Manche journalistische Herausforderung ist kaum zu bewältigen. So auch der Auftrag am Kerwasmontag in Herzogenaurach: Die Kartler im Vereinshaus besuchen. Und darüber berichten, dass diese schon seit Urzeiten an diesem Frühschoppen Schafskopf spielen. Eigentlich kein ungewöhnlicher Termin, wenn der Berichterstatter nicht Hesse und Skatspieler wäre.
Norbert Lukasczyk, ehemaliger Personalchef oder Personalratschef der Stadt, Herrmann März, ehemals Kämmerer, Hans-Heinrich Weber, genannt Webers Käs und Ex-Hausmeister der Realschule, sowie Heiner Kaltenhäuser, Ex-Hausmeister der Stadt und heimlicher Bürgermeister, sind freundlich im Empfang, wenn gleich auch eine klare Anweisung erfolgt: "Es wird nix erzählt, was der Spieler auf der Hand hat." Kein Problem, müsste der Preuße ja den Unterschied zwischen Karo, Herz, Schippe und Kreuz gegenüber Eichel, Herz, Grün und Schellen kennen.

"Seit Abrahams Zeiten spielen wir hier schon", erklärt der Heiner selbstbewusst. "Früher waren es mal ein paar Tische mehr", wirft Norbert ein. "Aber die sind schon alle weggestorben", grinst er. Und dann geht es los. Ein Kurzer wird gespielt, was immer das heißt, also 24 Karten sind im Spiel. Und schon kommt die Überraschung: "Ich spiele mit der Alten!" Keine despektierliche Meinung gegenüber des Ehepartners, es scheint um das Eichel-As zu gehen.

Hohe Einsatzsummen

Ein bisschen frivol darf es trotzdem sein, es ist halt eine Männerrunde. So werden in den Geberpausen immer mal Witze erzählt, die alle vier Zuhause eher bei sich behalten. "Ist ein Bauer auf dem Acker, kommt der Bub und sagt zum Bauer, dass er im Lotto gewonnen habe. Der fährt nach Hause und freut sich. Kommt die Tochter aus dem Haus und greint gar fürchterlich. Die Mama ist im Zimmer tot zusammengebrochen. Der Bauer grinst nur und sagt: Wenn's läuft, dann läuft's!" Aber nicht in der Zeitung schreiben sagt der Erzähler. "Auf keinen Fall", sagt der preußische Schreiber. Immerhin geht es ja um das Spiel.
Und da wird dann richtig gezockt. Satte 1,20 Euro kann man im schlimmsten Falle verlieren - Poker ist nichts dagegen. Der Heiner erklärt: "Es geht nicht um die grüßen Summen, es geht einfach um den Spaß." Und den haben die vier Kartler auf alle Fälle. Beim Geier und Wenz, beim Tout und bei der "Alten", geht den Vieren das Herz auf. Sie sind halt ein Stück Kerwa und das hat selbst der preußische Berichterstatter verstanden.