Wie das Universitätsklinikum Erlangen erklärt, gehe nicht an allen eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus spurlos vorüber. Bei Kindern und Jugendlichen, die sich entweder von einer Coronaerkrankung erholt hätten oder aber unter Long Covid leiden, zeigen sich demnach in der Magnetresonanztomografie (MRT) teils anhaltende Lungenveränderungen. Zu diesem Ergebnis komme eine durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geförderte klinische Studie der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Joachim Wölfle), des Sozialpädiatrischen Zentrums (Sprecherin: Prof. Dr. Regina Trollmann) und des Radiologischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Uniklinikums Erlangen unter Beteiligung der Medizinischen Hochschule Hannover.

"Wir haben diese Studie in Zusammenarbeit mit dem Radiologischen Institut konzipiert, als die Hinweise auf Long- und Post-COVID-Fälle bei Erwachsenen zugenommen haben", sagt PD Dr. Ferdinand Knieling, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in der Kinderklinik des Uniklinikums Erlangen. "Das war auch der Zeitpunkt, als die ersten Patientinnen und Patienten mit unspezifischen Symptomen zu uns in die Klinik kamen und die Eltern nach einem Zusammenhang mit einer früheren SARS-CoV-2-Infektion fragten."

Neue Generation von MRT-Geräten: Scanner ermöglicht bessere Darstellung als bisher

Unter der Leitung von PD Dr. Rafael Heiß, Oberarzt der Radiologie des Uniklinikums Erlangen, und PD Dr. Knieling hätten die Forschenden die Auswirkungen von Corona bei Kindern und Jugendlichen mithilfe der MRT bei einer Magnetfeldstärke von nur 0.55 Tesla untersucht. Bei dem eingesetzten Scanner handle es sich um eine neue Generation von MRT-Geräten, die bisher nur einzelnen Zentren weltweit zur Verfügung stünden. Die vergleichsweise niedrige Magnetfeldstärke ermögliche eine bessere Darstellung der Lunge als herkömmliche MRT-Scanner mit 1.5 oder 3 Tesla. Beim MRT-Verfahren der Erlanger Studie sei, anders als bei den üblicherweise für die Lungenbildgebung verwendeten CT-Scannern, keine Röntgenstrahlung erforderlich.

Die Forscherinnen und Forscher hätten insbesondere die Veränderungen der Lungenstruktur und -funktion bei 54 Kindern und Jugendlichen nach einer SARS-CoV-2-Infektion betrachtet. 29 der Probandinnen und Probanden hätten sich erholt; bei 25 sei Long COVID festgestellt worden. Die Ergebnisse seien jeweils mit denen von neun gesunden Kontrollpersonen verglichen worden und könnten demzufolge durch die Autorengruppe um PD Dr. Heiß und PD Dr. Knieling im renommierten Fachjournal „Radiology“ publiziert werden.

Mithilfe der MRT könne das Forschungsteam die V/Q-Ratio ableiten, ein Maß für den Luft- und Blutfluss in der Lunge. Wenn die Lunge ordnungsgemäß funktioniere, sollten Luft- und Blutfluss übereinstimmen. Im Rahmen der Studie zeigte die V/Q-Ratio eine anhaltende Lungenfunktionsstörung sowohl bei den Kindern und Jugendlichen, die sich von Corona erholt hätten, als auch bei den Kindern und Jugendlichen mit Long COVID. In der Gruppe der Genesenen betrug laut Klinikum die V/Q-Ratio 62 Prozent, in der Gruppe mit Long Covid 60 Prozent – beide Male ein deutlich niedrigerer Wert als die Ratio von 81 Prozent bei den gesunden Kontrollpersonen. Unabhängig von der nach der Corona-Infektion vergangenen Zeit (weniger als 180 Tage, 180 bis 360 Tage oder mehr als 360 Tage) sei die V/Q-Ratio stets geringer als bei den nie infizierten gesunden Kontrollpersonen gewesen.

"Diagnostische Odysseen" wegen klassischer Technologien

"Anhaltende Symptome nach COVID-19 verursachen immer noch diagnostische Odysseen; dies gilt insbesondere für junge Menschen", betont PD Dr. Knieling. "Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass die Betreuung dieser Patientinnen und Patienten eine multidisziplinäre Herausforderung ist und Befunde mit klassischen Technologien übersehen werden können."

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Laut PD Dr. Knieling werden die Studienergebnisse eine weitere Überwachung der andauernden Lungenschäden bei Kindern und Jugendlichen nach einer Corona-Erkrankung rechtfertigen. "Die eingesetzte Auswertungstechnik der Lungen-MRT lässt sich auch bei herkömmlichen Magnetfeldstärken einfach integrieren, sodass das eingesetzte Verfahren leicht in die klinische Routineversorgung weltweit mit aufgenommen werden könnte", erklärt PD Dr. Heiß. Weitere Forschungsarbeiten seien jedoch notwendig, um das volle Potenzial der MRT bei von einer Coronaerkrankung genesenen Personen aufzuzeigen. Eine Nachfolgestudie laufe bereits; der Einschluss von Studienteilnehmenden im Alter zwischen fünf und 18 Jahren sei noch möglich. Interessierte werden um eine Voranmeldung per E-Mail an ki-forschung@uk-erlangen.de gebeten.

Finanziert werde die Nachfolgestudie – wie auch die erste Studie – aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. "Wir wollen besser verstehen, wie sich die Ergebnisse im Laufe der Zeit und insbesondere mit Blick auf sich verändernde Virusvarianten entwickeln und welche Bedeutung den beschriebenen Befunden für die langfristige Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zukommt", erläutert PD Dr. Knieling. Außerdem werden die Forschenden weitere Organe genauer unter die Lupe nehmen, um zu sehen, wie deren Leistungsfähigkeit nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit den bisherigen Ergebnissen in Verbindung stehe.

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