Von den Balkonen grüßen Geranien, es ist angenehm warm. Doch irgendetwas stimmt nicht an diesem Freitagnachmittag. Direkt am Eingang des Katharinenspitals sitzen Senioren und plaudern ein wenig, lächeln die Menschen an, die zu Besuch kommen. Alles scheint normal, und gerade das passt nicht zu dem Altenheim, das mit seinen ungehorsamen Bewohnern zuletzt bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Richtig: Die Protest-Banner an den Balkonen sind weg!

Darauf angesprochen kippt augenblicklich die Stimmung bei den Senioren. "Das hat der Stumpf angeordnet", erregt sich eine ältere Frau, die ebenso wie die anderen Spital-Bewohner ihren Namen nicht nennen will. Der Forchheimer Oberbürgermeister habe das schon bei der Live-Sendung des Bayerischen Rundfunks vor zwei Wochen angekündigt - und nun in die Tat umsetzen lassen.

Am Donnerstag musste der Hausmeister der Einrichtung die Bettlaken mit Aufschriften wie "Wir haben unser Zuhause schon einmal verloren" entfernen. Mit diesen Bannern haben sich die Alten gegen ihre Umsiedlung und Aufteilung in andere Heime gewehrt, während das Katharinenspital neu gebaut wird. "Er hat sie dann verbrannt", berichtet eine Frau.

"Lange genug gehangen"

Gegenüber unserer Zeitung gibt OB Franz Stumpf (CSU/WUO) auch unumwunden zu, dass der Auftrag zum Abhängen von ihm stammt: "Ja, es stimmt, dass ich das angeordnet habe." Nach Rücksprache mit der Heimleitung sei entschieden worden, die Plakate abzunehmen: "Sie sind lange genug gehangen."

Auf der Facebook-Seite "Pro Katharinenspital Forchheim" hat sich die Neuigkeit in Windeseile verbreitet und für viel Empörung gesorgt. "Ich finde es eine Frechheit, dass die Banner abgenommen wurden", schreibt zum Beispiel ein Stefan M. Eine Simone W. findet: "Wie die Stadt Forchheim mit diesen alten Menschen umgeht, ist eine absolute Unverschämtheit!" Und ein Jörg B. ist überzeugt: "War doch klar! Das Forchheimer Altstadtfest steht vor der Tür, wie passt dann sowas in unser Stadtbild."

Einen Zusammenhang mit dem dreitägigen Altstadtfest, das am Freitagabend nur wenige Meter vom Katharinenspital entfernt begann, vermutet auch die Seniorengruppe am Eingang. Doch Stumpf erklärt: "Nein, an das Altstadtfest habe ich da gar nicht gedacht."

Jetzt überlegen die Senioren und ihre Unterstützer im Gegenzug, das Fest für ihren Widerstand zu nutzen und dort mit Protest-T-Shirts aufzutauchen. "Was der Stumpf uns alten Leuten antut, ist nicht mehr zu verzeihen", schnaubt ein Mann und blickt hinauf zu den Geranien.