Der Hausener Heimatpfleger Gerhard Batz ist mit seinem zweiten Teil der Trilogie eines geschichtlichen Abrisses über die Hausener Tracht fertig. Das Buch mit dem Titel "Von mittelfränkischer Kleidung zu oberfränkischer Tracht" umfasst 276 Seiten und 70 meist farbige Abbildungen. Es kann für 30 Euro bei der Gemeinde Hausen erworben werden. "Das Buch enthält viele neue und auch für mich bisher nicht gekannte Informationen und spannende Geschichten, wie sich aus der von Nürnberger Einflüssen geprägten einfachen Hausener Alltagskleidung eine prächtige Festtracht entwickelte. Sie zählt zu den bekanntesten in Oberfranken", lobt Bürgermeister Bernd Ruppert (CSU) die Arbeit und die umfangreichen Recherchen des Heimatpflegers. Sein Buch schließt an sein erstes Werk "Bekleidung im Dorf Hausen 1570 bis 1806" an und beleuchtet die Trachtenwirklichkeit im oberen Regnitztal von 1806 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918. Anders als im ersten Teil geht Gerhard Batz bei seinen Geschichten rund um die Tracht auch auf nahe gelegene Orte im Forchheimer Umland ein. Sein Fokus richtet sich indes immer wieder auf seine Heimatgemeinde, die schließlich - im Vergleich zu ebenfalls bekannten Trachtenorten wie Effeltrich oder Pretzfeld - eine viel längere Trachtentradition aufweisen kann. Die Gemeinde Hausen pflegt diesen Ruf seit Jahrzehnten. Im Rathaus, an der Schule, beim Hausener Wahrzeichen, dem Wasserrad in der Regnitz, und besonders im Dorfmuseum wird die Tracht herausgestellt.

Auf der Suche

Seit den 1920er-Jahren suchten Heimatforscher nach Wurzeln und Vorbildern dieser Tracht. Doch schon in den 50er-Jahren meinte der Hausener Heimatforscher Konrad Kupfer resignierend: "Genauere Beschreibungen aus früherer Zeit sind sehr selten." Auch weitere Beiträge hatten bisher große Lücken, weil fundierte Beschreibungen für die Hausener Bekleidung der Zeit vor 1842 fehlten, als sie in das Blickfeld der bayerischen Verwaltung rückte und mehrfach als Beispiel für eine angeblich aussterbende "Volkstracht" herausgestellt wurde. Dies veranlasste bereits vor Jahren Gerhard Batz, sich auf die Suche nach Informationen zu machen, um die Hintergründe der Entstehung dieser Tracht zu erforschen. Im vergangenen Jahr erschien dann seine wissenschaftliche Studie, die die Bekleidung in Hausen zwischen 1570 und 1806 zum Thema hatte. Sie ließ erkennen, dass die frühe Bekleidung in Hausen, das - anders als die Nachbarorte - weitgehend unter Nürnberger Herrschaft stand, stark durch Angebote von Handwerk und Handel der Reichsstadt bestimmt wurde. Nun setzte er die Arbeit mit einem zweiten Teil fort. Eine offizielle Buchvorstellung musste wegen Corona ausfallen. Anders als viele meist gefühlsbetonte Ausführungen zur erneuerten Tracht der Gegend schildert Batz objektiv und fundiert, wie die historische Bauernkleidung nach dem Ende der Nürnberger Selbstständigkeit durch die Zugehörigkeit des Ortes zu den Landgerichten Erlangen und Herzogenaurach beeinflusst wurde: Durch das breit gefächerte Textilgewerbe in Erlangen wurde sie zur Tracht.

Wichtigste Stücke

Batz beschreibt und zeigt im Bild die wichtigsten Stücke der Hausener Tracht, an denen sich dieser Einfluss nachweisen lässt, wie etwa an den weißen Strümpfen, Schnallenschuhen, dem ausgeschmückten Dreispitzhut und besonders den kunstvoll nach französischem Vorbild von Erlanger Hugenotten gestalteten Posamentenknöpfe am Brustfleck und Rock der Männertracht. Aber auch für die wertvollen bunten Seiden- oder Kattunstoffe der Röcke, Schürzen und Tücher der Frauentracht waren in großem Umfang Erlanger Textilmanufakturen verantwortlich. Beschrieben wird schließlich, wie aus den "Flinderhauben" Nürnberger Patriziertöchter das auffälligste und wertvollste Stück der Festtracht, der "Hohe Kranz", entstand. Mehr als 80 Originaldokumente im Anhang belegen beweiskräftig die Aussagen der Arbeit.

Hochzeit des Kronprinzen

Bereits in den 1830er-Jahren schrieb der Forchheimer Gerichtsarzt Georg Zeder, dass sich die Tracht am meisten in Hausen erhalten habe. 1842 wurde ein Trachtenpaar aus dem Ort zur Hochzeit des Kronprinzen und späteren König Max II. nach München eingeladen. Als der Ort 1857 ins Landgericht Forchheim eingegliedert wurde, begann die Hausener Tracht Einfluss auf die Bekleidung im Umland auszuüben. 1852 wurde eine Trachtendelegation in Herzogenaurach und 1887 bei einem Trachtenfest in Forchheim belobigt. 1900 schrieb der Effeltricher Kurat Reinlein in der volkskundlichen Zeitschrift "Bayerland" ausdrücklich, dass er sich bei der Einführung des Georgirittes und eines Flurumgangs an der Trachtenaktivität des Hausener Pfarrers Matthäus Marquard orientiert habe.

1891 beim Festzug

Gemeinsam mit je einem Paar aus Hetzles und Effeltrich trat eine vierköpfige Hausener Trachtengruppe 1891 beim Festzug zum 70. Geburtstag von Prinzregent Luitpold in München auf. Vier Jahre später führte der Hausener Bürgermeister Johann Georg Heilmann 1895 nicht nur eine eigenständige Gruppe des Ortes, sondern auch die übrigen Teilnehmer einer Delegation des Bezirksamts Forchheim beim Bayerischen Trachtenfest in München an. Schließlich besuchte eine Trachtendelegation aus Hausen 1910 auch die 100-Jahr-Feier des Münchner Oktoberfests.

Forschung geht weiter

Das Forschungsprojekt des Hausener Heimatpflegers ist mit diesem Buch nicht abgeschlossen. Es fehlt noch die Betrachtung der Trachtengeschichte im 20. Jahrhundert, die bereits in Bearbeitung und deren Veröffentlichung für das kommende Jahr geplant ist.