Dem Mann ist die Lebensfreude anzusehen. Er lacht wie ein Lausbub, seine Augen strahlen. Mit einladenden Gesten bittet er seine Gäste in den "Glücksgarten", den er in Buckenhofen am Weingartsteig, über den Dächern Forchheims, angelegt hat - mit Hütte, Feuerstelle, Schäferwagen, Aussichtspunkten, Sitzecken, duftenden Kräutern, Obstbäumen und Gemüsepflanzen. Der 72-Jährige war jahrzehntelang ein erfolgreicher Geschäftsmann. Mit zunehmender Lebenserfahrung faszinierte ihn ein Thema immer mehr: Glücklichsein.

Aber wie macht man das? Wie wird man glücklich? Betz widmete dieser Frage viel Zeit. Heute nennt er sich "Glücksbotschafter". Finanzielle Interessen verfolgt er nicht mehr; es macht ihn einfach glücklich, andere glücklich zu machen. Wir haben mit dem Glücksbotschafter gesprochen.

Frage: Herr Betz, Sie wirken wie ein sehr glücklicher Mensch.

Roland Betz: Ja, ich bin gerade glücklich. Aber das bin ich nicht automatisch. Auch ich muss etwas dafür tun.

Glück fällt niemandem einfach zu?

Es kann einem schon einmal zufallen. Aber damit es immer wieder zu einem kommt, muss man trainieren.

Glück trainieren? Wie soll das gehen?

Glücklichsein ist wie Geige spielen. Man kann es lernen. Aber man muss dafür immer wieder üben.

Und wie?

Zunächst muss man herausfinden, was für einen selbst Glück ist. Glück ist individuell und subjektiv definiert. Für den einen kann es ein Haus im Grünen sein, für den anderen ist es eine Wohnung ohne Garten und mit wenig Arbeit, weil er dann für andere Dinge mehr Zeit hat.

Und ich dachte immer, Glück habe nichts mit materiellen Dingen zu tun. Eher mit dem richtigen Partner...

So einfach ist es nicht. Auch der beste Partner kann einen nicht glücklich machen! Das muss jeder selbst tun. Und was Geld angeht: Reiche macht Geld nicht noch glücklicher, aber Arme schon. Erst ab einem Netto-Jahreseinkommen pro Familie von rund 60.000 Euro flacht die Glückskurve in Industrieländern deutlich ab, bis zu dieser Grenze steigt sie steil an.

Aber Sie haben doch vorhin gesagt, Glück definiere jeder Mensch ganz individuell.

Das stimmt. Es gibt auch glückliche Obdachlose. Die Faustformel lautet: Ob wir glücklich sind oder nicht, ist zu 40 Prozent in unseren Genen verankert. Gut zehn Prozent macht das Äußere aus - Aussehen, Ansehen, Vermögen. Zu fast 50 Prozent haben wir unser Glück selbst in der Hand. Ob man sich in einer bestimmten Lage glücklich fühlt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber eines ist uns allen gleich: Wir können uns ändern, falls wir unglücklich sind!

Vom Bauernbub zum Gemeindeschreiber, vom erfolgreichen Unternehmer zum Glücksbotschafter: Sie selbst setzen in Ihrem Leben immer neue Prioritäten.

Ja. Ich habe vieles aufgebaut, konnte es irgendwann aber auch problemlos in andere Hände geben. Ich lebe selbstbestimmt nach dem Resonanz-Prinzip: Was ich gebe, kommt zu mir zurück.

Klingt sehr sozial. Macht ein sozialer Lebensstil glücklicher als ein egoistischer?

Schauen Sie sich den "World Happiness Report" an. Die skandinavischen Länder sind alljährlich ganz vorne. Warum? Weil Familie und Freundschaften dort einen sehr hohen Stellenwert haben und weil Unternehmen viel sozialer und arbeitnehmerfreundlicher eingestellt sind als bei uns - Stichwort: "hygge" Philosophie. Glückliche Mitarbeiter haben ihrerseits Auswirkungen auf ihre Arbeitsstätten. Sie sorgen für erfolgreiche Unternehmen.

Demnach wäre es für alle Arbeitgeber gewinnbringend, für entsprechende Arbeitsbedingungen zu sorgen.

