Schon die alten Römerinnen wussten die Kamille zu schätzen. Ihr lateinischer Name "Matricaria chamomilla" kommt nämlich von "matrix", der Gebärmutter. Die krampflindernde Wirkung von Kamille wurde schon damals gegen Frauenleiden eingesetzt.

Die Kräuter-Führerinnen aus Vestenbergsgreuth geben ihr Wissen über Heilkräuter gerne weiter. Über 80 Veranstaltungen im Jahr richten sie im Kräutergarten Martin Bauer aus. Dazu gehören Schulungen, Vorträge und Führungen zu verschiedensten Themen - zum Beispiel über die Kamille.

In der kleinen Scheune, die speziell für Veranstaltungen umgebaut wurde, gibt es auch eine Küchenzeile. Dort haben die Dozentinnen eine Wasserdampf-Destille aufgebaut, mit der ätherisches Öl aus Pflanzen gewonnen werden kann. "Das machen wir jetzt aber nur zu Vorführungszwecken", erklärt Kräuter-Führerin Angelika Stierhof. Aus einem ganzen Beutel Kamille gewinne man nämlich höchstens ein paar Tropfen. Damit sich jeder Teilnehmer selbst einen Tiegel Kamillensalbe anrühren kann, haben die Kräuter-Führerinnen deswegen ein fertiges Fläschchen Kamillenöl dabei.

Nur blaue Salbe ist echt

Ein hörbares Staunen geht durch die gut gefüllte Scheune, als die Destille die ersten Ergebnisse produziert: Der Kolben, aus dem das Destillat tropft, färbt sich langsam in einem kräftigen Blau. Während die meisten ätherischen Öle farblos oder gelblich sind, leuchtet das der Kamille förmlich. Deswegen ist auch die fertige Kamillensalbe blau. Angelika Stierhof erklärt, was es bedeutet, wenn eine Kamillensalbe weiß ist: Dann sei entweder keine echte Kamille drin - oder so wenig, dass von der heilenden Wirkung nicht mehr viel übrig bleibe. Echte Kamillensalbe solle man deswegen am besten beim Apotheker kaufen.

Von der frisch hergestellten Salbe darf jeder sein eigenes Tiegelchen mitnehmen. Mit einer Pipette werden zuerst zwei Tropfen Kamillenöl hineingetropft. Das reicht für einen ganzen Becher. Aufgefüllt wird mit geschmolzenem Bienenwachs und Sonnenblumenöl - eine Grundlage, aus der man allerlei Salben machen kann.

Nach dem Seminar gibt es Kekse und Brot mit verschiedenen Brotaufstrichen - natürlich selbstgemacht aus Kräutern. Kräuterführerin Evi Derrer gibt die Rezepte für die Leckereien gerne unter den Gästen weiter. Auch nach zehn Jahren schätzt sienoch den Austausch mit den anderen Kräuter-Führerinnen und den Gästen: "Man lernt einfach immer was dazu."


Rezepte mit Kamille


Tee Etwa ein bis drei Teelöffel Kamille auf einen Liter kochendes Wasser ergeben einen Tee, der gegen Magenschmerzen und Krämpfe hilft. Weil der Wasserdampf die ätherischen Öle löst, unbedingt geschlossen ziehen. Der Tee wird warm (nicht heiß!) getrunken.

Dampfbad Eine kleine Handvoll Kamille mit einem Liter Wasser übergießen. Handtuch über den Kopf und tief inhalieren - das tut der gereizten Rachenschleimhaut gut.

Termine Alle Infos findet man unter www.kraeutergarten-martin-bauer.de