Heutzutage werden die meisten Hunde als vollwertige Familienmitglieder verstanden. Der Hund soll mit in den Urlaub fahren, mit in die Pizzeria gehen, uns bei einem Einkaufsbummel begleiten, mit uns Freunde besuchen und mehr. Das kann sehr schön und bereichernd für Mensch und Hund sein - aber nur, wenn der Hund gelernt hat, sich zu benehmen.

Da kommt nun der Hundeführerschein ins Spiel, der von verschiedenen Einrichtungen wie dem BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) angeboten wird. Auch im Hundezentrum von Sabine Karl-Kraus in Adelsdorf können die erforderlichen Prüfungen abgelegt werden. Am vergangenen Sonntag hatten sich dort sechs Teams eingefunden, um die Früchte ihrer vielen Trainingseinheiten zu ernten.

Mit dem BHV-Hundeführerschein beweist der Halter, dass er seinen Hund im Alltag und in der Öffentlichkeit so führen kann, dass dieser weder andere Menschen noch Tiere belästigt oder gefährdet und dass er seinen Hund sicher unter Kontrolle hat. In Bayern gibt es Gemeinden und Städte, die Besitzern des Scheins eine Ermäßigung der Hundesteuer gewähren, zum Beispiel München.

Alle Teilnehmer fieberten dem Termin in Adelsdorf entgegen, bei dem sie endlich ihr Wissen in einer Theorieprüfung unter Beweis stellen und bei dem sie zeigen konnten, dass sich ihre Hunde in der Öffentlichkeit in allen Lebenslagen zu benehmen wissen. Bärbel Böttcher war extra aus Berlin angereist: "Jeder sollte einen Hundeführerschein machen müssen. So würden vielleicht nicht mehr so viele Hunde im Tierschutz landen, wenn die Hundehaltung eine Eintrittsschwelle hat: Sachkunde!"

Orientierung am Alltag

Lisa Litz erklärte: "Ich mache die Prüfung, weil ich der Meinung bin, dass jeder Hundehalter diese Prüfung machen müsste. Jeder sollte eine gewisse Grundkenntnis haben. Dann wären vielleicht mehr Leute auf gewisse Situationen vorbereitet." Und Katja Rudolf verriet: "Ich persönlich mache den Führerschein, weil ich nachweisen können will, dass ich meinen Hund in der Öffentlichkeit sicher führen kann. Dass er keine Gefahr oder Belästigung für Menschen und Hunde darstellt. Ich möchte den Führerschein haben, um zu zeigen, dass mein Hund und ich ein Team sind, das sich aufeinander verlassen kann und in alltäglichen Situationen souverän ist."

Die Prüfung für den BHV-Hundeführerschein ist sehr umfangreich und orientiert sich am Alltag eines normalen Hundehalters. Am Anfang gibt es einen Multiple-Choice-Test, der erst einmal bestanden werden muss, bevor die Teams in ihre praktischen Aufgaben starten dürfen. Dabei wird in drei verschiedenen Umgebungs-Situationen geprüft.

Situation A: Dieser Prüfungsteil wird in einem ruhigen, ablenkungsarmen Bereich abgehalten, zum Beispiel auf einer ruhigen Wiese oder auf einem abgeschiedenen Parkplatz oder eben in der Hundeschule.

Situation B: Dieser Prüfungsteil soll den Charakter eines Spaziergangs haben, bei dem Grundaufgaben und Verhalten in der Öffentlichkeit geprüft werden, und findet in einer öffentlichen Grünanlage oder einem Freilaufweg für Hunde statt.

Situation C: Im Teil C bewegen sich Halter und Hund im innerstädtischen Bereich - bei Sabine Karl-Kraus sind es die Arkaden in Erlangen. Alle Aufgaben werden immer mit angeleintem Hund absolviert. Der Prüfungsteil soll den Charakter eines Stadtbummels haben.

"In allen diesen verschiedenen Situationen wird überprüft, ob die Hunde Sitz, Platz und Steh sicher vorzeigen und entspannt an einer kurzen Leine laufen können", erläuterte die Hundetrainerein. Bei unterschiedlichen Begegnungen mit anderen Hunden, Kinderwägen, Joggern, Radfahrern, Rollstühlen oder schreienden Kindern sollten die Vierbeiner zeigen, dass sie gelernt haben, gelassen zu bleiben.

Auch in Geschäften, Banken, Einkaufszentren und im Fahrstuhl müssten sich die Hunde gut führen lassen, so Karl-Kraus. In Gaststätten sollten die Hunde ruhig warten, ohne sich durch Kellner oder andere Hunde aus der Ruhe bringen zu lassen. Im Freilauf müsse der Rückruf zuverlässig funktionieren und auch Abbruchkommandos müssten klappen. Auch werde den Hunden ein Maulkorb positiv nähergebracht, so dass sie ihn ohne Unbehagen und Widerwillen tragen können. Und natürlich sei ein kontrolliertes Ein- und Aussteigen aus dem Auto selbstverständlich. Bei alledem sollte natürlich auch der Mensch gelernt haben, in diesen Situationen vorausschauend zu handeln und Rücksicht auf seine Mitmenschen und seine Umwelt zu nehmen.

Die Akzeptanz wächst

Abschließend bleibe zu sagen: "Je gelassener und souveräner der Hund ist und je besser sein Gehorsam ist, desto mehr Freiheiten kann man seinem Hund gewähren und umso lieber nimmt man seinen Vierbeiner auch überall hin mit. Und um so größer ist die Akzeptanz, die unseren Hunden im öffentlichem Raum von Nichthundebesitzern entgegengebracht wird. Damit haben wir dann eine Win-win-Situation für alle Seiten erreicht."

Am Ende eines anstrengenden Prüfungstages hatten sechs Hunde mit Frauchen die Aufgaben bestens bewältigt und alle konnten zufrieden, aber müde mit ihrem Diplom nach Hause gehen.