So ist es. Nach herkömmlicher Auffassung werden wir erfolgreicher, wenn wir immer härter arbeiten; mit dem Erfolg soll das Glück kommen. Die jüngsten Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Positiven Psychologie haben aber gezeigt, dass es genau umgekehrt ist: Wir sind besonders erfolgreich und leistungsfähig, wenn wir glücklich sind. Leider hat die Wirtschaft die "Ökonomie des Glücks" noch nicht begriffen. Dabei würden glückliche Mitarbeiter kreativer und mit mehr Freude arbeiten, sie wären gesünder, zufriedener, kollegialer und hätten eine höhere Sozialkompetenz!

Und wenn es im Privatleben nicht stimmt? Wenn man mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hat oder mit dem Tod eines geliebten Menschen?

Solche dunklen Zeiten erlebt jeder Mensch irgendwann. Spirituelle Menschen finden leichter wieder ans Licht. Weil sie sich schon mit dem Sinn des Lebens befasst haben. Als meine Enkelin Viktoria mit 22 Jahren starb, haben mir Gebete und der Glaube an Gott geholfen. Ich orientiere mich an christlichen und buddhistischen Werten, glaube an ein Seelenleben, an eine Reinkarnation, und daran, dass wir uns in unserem jeweiligen Leben bewähren müssen. So kann ich darauf vertrauen, dass am Ende alles einen Sinn ergibt, auch wenn ich ihn jetzt nicht sehe. Das ist auch ein Teil meines Lebensglücks.

Welche Glücksquellen zapfen Sie noch an?

Vor allem gehe ich immer wieder raus in die Natur! Das ist für mich eine große Glücks- und Energiequelle. Zudem achtsam und dankbar zu sein, meinen Stärken zu vertrauen und meine Träume ernst zu nehmen. Chef des eigenen Lebens zu werden statt "gelebt zu werden". Und auch mal herzlich zu lachen - dann lacht das Leben zurück! Glücklich macht es mich außerdem, Brücken zu anderen Menschen zu bauen - das heißt auch, Menschen zu vergeben; wer das nicht lernt, wird oder bleibt genauso unglücklich wie jemand, der sich immerzu mit anderen vergleicht.

Klingt super, aber auch sehr theoretisch.

Das ultimative Glücksrezept gibt es nicht. Man muss ein Suchender sein, sein Herz öffnen! Lebensglück entsteht nicht nur durch große, positive Ereignisse, sondern viel öfter durch kleine Glücksmomente. Es sind Mosaiksteinchen, die man zusammensetzen muss. Überlegen Sie einfach mal abends, wenn Sie zu Bett gehen, wofür Sie heute froh und dankbar sein können. Da kommt einiges zusammen, jeden Tag!

Wirklich?

Ja. Ein Tag ist nie völlig grau in grau. Immer gibt es kleine Freuden. Ich trage stets einen kleinen Herzstein in der Hosentasche, der mich daran erinnert. Jedes Mal, wenn ich negativ denke, stemme ich mich bewusst dagegen. Jeder kann frei wählen, was er denkt. Warum sollte man die negative Version bevorzugen?

 

Info: Das eBook "Glücks-Brevier", 274 Seiten, kostet 4,49 € und kann bei Amazon-Kindle bestellt werden.

Glücksgarten: Roland Betz' Glücksgarten in Forchheim-Buckenhofen ist die kleine Version des Glückslehrpfads im Schlosspark Dennenlohe

Zur Person:  Roland Betz wuchs in Willersdorf bei Forchheim auf, in einer Handwerkerfamilie mit kleinem Bauernhof. Als 15-Jähriger übernahm er den Posten des Gemeindeschreibers, kurz danach wurde er auch Reporter für drei Tageszeitungen. Als Maschinenbautechniker begann er seine berufliche Laufbahn bei Siemens, übernahm dann bei einem mittelständischen Unternehmen die Verkaufs- und Außendienstleitung und gründete selbst mehrere Firmen, darunter eine Verkäufer-Akademie und eine Unternehmensberatung. In den 1990er Jahren gehörte er zu den "TOP 100" der innovativen Unternehmen Bayerns. Zur Jahrtausendwende verkaufte er seine Firmen, zog an den Gardasee, studierte fernöstliche Philosophien, beschäftigte sich mit Positiver Psychologie und wissenschaftlicher Glücksforschung, wurde Buchautor, Coach und Berater. Betz ist seit 1971 mit seiner Frau Brigitte verheiratet und hat drei Kinder. Mehr über ihn: www.humanhappiness.de