Bezeichnend für die Debatte der Stadträte über die Sicherheitslage: Es ist weniger die Kriminalität, die Sorge bereitet, sondern die Situation im Straßenverkehr. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) merkte überrascht an, wie sehr sich manchmal die "gefühlte Sicherheit" von den Tatsachen unterscheide.
Polizeichef Jürgen Knauer verdeutlichte den Räten im Hauptausschuss diese Diskrepanz am Beispiel der Wohnungseinbrüche. Manchmal lasse er seine Zuhörer schätzen, wie viele Einbrüche sich ihrer Meinung nach in einem Gebiet von der Größe Forchheims und des westlichen Landkreises ereignen. Viele schätzten dann "mehrere hundert" oder gar tausend Einbrüche. Doch im Jahr 2015 waren es in den Kommunen Forchheim, Dormitz, Effeltrich, Eggolsheim, Hallerndorf, Hausen, Heroldsbach, Hetzles, Kleinsendelbach, Kunreuth, Langensendelbach, Neunkirchen am Brand, Pinzberg, Poxdorf und Wiesenthau - 26 Einbrüche.

Viel mehr Gefahren gehen von den Straßen aus. Jürgen Knauer wies auf ein deutschlandweites Phänomen hin: Die Zahl der Unfälle, die in der Republik bis zum Jahr 2012 immer weiter gesunken war, nimmt seit dem stetig zu. Auch im Kreis Forchheim. Im Jahr 2016 (Stand September), sei eine erneute Steigerung zu verzeichnen, bedauerte Polizeichef Knauer. Nachdem im Jahr 2015 wieder zwei Menschen auf den Straßen des Landkreises gestorben waren, schien man heuer lange vor Unfällen mit tödlichen Folgen verschont. "Doch vor zwei Wochen hat uns die Realität eingeholt", sagte Knauer mit Hinweis auf den tödlich verunglückten Motorradfahrer bei Effeltrich.
Die Entwicklung im Sicherheitsbericht 2015 vermerkt 1628 Unfälle insgesamt (2011 waren es nur 1487 und im Jahr 2014 bereits 1611); davon 282 Unfälle, bei denen sich Menschen verletzten. Wobei die Zahl der Schwerverletzten von 40 auf 49 stieg. Mit leichten Verletzungen mussten sich 327 Verkehrsteilnehmer behandeln lassen, ein Jahr zuvor waren es 305.


Rasen und tunen

Doch das Leid geht nicht nur von schwerwiegenden Unfällen aus. In den Wortmeldungen der Räte im Hauptausschuss summierten sich viele Klagen über den Lärm der getunten Autos und Motorräder; über rasende Autos in Wohngebieten; über gefährliche Ampelschaltungen oder versperrte Radwege.
Den krassesten Fall schilderte CSU-Rätin Martina Hebendanz: Durch den ICE-Ausbau und den versperrten Radweg in Richtung Kersbach "sind dort die Fahrradfahrer abgeschnitten von der Außenwelt".


Vorsicht Statistik!

Polizeichef Jürgen Knauer lieferte nicht nur den Sicherheitsbericht 2015 ab. Er gab den Stadträten auch eine kleine Lehrstunde darüber, Statistiken mit Vorsicht zu genießen. Etwa beim Thema Aufklärungsquote: Die Polizei Forchheim ist für die Sicherheit von 75 000 Menschen in der Großen Kreisstadt und im westlichen Landkreis zuständig. In diesem 270 Quadratkilometer großen Gebiet ereigneten sich im vergangenen Jahr 2653 Straftaten. Laut Sicherheitsbericht wurden 71,8 Prozent aufgeklärt.
Doch Jürgen Knauer betonte die "Verzerrungen" der Statistik durch die Migration. Denn in die Aufklärungszahlen fließen auch die illegalen Aufenthalte und Grenzüberschreitungen der Flüchtlinge mit ein, ein Sachverhalt, der den statistischen Vergleich mit den Vorjahren verzerre. Daher rechnete Polizeichef Knauer, als er am Donnerstag im Hauptausschuss der Stadt über die Kriminalitätsentwicklung sprach, die "ausländerrechtlichen Verstöße" gesondert. Aber auch so liege die Aufklärungsquote bei immer noch beachtlichen 70,2 Prozent und damit fast auf dem Vorjahresniveau (minus 0,2 Prozent). Oberfrankenweit liegt die Polizei Forchheim damit im Trend von 72,9 Prozent Aufklärung (70,4 Prozent ohne ausländerrechtliche Verstöße).
Noch verzerrter ist die statistische Erfassung der Jugendkriminalität: Die Zahl der Tatverdächtigen scheint um erschreckende 19,5 Prozent auf 348 gestiegen zu sein. Doch auch unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sind durch ihre illegale Einreise in dieser Statistik registriert. Zieht man die Zahl ab (276) ist plötzlich bei der Jugendkriminalität ein erfreulicher Rückgang um 5,2 Prozent zu verzeichnen.
SPD-Rätin Anita Kern freute sich darüber, dass Jürgen Knauer den immer wieder kursierenden Mythos "Asylbewerber sind kriminell" ausdrücklich widerlegte. An 125 der 2653 Straftaten des Jahres 2015 waren Asylbewerber beteiligt, sagte Knauer. Das entspreche einer Quote von unter fünf Prozent, da könne man wirklich nicht von einer besonderen Gefährdung sprechen, die von dieser Gruppe ausgehe.