Den Kellys entgeht nichts. Flink huschen die Truthähne an den Zaun, als sie ihren Besitzer hören. In Choraufstellung beobachten sie jede seiner Gesten durch den Maschendrahtzaun, der ihr noch immer saftig grünes Weideland teilt. "Ich respektiere das Tier und möchte, dass es ihnen gut geht", betont Alfred Hofmann. Sobald jemand zu reden anfängt, brechen die Kellys wie auf Kommando in schallendes Gelächter aus. Unwillkürlich lacht man selber mit.


Bei Stress fangen sie an zu lachen

Dabei war die Frage gar nicht so lustig: "Das machen sie immer, wenn sie aufgeregt sind", erklärt Hofmann. Wird die Aufregung intensiver, verfärbe sich sogar ihr Kopf rot. Der ist im Normalzustand bläulich, und synchron drehen sie ihren Kopf nach links und rechts, damit sie alles im Blick haben. Der rote Schnörpfel, der über dem Schnabel hängt, wippt im Takt mit. Die Kellys sind Freilandputen, benannt nach ihrem Züchter Paul Kelly aus England.



Alfred Hofmann holt seine Kellys in Fahrenzhausen aus einem anerkannt biologischen Landbaus. "Kelly Bronze Puten sind etwas Besonderes und unterscheiden sich schon auf den ersten Blick von gewöhnlichen Puten", zitiert Hofmann den Betriebsinhaber aus Fahrenzhausen. Die schwarz-blauen Kellys im Hintergrund prusten wieder laut lachend los.


"Ein Hauch Wildgeschmack"

Das ist nicht der einzige Unterschied. Die Kelly Truthähne in Höfles sind die einzigen in ganz Oberfranken, zumindest kennt Hofmann keine anderen. Denn die meisten Puten sind aus Mastbetrieben, sogenannte Breitbrustputen, denen Beinkrankheiten nachgesagt werden und zu dick sind sie auch. Dass die zwischen 17 Kilo und 19 Kilo schweren Kellys langsam wachsende Freilandputen sind, wirke sich auch im Fleisch aus. "Sie haben einen Hauch Wildgeschmack", findet Hofmann, der sich seit 15 Jahren jedes Jahr 35 Puten holt. Auf den saftigen Wiesen seines Hofes in Höfles dürfen sie in bäuerlicher Freilandhaltung groß werden. Die Kellys sind recht zutraulich, gehen auf ihren Besitzer zu, der ein wenig Futter in den Händen hält. "Das Futter stelle ich selbst her, quetsche es", erläutert Hofmann. Kein Antibiotikum. Was er nicht essen möchte, will er auch niemand anderem geben. Die Truthähne können sich frei bewegen, haben ihren Stall, Sandbäder, Sitzstangen, mehrere Wasserstellen und neben dem Gras - vor allem Brennnesseln essen sie gerne - macht das hochwertige Körnerfutter, bestehend aus Weizen, Gerste und Sojaschrot beispielsweise, die Tiere richtig satt.

Wieder stimmen die Kellys ein Gelächter an. Sie merken, wenn etwas anders ist. Auch, dass ihre Hennen nicht mehr da sind. "Ich hänge an den Tieren. Ich weiß aber auch, dass sie geschlachtet werden", sagt Hofmann. Genau das ist der Grund, warum die Damen auf der Weide fehlen. Aber das Geflügel wird als Gaumenschmaus immer mehr entdeckt. Truthähne oder Puten, wie sie hier eher genannt werden, sind das einzige Geflügel, das weißes und rotes Fleisch besitzt. Das Putenfleisch sei fester, aromatischer und auch etwas dunkler. Auch Fett enthält das Fleisch, was aber wiederum ein wichtiger Aromaträger sei und sich der Geschmack dadurch verbessere.


Alle schon verkauft

Hofmanns Kellys sind schon lange vor dem Weihnachtsfest verkauft. Hauptsächlich aus Nürnberg oder Erlangen kommen die Kunden, die lieber Pute statt Gans als Festessen auftischen. Natürlich ist das Fleisch zerkleinert. Einen so großen Bräter gebe es nicht, um einen ganzen Truthahn in den Ofen zu schieben. Die Landwirtschaft, vor allem die Truthähne und Gänse, waren und sind Hofmanns Hobby. Bei der AEG Telefunken in Gräfenberg war Alfred Hofmann berufstätig und hat nebenher schon immer Tiere gehalten. Dazu gehören auch die Fränkischen Landgänse, die auf der Weide auf der anderen Straßenseite mit ihrem Nachwuchs umher watscheln. Sie sind eher eine seltene Rasse, die aber von jeher geschätzt worden war. Auch sie werden bald geschlachtet. Mit dem Herbst ist die Zeit einfach gekommen, nach mindestens 180 Tagen bei den englischen Freilandputen.


Ob der Präsident sie begnadigt?

Zu Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest, werden sie momentan eher selten verkauft und der amerikanische Präsident wird auch keine der Kellys in Höfles begnadigen.

Für den Genießer sind die Kellys allerdings eine Bereicherung und die Kunden wissen, dass Hofmann den Tierschutz groß schreibt. "Meine Tiere haben nicht das Paradies auf Erden, aber sie können ihr Sozialverhalten ausleben. Es ist mir ein Anliegen, den Puten ein würdiges und artgerechtes Leben zu ermöglichen", betont Alfred Hofmann.