Ein Toter lebt durch die Erinnerung weiter. Eine Form davon ist die Art der Bestattung, die des Grabplatzes. Seine Vielfalt hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Friedhofsverwaltung der Stadt Forchheim bietet deshalb eine Palette unterschiedlicher Möglichkeiten an, um den Vorstellungen und dem Herkommen Verstorbener und ihrer Nachkommen gerecht zu werden.

Anlässlich des Tag des Friedhofs am 20. September veranstalteten Grünamtsleiter Herbert Fuchs und seine für Bestattungen zuständigen Mitarbeiter Nicole Schmittlutz und Martin Jung einen Rundgang über den Alten und den Neuen Friedhof. "Damit niemand in einem Trauerfall überfordert ist, bieten wir künftig alle ein, zwei Monate solche Friedhofsführungen an", erklärt Fuchs.

Den überwiegend älteren Teilnehmern legt er nahe, sich zu fragen, wie die Nachkommen mit den Ideen und Wünschen zurechtkommen könnten. Generell sieht er einen Trend zur Urne und zum pflegefreien Grab, was nicht zuletzt der Entfernung zwischen Grabstätte und Wohnort der Nachkommen geschuldet ist, oder Menschen, die keine Verwandten haben.

Muslimische Familien

Die Stadt Forchheim bemüht sich, den häufig religiös motivierten Vorstellungen entgegenzukommen. Deshalb steht muslimischen Familien der für pathologische Untersuchungen vorgehaltene Raum für die rituelle Waschung eines Toten zur Verfügung und ein Friedhofsfeld, bei dem die Gräber nach Osten ausgerichtet sind.

Ein wesentlicher Grundsatz bei aller Vielfalt ist die Einhaltung der Totenruhe. Und damit ist keineswegs die Ruhe auf dem Friedhof gemeint, sondern dass ein Grab oder Urnenplatz ohne zwingenden Grund nicht mehr geöffnet werden darf. So muss Schmittlutz allen Anfragen nach einer anderen Bestattungsform nach der Beisetzung eine Absage erteilen. Zwölf Jahre dauert die Ruhefrist für eine Urne; bei Erdbestattungen sind es wegen der Bodenverhältnisse sogar 25 Jahre. Das Gesundheitsamt, so Fuchs, habe die Frist wegen konservierender Lehmschichten für alle Friedhöfe im Stadtgebiet von früher 15 Jahren um zehn Jahre erhöht.

Beliebte Urnenstelen

Der Rundgang führt zu den sehr beliebten Urnenstelen und den bepflanzten Feldern der sogenannten teilanonymen Bestattungen, zu den Waldgräbern. Nicht nur hier bestehe keine Pflicht, einen Grabstein zu errichten, erläutert Fuchs, eine weitere Form des anonymen Grabplatzes, gleich ob für Urnen oder Erdbestattungen.

Gewünscht werden häufig auch Baumbestattungen. Hier schlägt die Stadt einen Mittelweg ein und erlaubt auch Blumen- und anderen Schmuck um den ausgewählten Baum. Denn wie schon der Blick beim Rundgang zeigt: Vielen Menschen ist es ein Bedürfnis, auf das Grab oder an den Bestattungsplatz Gegenstände, die mit dem Toten und damit der Erinnerung an ihn verbunden sind, zu legen. Das reicht von der Aufschrift auf einen Stein "In unseren Herzen lebst du weiter" über Fotos des Verstorbenen bis hin zu so persönlichen Dingen wie einem Miniatur-Fußballshirt des Lieblingsvereins und dem bunten Luftballon, den wahrscheinlich ein Enkelkind mitgebracht hat.

Grabbeigaben

Im Kern ist da manches nur eine Variante der Grabbeigaben, die bei jahrhundertalten Gräbern die Herzen der Archäologen höherschlagen lassen, erzählen sie doch viel über die Kultur des Bestatteten. Und sie bestätigen auch, dass die Wurzeln von Bestattungsformen und -riten weit in die Frühzeit der Menschheit zurückreichen - allein schon der Begriff Kolumbarium, wie der überdachte Urnenstandort auf dem Alten Friedhof genannt wird. Gebäude mit vielen Bestattungsplätzen in Nischen kannte man schon in der Antike unter dem gleichen Namen.

Rauchend um das Grab

Es mag zuerst befremdlich erscheinen, wenn sich eine traditionsorientierte Sinti-Familie rauchend um das Grab eines Angehörigen versammelt. Doch dieser Brauch steht in Verbindung mit dem Weihrauch, den ein katholischer Geistlicher über dem offenen Grab schwenkt. Denn hinter beidem steht der Begriff des Rauchopfers, was sehr viele Religionen kennen; beides soll den Verstorbenen ehren.

Für eine Frau, deren Eltern in den 80ern sind, ist der Rundgang eine Entscheidungshilfe. Sie will ihren Eltern nahelegen, ihre Urnen im vorhandenen Familiengrab beisetzen zu lassen. Zwölf Jahre sind für sie ein Zeitraum, den sie eher abschätzen kann als ein Vierteljahrhundert, wenn auch sie selbst betagt sein wird. Eine alleinstehende Dame überlegt noch, welcher Urnenplatz es sein soll. Man kann ihn auch zu Lebzeiten kaufen, muss aber gleich die Gebühr für zwölf Jahre zahlen. Im Todesfall wird dann noch die Gebühr fällig für die Jahre, die auf die zwölfjährigen Ruhezeit der Urne noch fehlen.

Informationen

Bestattungsformen in Forchheim: Erdbestattungen, Urnenbestattungen im Erdgrab, teilanonyme Urnengräber, anonyme Urnenbestattung, Urnenstelen, Urnenplatz im Kolumbarium, Urnenbaumbestattung.

Auskünfte, insbesondere zu den Grabgebühren, erteilt das Friedhofsbüro im Grünamt in der Haidfeldstraße neben dem Neuen Friedhof Forchheim, Telefon 09191/714-359 und 714-433.