Exakt ein Monat ist vergangen, seit dem tödlich Unfall des 18-jährigen Nikolas. Seither beschäftigt der schlimme Unfall des jungen Rollerfahrers die Jugendlichen in der Marktgemeinde und darüber hinaus. Zwei seiner Freunde standen mit Bekannten damals zufällig an der gegenüberliegenden Bushaltestelle, als Nikolas mit seinem Roller in die Seite eines Autos prallte, das ihm die Vorfahrt genommen hatte.

"Wir ließen alles liegen und stehen und rannten zu dem Verunglückten", erinnert sich Sophia, 16 Jahre alt. Ihr 17-jähriger Freund Dani ließ im Affekt sogar seinen Roller mit Schlüssel im Zündschloss und sein Handy zurück. Obwohl die Jugendlichen anfangs nicht wussten, wer da verunglückt war, stürzten sie sich sofort in das Erste-Hilfe-Geschehen. Sophia rief den Notarzt, ein Bekannter alarmierte die Polizei.
Sophia war es auch, die ihrem besten Freund den Helm öffnete, damit zwei andere diesen vorsichtig abnehmen konnten. Erst da wurde ihr klar, sie hielt ihrem jahrelangen Freund Niki die zuckende Hand. Jetzt, einen Monat später, erinnern sich die Beiden an den schrecklichen Moment. Und sie betonen, wie wichtig es ist, am Unfallort Erste Hilfe zu leisten. Auch wenn das in diesem Fall letzlich nichts mehr bewirken konnte.

Während Dani und sein Kollege Alex die Herzmassage durchführten und ein dazu gekommener Erwachsener Mund-zu-Mund-Beatmung machte, begann die Schülerin hemmungslos zu weinen. Vorsichtig schob sie ihre Jacke unter den Kopf des Verletzten. Sophia und Dani verständigten die in der Nähe wohnende Mutter des Verletzten, dessen Stiefvater umgehend zur Unglücksstelle eilte. Mittlerweile zogen Dani und sein Kollege Dominik dem Schwerverletzten den Roller zwischen den Beinen weg.

Als die Sanitäter eintrafen, übernahmen sie sofort die Wiederbelebungsmaßnahmen und fuhren Nikolas schließlich ins Krankenhaus. "Endlich wurde auch die Unfallstelle abgesichert", erzählt Dani. "Bis dahin fuhren Autos rücksichtslos über die Trümmerteile des Rollers und trotz einsetzender Dunkelheit dachte niemand von uns an die eigene Sicherheit."

Sophia ärgert sich: "Rund 30 Passanten hielten sich nach kurzer Zeit auf den umliegenden Gehwegen auf und keiner fragte, ob oder wie er helfen könne." Trotz des Schocks rannte sie in die nahe liegenden Geschäfte und das Hotel und sammelte Decken, um das Unfallopfer vor neugierigen Blicken zu schützen. Allerdings dachte wohl keine der umstehenden Personen oder vorbeifahrenden Fahrer daran, für die nötige Sicherheit zu sorgen, erinnert sich die Jugendliche. Dabei wäre ein vor der Unfallstelle parkendes Autos mit Warnblinker sinnvoll gewesen. So hätten Erwachsene den jungen Menschen bei diesem Drama beistehen können.


"So gern mehr getan"


Sanitäter betreuten die traumatisierten Jugendlichen vor Ort bis zum Eintreffen zweier Seelsorger, die später jedoch mitteilen mussten, dass Nikolas im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Gegenseitig gibt sich das junge Paar nun viel Halt und so versuchen sie das Erlebte zu verarbeiten: "Es prägt einen für lange Zeit. Diese Bilder kann man nicht vergessen, abgesehen davon, dass da mein bester Freund lag." Trotz ihres hilfreichen Einsatzes fragt sich Sophia immer und immer wieder: "Was hätte ich noch tun können, ich hätte so gern mehr getan. Ich fühlte mich so hilf- und machtlos."

Dabei waren sie alles andere als hilflos. Sophia hatte vor rund drei Jahren in der Privaten Volksschule des Liebfrauenhauses einen Schulsanitäterkurs mitgemacht und Dani absolvierte einen Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen seines Führerscheins vor gut zwei Jahren. Beide haben in der Situation nicht lange überlegt, sondern sofort gehandelt. Beide sind sich einig: "Wir würden es wieder tun, egal wann und wo und für wen!" Sophia ist sicher, den Kurs bei ihrer Führerscheinausbildung sehr gewissenhaft zu absolvieren, um künftig im entscheidenden Moment richtig oder noch besser zu handeln.