auch Euro 5 in Kraft lässt. Ab 2017 müssen die Feuerwehrfahrzeuge auch in Bayern entsprechend der Euro-6-Norm beschafft werden.

"Das wird große Probleme geben", unkt Kreisbrandrat Reinhardt Polster. In der Praxis hält er Euro 6 für die örtlichen Wehren kaum umsetzbar: "Um die Vorgaben der Euro-6-Abgasnorm einzuhalten, muss an die Motoren ein rund 300 Kilogramm schweres Reinigungssystem angebaut werden.
Zusätzlich zum Gewicht des Systems kommt ein Platzbedarf von etwa einem Kubikmeter."

Das könnte knapp werden

Dieser erhöhte Platzbedarf habe zur Folge, dass die Fahrzeuge noch massiger und größer werden dürften.
Viele Feuerwehrhäuser sind laut Polster für diese Vergrößerung der Fahrzeuge allerdings einfach nicht konzipiert. "Nachdem wir ja noch am Anfang der Norm stehen, ist von Fahrzeughöhen von 3,50 Meter die Rede. Normen zu Durchfahrtshöhen der Gerätehaustore liegen ebenfalls bei 3,50 Meter. Das würde sehr, sehr knapp werden - wenn das Auto überhaupt noch hinein passt", erklärt Florian Burkhardt, Pressesprecher der Kreisfeuerwehren.

Gerade zwei neue Autos hat die Feuerwehr in Ebermannstadt gekauft. Allerdings müssen die Ebermannstadter noch zwei weitere Löschfahrzeuge anschaffen: eines davon mit technischer Hilfeausrüstung anschaffen.

Weniger Wasser zum Einsatz

"Wir werden die Fahrzeuge bis 2016 anschaffen, sodass die alte Abgasnorm zum Tragen kommt", sagt Kommandant Holger Köferlein.

Denn wie Kreisbrandrat Polster und Pressesprecher Florian Burkhardt sieht auch er eine weitere mit Euro 6 verbundenen Problematik: Das Grundfahrgestell für die Euro-6 Norm ist schwerer, sodass die Fahrzeuge nicht mehr so schwer wie jetzt üblich beladen werden dürfen.

"Die Nutzlast der Feuerwehrfahrzeuge sinkt, da das Eigengewicht ansteigt", sagt Burkhardt. In der Folge bedeutet das in seiner Perspektive, dass künftig weniger Nutzlast im Feuerwehrauto mitgeführt werden darf.

Dafür hat Burkhardt anschauliche Beispiele parat: "300 Kilo Nutzlast entsprechen umgerechnet 300 Liter Löschwasser. Ein zusammengerollter Feuerwehrschlauch wiegt ungefähr zwischen sechs und zehn Kilo bei einer Länge von 20 Meter. Wenn wir von 300 Kilo ausgehen, wären das 600 Meter Schlauchmaterial." Auch 300 Liter Löschwasser, die bei einem Einsatz im Zweifelsfall künftig fehlen, nennt Burkhardt "schon eine Menge Holz".

"Eher unrentabel"

Benötige man mehr Löschwasser an der Einsatzstelle, würde man wohl eher ein zweites Fahrzeug anfordern.
Dieses Szenario verschlechtere dann allerdings unwillentlich die Klima-Bilanz der Feuerwehr: "Denn dann habe ich schon zwei Fahrzeuge an der Einsatzstelle die Abgase in die Atmosphäre pusten", entrüstet sich Burkhardt.

Der Pressesprecher ist überzeugt davon, dass die Feuerwehr im Grunde überhaupt keine Abgasreinigung benötigt. "Für uns ist das eher unrentabel da sich die Abgasreinigungsanlage erst bei warmem Motor einschaltet", erklärt er.

