Lars Müller legt die blaue Weste an und packt den Windschutz auf das Schallpegel-Messgerät, bevor er den Container, der als Einsatzleitung des Sicherheitsservices fungiert, verlässt. Auf dem Weg zur Bühne am Hoffmannskeller ist viel los, doch für den Mann vom Security-Service wird Platz gemacht. Es ist Freitagabend, 20 Uhr, die Stimmung der Annafest-Besucher ist gut, der Alkoholpegel steigt. Damit der Lärmpegel nicht die 90 Dezibel übersteigt, kontrolliert Lars Müller, Inhaber des SDN Sicherheitsdienstes, mit seinen Mitarbeitern an allen Bühnen die Lautstärke.


Maximale Lautstärke ist geregelt

Die Annafest-Verordnung sagt, wie laut die Bands sein dürfen, erklärt Klaus Backer, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Forchheim und an diesem Freitag Festleitung auf dem Annafest. 90 Dezibel ist die Lärm-Obergrenze, die in der Verordnung festgeschrieben ist. "Einen Schall kann man nicht so einfach berechnen", erklärt Backer, "aber es geht uns darum, dass die Bands es nicht übertreiben."

Die 90 Dezibel gelten freilich nicht direkt vor den Boxen, erklärt Lars Müller. "Es wird zirka 20 Meter von der Bühne entfernt gemessen", sagt er. Auch das ist - typisch Deutsch - in der Verordnung festgeschrieben. Für sein Team hat Müller eine Liste mit Standpunkten aufgeschrieben, wo sie die Messungen machen müssen.
Mindestens einmal in der halben Stunde wird an allen sechs Bühnen gemessen. Die Lautstärke wird in einem Protokoll festgehalten.
"Wenn es zu laut ist, dann meldet mein Mitarbeiter es mir direkt", erklärt Müller, "und dann gehen wir zum Wirt. Er hat dann die Chance, die Regler leiser zu drehen. Erst bei mehreren Verstößen würden wir zum Ordnungsamt gehen." Doch das sei bisher noch nie vorgekommen.

Seit vier Jahren ist Müller mit seiner Firma auf dem Annafest für die Sicherheit und die Lärmmessungen zuständig. In diesem Jahr habe es noch keinen einzigen Fall von zu lauter Musik gegeben. "Es kommt natürlich auch ein bisschen auf das Stück und die Instrumente an", weiß Müller aus Erfahrung. "Manche Töne sind einfach lauter, dann geht der Ausschlag auch mal kurz über 90 Dezibel, aber das passiert auch, wenn direkt neben dem Gerät jemand spricht."


Ausschlag pendelt

Am Freitagabend spielt Audiocrime am Hoffmanns-Podium. Als sie einen Song der deutschen Band Beatsteaks spielen, wird gemessen: Das Messgerät pendelt zwischen 82 und 89 Dezibel. "Alles im Rahmen", zeigt sich Müller erfreut. Trotzdem, so erzählt er, komme es immer wieder vor, dass Annafest-Besucher sich über die Lautstärke beschweren. "Dann messen wir sofort", sagt er, "aber dann hatten wir noch nie eine Überschreitung."

Die Lautstärke am Neder- und am Hoffmanns-Podium sei meistens etwas lauter als an den anderen Podien, erklärt Müller. "Das sind die Party-Keller." Die Wahrnehmung der Lautstärke sei aber grundsätzlich subjektiv. "Wenn wenig Leute da sind, wirkt es lauter", sagt er aus Erfahrung und verweist auf die regnerischen Tage unter der Woche. "Wenn aber mehr Menschen da sind, grölen die mit und es wird automatisch lauter."
"Seit wir die Messungen machen, haben wir die Lautstärke gut im Griff", sagt auch Klaus Backer. Auch Beschwerden von Anwohnern gebe es wegen der Musik nicht. "Die Fahrgeschäfte unten sind aber viel näher an den Wohnhäusern", weiß Backer, "da sagen wir den Betreibern schon ab und zu, dass sie die Musik etwas leiser drehen sollen. Aber auch hier funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut."