Wie aus dem Nichts tauchte vor sechs Jahren "Paul, der Gaul" im Kellerwald auf. Als Preis an einer Bude gewonnen, taugte das Fabelwesen zunächst nur zur Belustigung seiner Schöpfer. Inzwischen entwickelte sich das Plüschtier - gemeinsam mit dem etwa ein Dutzend geistigen Vätern - zu einem Spenden sammelnden Wohltäter und hat bereits über 25 000 Euro an gemeinnützige und karitative Einrichtungen weiterleiten können.

Die Truppe um "Paul, der Gaul" in ihren pinkfarbenen T-Shirts wird trotz der Annafest-Absage auch in diesem Jahr versuchen, mit ihrer Präsenz Gelder für die Kinderkrebshilfe zu sammeln, wie Lutz Reinhold, der "Oberpapa von Paul", bekannt gibt.

Als Geburtsstunde der Kunstfigur gilt der Auftakt-Freitag zum Annafest 2014, als eine Horde feierwütiger Fußballer an der Spickerbude hängenblieb. Einer von ihnen bekam als Gewinn ein zart-rosafarbenes Einhorn ausgehändigt, das er seinem damaligen Trainer schenkte unter dem Versprechen, dieses Stofftier an jedem Annafest-Tag mit in den Kellerwald zu nehmen. Weil am Ohr ein Sticker der Hamburger Herstellerfirma "Plüschtiere von Paul" hing, wurde das Ding auf "Paul, der Gaul" getauft, obwohl es ja eigentlich ein Einhorn ist.

Im Laufe des Abends wurde mit dem Fabelwesen viel Blödsinn veranstaltet. Seit diese mit dem Handy festgehaltenen Momente kurze Zeit später in einer eigens eingerichteten Facebook-Seite veröffentlicht wurden, steigerte sich die Aufmerksamkeit von Paul zum Selbstläufer. Ein Jahr darauf wollten sich immer mehr Gäste im Kellerwald mit den jetzt pink bekleideten Typen samt ihrer Kunstfigur ablichten lassen und gaben Trinkgelder. Nach dem Annafest wurden diese erstmalig einem guten Zweck zugeführt.

Schausteller Marco Lützelberger, der ab 2016 als Gönner mithalf und Lebkuchenherzen mit dem Logo der Figur für die Spendensammler organisierte, bezog diese über die Süßwarenbude seiner Schwester Doris und gab sie zum Einkaufspreis weiter. Seitdem werden die Herzen nicht nur von der Truppe um Paul selbst verkauft, sondern auch in seiner eigenen Schießbude, wie Lutz Reinhold dankbar erwähnt: "Das Engagement von Marco ist nicht hoch genug anzusetzen, durch ihn bekam die Spendensammlerei einen enormen Schub. Zuvor lagen die Erlöse im dreistelligen Bereich und schwollen mit den Herzen auf 1500 Euro erstmals in den vierstelligen Bereich an."

Dem zufälligen Treffen im McDonalds mit der Unterhaltungsband "Die Gerchli" verdanken die Wohltäter einen weiteren Sprung: "Sie waren am Annafest aufgetreten und hatten vom Musikpodest aus gesehen, wie wir Herzen gegen Spenden hergaben." Danach boten sie ihre Hilfe an. Daraus entstand schon vier Wochen später das Open-Air am Willersdorfer Sportgelände.

Seit dem jährlich stattfindenden Freiluftkonzert, für das die Musiker zweimal völlig kostenlos und zweimal nur kostendeckend auftraten, schnellte die Jahresspendengabe erst auf mehrmals 7000 Euro und im Vorjahr sogar auf 8000 Euro hoch.

Zwar sind Großveranstaltungen in diesem Jahr noch nach wie vor verboten, doch Lutz Reinhold wäre nicht "Oberpapa Paul", wenn er nicht trotzdem versuchen würde, karitative Hilfe zu starten: "An diesem Wochenende, es wäre regulär ja das zweite am Annafest, werden wir im Kellerwald unterwegs sein und versuchen, die Herzen an spendenwillige Gäste herzugeben. Geplant haben wir, dass einige von uns auch am Brauwastl-Keller stationiert bleiben, um potenziell für Fotos zur Verfügung zu stehen." Das Brauwastl-Team hilft dabei, eventuell übrige Herzen anzubieten.