Der Motor eines Feuerwehrfahrzeuges werde aber in der Regel nur selten warm, da die Anfahrtswege meist recht kurz sind. Die Euro-6-Norm könne den Feuerwehrfahrzeugen im Gegenteil sogar schaden. Denn bei kurzen Wegstrecken verstopfe das System schon nach kurzer Zeit. "Warum braucht man eine Abgasnorm, die die Luft sauber hält, wenn wir alle 300 Kilometer mit unseren Feuerwehrfahrzeugen etwa 150 km ziellos durch die Landschaft fahren, um das Reinigungssystem wieder zu Reinigen", schimpft Burkhardt.

Die Feuerwehrautos im Landkreis Forchheim haben nach Auskunft Burkhardts einen durchschnittlichen Einsatzradius von 30 Kilometern.

Dass die Ausnahmeregelung die Situation noch grundsätzlich ändern kann, glaubt Burkhardt nicht. Die neue Norm werde kommen, so viel sei wohl klar. Hinzu kommt, dass wohl auch die Industrie kaum Anreize hat, in dieser Frage auf die Feuerwehren zuzugehen. Denn weniger als 0,5 Prozent aller Lkws über 3,5 Tonnen sind 2013 in Deutschland als Feuerwehrfahrzeuge zugelassen worden.

Anteil ist viel zu gering

Setzt man ihre geringe jährliche Fahrleistung von zum Teil deutlich unter 4000 Kilometern in Relation zu den hohen Fahrleistungen der Lkws im Fernverkehr - in der Regel über 200 000 Kilometer - , entfallen auf die Feuerwehr-Lkws weniger als 0,01 Prozent der Lkw-Fahrleistungen. "Dieser Teil ist so gering, dass es sich nicht rentiert, extra Fahrgestelle für die Feuerwehr zu produzieren, die ohne eine Abgasreinigungsanlage ausgeliefert werden", glaubt Burkhardt.

Kreisbrandrat Polster möchte die Industrie in dieser Frage allerdings nicht aus der Verantwortung nehmen. Polster sieht sie im Zugzwang, Vorreiter zu sein. Wenn diese Motoren entwickle, dann müssten sie auch passen.
An ein großes Umrüsten der bestehenden Euro-5-Fahrzeuge glaubt Polster allerdings nicht: "Da müsste es einen kompletten Motoraustausch geben. Wir können bestehende Fahrzeuge nicht umrüsten. Hier hat jede Feuerwehr ein eigenes Auto. Es sind freiwillige Wehren."

Aus diesem Grund glaubt Polster an eine Ausnahmeregelung für Feuerwehren. Diese hatte es bereits bei den anderen Euro-Normen 4 und 5 gegeben. Freiwillige Feuerwehren gibt es nur in Deutschland und in Österrich. In anderen Ländern gebe es es eine Berufswehr nur in größeren Städten. Wenn beispielsweise in Italien die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen gerufen wird, warte man dort.

"Sicher haben auch diese Wehren mehrere Autos für die Einsätze zur Verfügung, doch wer in einem kilometerweit entfernten Dorf die Feuerwehr braucht, kann nicht so schnell auf Helfer hoffen, wie hier im Land und vor allem im Landkreis mit den Freiwilligen Feuerwehrlern", sagt Polster.

Neues Auto gekauft

Auch Wolfgang Wiesenhütter, der Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr in Egloffstein ist, geht von einer Ausnahmeregelung für die Landkreiswehren aus. Problematisch könnten bei Euro 5 allerdings die Umweltzonen wie beispielsweise in Stuttgart werden. Aber: "Es gibt in Nordbayern keine Umweltzone", sagt Wiesenhütter.

Auch die Egloffsteiner Feuerwehr hat erst neulich ein neues Auto angeschafft. Es entspricht den Normen von Euro 5. Über Fahrzeuge, die Euro 6 entsprechen, müssen sich Egloffsteiner deshalb bis auf Weiteres keine Gedanken machen.

Auch bei der Kleinsendelbacher Feuerwehr ist von einer Neubeschaffung noch keine Rede. "Unser Auto ist erst 13 Jahre alt. Es sollte noch etwas dauern, bis es wieder ein neues Fahrzeug gibt", sagt Maschinist Florian Burkhardt.