Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn widerspricht energisch Aussagen aus einem Vortrag über die Trasse der ehemaligen Aurachtalbahn.
Mit Unverständnis reagiert der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (Stub) auf Aussagen zur Prüfung der vorhandenen Trasse der Aurachtalbahn, die laut einem Bericht im FT vom Donnerstag in einem öffentlichen Vortrag in Herzogenaurach geäußert wurden.
Die Trasse der Aurachtalbahn befindet sich laut der Stellungnahme des Zweckverbands unter den Varianten zur Stadt-Umland-Bahn, welche im Raumordnungsverfahren geprüft werden. Diese Aussage sei den Veranstaltern des Vortrags aus persönlichen Gesprächen mit dem Zweckverband auch bekannt gewesen und sei zudem in den bisherigen Veranstaltungen des Dialog-Forums benannt worden. Allerdings hätten alle bisherigen Prüfungen keinen entscheidenden Vorteil der Aurachtalbahn gegenüber der bislang vorgesehenen Stub-Führung über Büchenbach und die Herzo Base gefunden.
Der Zweckverband erwartet auch nicht, dass dies bei der endgültigen Prüfung im Rahmen des Raumordnungsverfahrens anders ausfällt, möchte die Prüfung aber, wie bei allen Varianten, ergebnisoffen durchführen. Dass die Aurachtalbahn im Vergleich mit der sogenannten L-Netz-Planung über Büchenbach und die Herzo Base klare Nachteile aufweist, basiere auf sachlichen Gründen: So schaffe es das L-Netz, die drei Herzogenauracher Weltunternehmen und deren Pendler wie auf einer Perlenschnur zu erschließen: Schaeffler, Puma und Adidas. Dabei gehe es nicht darum, den Unternehmen als solches etwas Gutes zu tun, sondern um das Potenzial an Fahrgästen, das an diesen Orten vorhanden ist.
Positive Auswirkungen
Die Aurachtalbahn erschließe lediglich das Schaeffler-Werk. Die Erschließung der Innenstadt und der weitere Umstieg zum Herzo-Bus wäre in beiden Fällen mindestens am alten Bahnhof gegeben. Auf der Herzo Base und in Büchenbach entstehen laut Zweckverband neue Wohngebiete, welche von der Aurachtalbahn nicht erreicht werden. Die positiven Entwicklungen bei Einwohnern und Arbeitsplätzen, auf die der Referent Ulrich Bogen in seinem Vortrag verwiesen habe, wirken sich sämtlich auf das L-Netz aufgrund seiner Routenführung entlang dieser Perlenschnur positiver aus als auf die Aurachtalbahn. Selbstverständlich verwende der Zweckverband bei den anstehenden Bewertungen die jeweils aktuellsten vorliegenden Datenstände.
Das im Vortrag zitierte S-Bahn-Papier, dessen Autor nach wie vor nicht bekannt sei, enthalte mehrere massive Fehler, Widersprüche und Auslassungen. Insbesondere basiere die Fahrgastpotenzialabschätzung des S-Bahn-Vorschlags auf einer durchgängigen Straßenbahnlinie nach Nürnberg (der so genannten "BI-Variante" zur Stub), obwohl im S-Bahn-Vorschlag explizit der Erlanger Bahnhof der Endpunkt wäre. Die Verwendung von Stub-Fahrgastzahlen (welche für eine völlig andere Konzeption vor allem im Stadtgebiet Erlangen errechnet worden seien) für eine am Erlanger Bahnhof endende S-Bahn sei nur als Irreführung zu bezeichnen. Es existiere in dem S-Bahn-Vorschlag keine auch nur ansatzweise plausible Überleitung der Stub-Prognose-Daten auf die Bedingungen des S-Bahn-Vorschlags.
Vollkommen ungeklärt bleibe in dem Papier zudem, wie der Verkehr in Erlangen-Bruck in die Hauptstrecke der Bahn eingefädelt werden soll. Ulrich Bogen habe dieses Papier an das zuständige Staatsministerium gegeben und von dort bereits eine eindeutig negative Einschätzung erhalten.
Allein die Kosten für ein Einfädelungsbauwerk in Bruck werden vom Ministerium im "hohen zweistelligen Millionenbereich" gesehen. Selbst mit einem solchen Bauwerk würde die Zug-Kapazität der Hauptstrecke Nürnberg - Bamberg aber erheblich eingeschränkt, so dass die Zustimmung der DB zu einer solchen Maßnahme illusorisch scheine.
Der Referent führe außerdem die Erschließung des Erlanger Siemens-Campus als Argument für die Aurachtalbahn an - in dem S-Bahn-Papier soll der Haltepunkt Paul-Gossen-Straße im Westen des Siemens-Campus aber ausdrücklich ohne Halt durchfahren werden. Für das StUB-L-Netz gebe es dagegen Vorschläge, wie der Siemens-Campus auf seiner Ost-Seite angebunden werden kann.