Der Antrag an sich war ein alter Bekannter: Wie schon vor der Kommunalwahl im alten Kreistag haben die Grünen auch im neuen Gremium beantragt, der Landkreis Forchheim möge die geplante Ostspange (Ortsumgehung zwischen Forchheim und Gosberg) aus dem Bundesverkehrswegeplan streichen lassen. Und wie auch schon beim ersten Versuch wurde der Antrag in der Kreistagssitzung am Montag mit großer Mehrheit abgewiesen (wir berichteten). Vor dem deutlichen Abstimmungsergebnis von 13 zu 41 Stimmen stand allerdings eine lebhafte Diskussion, in der beide Seiten ausführlich ihre Argumente ausgetauscht haben.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Karl Waldmann begründete den Antrag seiner Fraktion damit, dass ein Verbleib im Verkehrswegeplan Stillstand bedeute. Er plädierte deshalb für eine "kleine Lösung", die der Landkreis und die betroffenen Gemeinden gemeinsam gestalten sollten.
"Natürlich kann man da die Frage stellen, wie soll Gosberg das bezahlen", sagte Waldmann, "wenn die Kosten beim Bund liegen, hilft das aber auch nicht weiter, weil dort die Verschuldung ebenfalls hoch ist und zu unser aller Lasten geht. Wir brauchen ein vernünftiges Gesamt-Verkehrskonzept anstelle von Einzelmaßnahmen."

Mobilität für Lebensqualität

"Eine Spange ist eine Verbindungsstraße, sie soll es den Bürgern ermöglichen, möglichst problemlos zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen", entgegnete Edwin Dippacher (CSU), "Mobilität ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität. Und dazu gehört diese Straße. Wir planen ja keine U-Bahn durchs Wiesenttal."

SPD-Mann Reiner Büttner hingegen sieht in einer Ostspange nur einen geringen Vorteil für die Bürger: "Wir haben hier sehr hohe Baukosten und viel Zerstörung der Natur. Dem gegenüber steht nur eine geringe Entlastung durch weniger Verkehr. Es ist der richtige Weg, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten, nicht neue Straßen zu bauen. Sonst bekommen wir nur einen neuen Übergang des Schwerlastverkehrs von der A3 in Höchstadt zur A9 in Pegnitz."

Ex-MdB Sebastian Körber (FDP) gab dagegen zu bedenken, dass gerade die Erschließung von Straßen zur Attraktivität der Fränkischen Schweiz beiträgt: "Wenn wir das Projekt aus dem Verkehrswegeplan streichen, wird hier über Jahrzehnte nichts passieren. Und Diskussionen über den genauen Verlauf der Route sind ja zulässig." Matthias Striebich (Grüne) bot Körber daraufhin eine Wette um eine Flasche Wein an, dass sich in Sachen Umgehungsstraße "ohnehin in den nächsten zehn Jahren nichts tun wird. Deshalb müssen wir eine kurzfristige Lösung finden, die die betroffenen Bürger in Gosberg und Reuth entlastet."

Wie diese kurzfristige "kleine Lösung" genau aussehen soll, ging aus der Diskussion nicht hervor. "Dafür gibt es Fachleute, die müsste man hier engagieren", sagt Heinrich Kattenbeck, Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo). Wenn sich Naturschutzverbände, betroffene Bürger und Kommunalpolitiker mit diesen Experten zusammensetzen würden, wäre es möglich, eine finanzierbare Alternative zum Neubau der B470 zu finden, ist sich der Kirchehrenbacher sicher. "Aber so sorgen unsere Kreisräte dafür, dass ein hochwertiges Naturschutzgebiet unwiederbringlich zerstört wird."

Gespräche mit Politikern

Dies sehen Johannes Heinlein und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Forum B470 für eine Ostspange naturgemäß anders. Rund 50 Mitglieder waren am Montag zum Landratsamt gekommen und hatten vor der Kreistagssitzung ihre Meinung kundgetan. "Wir haben gute Gespräche mit Politikern verschiedener Parteien geführt", sagt BI-Sprecher Heinlein. "Unser Ziel ist es, mit sachlichen Argumenten zu überzeugen und stichhaltige Argumente für den Bau der Ostspange zu liefern, anstelle mit viel Trommelwirbel die Bürger aufzuscheuchen." Eine Vorgehensweise, die laut Heinlein bei den Kreisräten auch durchweg gut ankommt: "Alle fanden es gut, dass wir das Gespräch gesucht haben, um uns vorzustellen und unser Anliegen vorzutragen."

Dabei würde sich die BI auch offen gegenüber anderen Lösungen zeigen, wie Heinlein betont: "Wir sind grundsätzlich bereit, alles in Betracht zu ziehen, was die Betroffenen von dem hohen Verkehrsaufkommen entlastet. Allerdings kann es in unsren Augen keine Lösung sein, etwa nur eine Umgehungsstraße um Gosberg zu bauen. Das würde zwar das Problem in Gosberg lösen, aber dafür in Reuth und Kirchehrenbach zwei neue Nadelöhre schaffen." Entsprechend glücklich war Heinlein über das klare Votum der Kreisräte - was er und andere Zuschauer nach der Abstimmung auch lautstark zum Ausdruck brachten.