Der Maisanbau steht immer wieder in der Kritik. Jetzt testet Jürgen Schenk, Betreiber der Biogasanlage bei Kairlindach, eine Pflanze, die nicht nur das Landschaftsbild verändern könnte, sondern auch Bienen und anderen Insektenarten die dringend benötigte Nahrung bietet: Die durchwachsene Silphie, auch Becherpflanze genannt, soll eine Alternative zu Mais für Biogasanlagen sein.

Bienen, Hummeln und andere Insekten finden in der Agrarlandschaft immer weniger Nahrungspflanzen, beklagen zum Beispiel Naturschützer. Wird die durchwachsene Silphie der neue Star in der Landwirtschaft? Zumindest fällt der Name dieser aus der nordamerikanischen Prärie stammenden Pflanze immer häufiger, wenn es um erneuerbare Energien und um eine nachhaltige Landwirtschaft geht. "Mais ist in Verruf, weil er für die Biodiversität wenig bietet", erklärt Schenk. In ihrer Heimat, den gemäßigten Breiten Nordamerikas, herrschen ähnliche klimatische Bedingungen wie bei uns, deshalb gedeiht die Silphie im nördlichen Europa hervorragend.

Die Silphie blüht bis in den Spätherbst hinein und wird auch reichlich besucht von allen möglichen Insekten. Beim Pressetermin kommt Schenk direkt ins Schwärmen: "Es ist ein Paradies", sagt er und wenn er sich an einem Sommerabend auf den extra gebauten Hochsitz setzt, summt und brummt es in dem strahlend gelben Blütenmeer. Das 4,5 Hektar große Paradies ist strahlend gelb, liegt am Verbindungsweg von der Weisendorfer Spedition Peetz und der Biogasanlage bei Kairlindach.

Mais hat einige Vorteile, unter anderem ist der Biogasertrag recht hoch. Er hat aber auch Nachteile: Mais braucht einiges an Dünger und Pflanzenschutzmittel, er führt zu Bodenerosion und lockt Wildschweine an. Andererseits finden Insekten in Maisfeldern kaum Pollen und Nektar. Die Silphie stellt keine besonderen Ansprüche an Klima oder Boden. Sie ist relativ winterfest und gedeiht auch auf leichteren Standorten. Allerdings braucht sie für hohe Erträge humose Böden mit einer guten Wasserführung.

Kaum Bedarf an Pflanzenschutz

Die durchwachsene Silphie wird dabei den Mais nicht komplett als Energiepflanze ersetzen: "Der Grundgedanke ist, dass ein Teil des Maises ersetzt wird", erklärt Schenk. Aber auch abseits von wirtschaftlichen Betrachtungen sieht er Gründe für den Anbau, "da die Landwirtschaft mit den Maisflächen in der Kritik steht." Er sieht die durchwachsene Silphie schon mal als Alternative, "sollte es einmal zu einer Deckelung der Maisanbau-Fläche für Biogasanlagen kommen".

Sie lockt auch keine Wildschweine an, was Schäden vermeidet. Und sie braucht weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel als Mais, bestätigt Jürgen Schenk. Nur im ersten Jahr ist die Unkrautbekämpfung eine Herausforderung, danach unterdrückt die Silphie vieles durch ihren dichten Bewuchs. "Ab dem zweiten Jahr kommt sie fast ohne Unkrautvernichtungsmittel aus, andere Pflanzenschutzmittel braucht sie ohnehin nicht."

Nach der einmaligen Aussaat muss der Boden nicht mehr bearbeitet werden. Davon profitieren Bodenlebewesen wie beispielsweise Regenwürmer. Oberirdisch bietet die von Juli bis September gelb blühende Silphie Insekten und Wildtieren Nahrung und Lebensraum. Die permanente Bodenbedeckung fördert den Humusaufbau und bindet aus der Luft im Boden. Darüber hinaus schützt sie vor Erosion, da die Wurzeln tief in den Boden reichen und ihn auflockern.

Das erste Jahr der Bewirtschaftung sei noch etwas aufwendig, Ertrag gebe es normalerweise erst vom zweiten Jahr an. Deshalb wird die Silphie im ersten Jahr versteckt zwischen zwei Maisreihen ausgesät. Die Silphie ist eine ausdauernde Staude und kann mehr als 20 Jahre austreiben. Und so entfallen nicht nur die Aussaat-Kosten, sondern auch Kosten für die alljährliche Bodenbearbeitung zum Herrichten des Saatbeets. Geerntet wird im frühen Herbst mit bewährter Technik, dem Maishäcksler.

Wie Jürgen Schenk erklärte, haben die Niederschläge heuer einigermaßen gepasst. Die durchwachsene Silphie steht mehr als mannshoch und kräftig auf seinem Acker nördlich der Staatstraße. In den kleinen Bechern sammelt sich Tau- und Regenwasser, und die Blattpaare sind am Stängel verwachsen und bilden einen kleinen Behälter. Daher kommt auch der Name Becherpflanze.

Ein Angebot für Insekten

Von Mitte Juli bis Anfang September blüht die Pflanze auf dem Feld, dann kann sie geerntet werden. Die Pflanze sei allerdings im Vergleich zum Mais eine reine Energiepflanze, es gebe zwar Versuche als Futtermittel, aber das Rind möge die rauen Blätter der Pflanze nicht. Auch die Bienen freuen sich über die Pflanze, es summt und brummt über dem Feld. "Es gibt so spät kaum noch Nektar für die Bienen", sagt Schenk. Dabei geht es nicht um die Honig-Gewinnung. Bienen und auch andere Insekten können mit diesem sommerlichen Angebot ihre Brut aufbauen und sich so ein Polster für den Winter anlegen.

"Die Landwirte aus der Region können hierherkommen und sich die Pflanze anschauen", sagt Jürgen Schenk. Denn es sei wichtig, Dinge auszuprobieren. Er hoffe, dass das andere motiviere, es ihm nachzumachen. Auch sonstige Interessenten sind am Feld herzlich willkommen.