"Es ist furchtbar, dass sie meinen Baum in meinem Garten gefällt haben", schimpft Laura Welz. Die junge Mutter wohnt in der Käsröthe. An der Grundstücksgrenze zu ihrem Garten hat die Wohnungsbaugenossenschaft Forchheim (Gewog) Ende Januar 15 Bäume abholzen lassen.

Welz, die derzeit wegen ihres ersten Kindes in Mutterschutz ist, trauert dem gefällten Baum sehr nach: Sein Blätterdach spendete gerade im Sommer in ihrem Eckgarten Schatten. "Der Baum war riesig. Dass der Sichtschutz weg ist, ist für mich das Schlimmste", sagt Welz, die seit über 17 Jahren in der Käsröthe wohnt.

Es war der 29. Januar, als die Maschinen sich ans Werk machten, erinnert sie sich. "Ich komme vom Einkaufen zurück, sehe den gefällten Baum und denke mir: Das kann doch nicht sein! Wir lieben unsere Wohnung und den Garten - und jetzt das. Das ist einfach traurig", sagt Laura Welz. Dass nebenan ein Wohnhaus gebaut werden soll, sei allen Nachbarn bewusst gewesen und habe sie bis zu diesem Tag nie gestört. "Wir brauchen Wohnraum in Forchheim", zeigt Welz Verständnis.

Schock nach Baumfällungen

Aber die Baumfällungen schockierten Welz und viele ihrer Nachbarn. Am Montagmittag versammelten sich ein Dutzend Anwohner in der Käsröthe, um beim Vor-Ort-Termin des Bauausschusses ihrem Unmut Luft zu machen. "Uns wurde ein Stück Lebensqualität genommen", sagt Judith Effenberg, die ebenfalls in der Käsröthe wohnt. Die betroffenen Anwohner überlegen nun aufgrund der Baumfällungen eine Interessensgemeinschaft zu gründen und hoffen auf die Unterstützung der Stadtpolitik.

Die Nachbargemeinschaft fordert, dass an den Grundstücksgrenzen, wo früher die Bäume standen, neue gleich hohe Hölzer gepflanzt werden. Käsröthe-Anwohner und Architekt Michael Feuerpfeil betont, dass es möglich ist, zehn bis 16 Meter hohe Bäume zu pflanzen. Die Anwohner müssten dadurch nicht erst Jahre warten, bis die Neupflanzungen in die Höhe wachsen.

In einem Schreiben an die Anwohner kündigte die Gewog "einen Neubau" an, der mit dem Stadtbauamt abgestimmt sei und sich "harmonisch in die Umgebung" einfüge. Die Wohnungsbaugenossenschaft schließt mit den Worten "auf die gute Nachbarschaft". "So ist das aber definitiv der falsche Weg!", meint eine verärgerte Anwohnerin.

Gegenüber dem FT bezog die Wohnungsbaugenossenschaft auf Nachfrage erstmals Stellung, warum die Bäume und Büsche überhaupt abgeholzt wurden. Noch Anfang Februar rechtfertigte Loreen Klauß, Vorstandsmitglied der Gewog, die Baumfällungen mit dem Verweis darauf, dass die Bäume auf dem eigenen Grundstück standen. Am Dienstag (18. Februar) räumte Klauß ein, dass auch ein Baum auf dem Nachbargrundstück gefällt worden sei. Dies sei aber mit der benachbarten Hausverwaltung abgesprochen worden.

Bauordnungsamts-Chef widerspricht Gewog

Klauß bekräftigt, dass die Wohnungsbaugenossenschaft das städtische Bauamt eingeweiht habe. "Abgestimmt waren die Baumfällungen vorher mit dem Stadtbauamt nicht!", widerspricht Stefan Schelter, Chef des Bauordnungsamtes, vehement. "Man hätte wohl den ein oder anderen Baum zurückschneiden aber nicht Tabula rasa machen müssen."

Laut dem rechtsverbindlichen Bebauungsplan in der Käsröthe 11 sind an den westlichen und südlichen Grundstücksgrenzen insgesamt 15 Bäume "zu erhalten". Nur ausnahmsweise sei es erlaubt, im Rahmen eines Neubaus für Zufahrten Bäume zu fällen, wenn diese durch entsprechende heimische Laub- oder Obstbäume ersetzt werden. Welche der Bäume zum Beispiel für die benötigte Feuerwehrzufahrt hätten gefällt werden müssen, hätte das Stadtbauamt nachvollziehen können, erläutert Schelter.

Großteil wurde unnötig gefällt

Daran hat sich die Gewog nicht gehalten und die Bäume zu früh gefällt. Bei den (baurechtlich nicht genehmigten) gefällten Bäumen handelte es sich um Ahorn-Bäume und Birken mit teilweise sehr großem Stammumfang. Bei einigen wurde das Alter im Nachhinein auf rund 50 Jahre geschätzt. "Ein Großteil hätte erhalten werden können, aber sie wurden leider Gottes gefällt", kritisiert Schelter.

Dem Stadtbauamt liegen seit kurzem die Pläne der Gewog für die Außenanlagen vor. Dort sind Bäume vorgesehen. Aus baurechtlicher Sicht schlug Schelter den Stadträten im Bauausschuss deshalb vor, eine "massivere Empfehlung" an die Wohnungsbaugenossenschaft Forchheim auszusprechen, dass die Gewog so genannte "Bäume erster Ordnung" neu pflanzen müsse. Konkret müssten somit mindestens 15 "großkronige Bäume" mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimeter gepflanzt werden.

Und die Anwohner? Welz meint: "Wir sind auf jeden Fall dran, etwas zu unternehmen. Aber es ist natürlich traurig, denn ein gefällter Baum wächst nicht mehr."

Nach Baumfällungen in der Käsröthe: Bauausschuss lehnt Gewog-Pläne ab

Die Wohnungsbaugenossenschaft Forchheim (Gewog) will hinter den bestehenden Wohnhäusern in der Käsröthe 9 und 11 auf ihrem Grundstück zwei weitere Mehrfamilienhäuser bauen. Auch aufgrund der ungenehmigten Baumfällungen lehnten die Mitglieder des Bauausschusses am Montagabend den Antrag ab. Stattdessen soll das Bauamt mit der Gewog nachverhandeln:

Es sollen zusätzlich zu den 15 Neupflanzungen nochmals 20 Prozent mehr Bäume und Hecken gepflanzt werden. Außerdem soll angeregt werden, statt zwei Wohnhäusern nur ein (verlängertes) Gebäude zu errichten. Statt der beantragten vier Vollgeschosse mit Dachgeschoss sollen nur drei Vollgeschosse realisiert werden.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) sah den Plänen grundsätzlich positiv entgegen, die gefällten Bäume nannte er aber ein "erschütterndes Erlebnis". "Das war ein extrem ärgerliches Vorgehen", kritisierte Kirschstein. Die Bäume müssten auf dem Grundstück neu gepflanzt werden.

Stadträte wählen harte Worte

"Das ist schon ein Hammer. Die Wohnungsbaugenossenschaft sollte eigentlich ein Vorbild sein. Deshalb lehne ich das vierte Stockwerk auch ab", erklärte Stadtrat Manfred Mauser (FBF). Auch FGL-Stadträtin Edith Fieser lehnte ein viertes Vollgeschoss ab und mahnte an, nicht Wohnungsbau um jeden Preis zuzulassen. FGL-Kollegin Heike Schade betonte, dass die Fällungen Konsequenzen für die Gewog nach sich ziehen müssten. "Das ist wichtig, um einen Nachahmer-Effekt zu verhindern. Deshalb muss es auch wehtun", sagte Schade.

Neue Baumschutzverordnung

Die in der Käsröthe gefällten Bäume fielen nicht unter die städtische Baumschutzverordnung. OB Kirschstein regte deshalb an, die Baumschutzverordnung zu überarbeiten und zum Beispiel alle Bäume mit einem bestimmten Baumstammumfang unter Schutz zu stellen. Damit könnten dann in der Zukunft Bußgelder verhängt werden. Denn baurechtlich eine Nachpflanzung zu fordern, sei "ein stumpfes Schwert".

CSU-Stadtrat Thomas Werner stellte gar generell infrage, ob die sehr "direkte Bebauung" in der Käsröhte und die Nachverdichtung in unmittelbarer Nähe zum geplanten Philosophenviertel in Forchheim überhaupt nötig sei.