Die Nachricht kam nicht überraschend am Freitag um 10.20 Uhr über Facebook bei mir an. Der Neuhauser Straßenlauf wurde aufgrund der aktuellen Situation doch noch abgesagt. Dabei hatte der Veranstalter für alles vorgesorgt. Auf Siegerehrung und Aktivitäten im Saal sollte gänzlich verzichtet werden und die Veranstaltung ausschließlich im Freien stattfinden. Aber es hilft eben nichts, auch wir Läufer müssen uns dem Virus stellen.

Was die Experten empfehlen, hören wir täglich in der Presse. Das Absagen der Laufveranstaltungen ist also sinnvoll und richtig. Mein persönlicher Dank gilt den Helfern allerorten, die bis zum Schluss versucht haben, ihre Veranstaltungen auszurichten. Ebenso den Organisatoren, wie zum Beispiel in Neuhaus und beim Kellerwaldcross in Forchheim, die so kurzfristig reagiert und damit Mut und Verantwortung gezeigt haben. Auch wenn es auf der sportlichen Seite schmerzt.

Liebe Freunde der Laufkunst: Seit 20 Jahren ist der Querläufer in der Laufszene aktiv. Ein Alptraum begleitet ihn seit seinen Anfängen. Er kommt zum Start seines Laufevents, für das er wochenlang trainiert hat, aber niemand ist da. Zu spät, der Lauf wurde schon längst gestartet. Chance vertan. Vergangenes Wochenende wurde dieser Alptraum wahr. Der Parkplatz in Neuhaus ist leer. Die Tore zum Vereinsgelände des TSV sind verschlossen. Keine Helfer, die den Start des Nordic-Walkings und des Hobbylaufs vorbereiten. Kein Neuhauser Straßenlauf.

Die Krise kam auch auf uns langsam zu. Mit der Absage des Paris-Halbmarathons Ende Februar war für mich klar, dass unser Event - der Paris-Marathon Anfang April - ebenfalls auf der Kippe steht. Es dauerte nicht einmal eine Woche. Die Info kam über die sozialen Netzwerke. Der Paris-Marathon wird auf Oktober verschoben. Beim Kramp-Run in Bamberg waren wir noch zuversichtlich, Ersatz zu finden. Unser Trainings- und Wettkampfplan war fix.

Nun stand der Obermain-Marathon in Bad Staffelstein im Visier. Ebenfalls Anfang April und vor der Haustür - eine wunderbare Alternative. Doch die Freude währte nur kurz: abgesagt. Winterwaldlauf Erlangen: abgesagt. Weinturmlauf Bad Windsheim: abgesagt. Krenlauf Baiersdorf: abgesagt. Burgbernheimer Berglauf: erst abgesagt, dann verschoben. Neue Nachrichten über Maßnahmen im Stundentakt. Plötzlich standen der Neuhauser Straßenlauf mit seinem Versuch, unter Vorsichtsmaßnahmen einen vernünftigen Ablauf zu organisieren, und der Forchheimer Keller-Cross allein auf weiter Flur. Die Absagen waren nur logisch.

Der Querläufer und sein Sohn stehen also auf dem leeren Parkplatz in Neuhaus. Da kommt ein PKW angefahren. Rainer aus Adelsdorf will die sechs Kilometer walken. Von der Absage hat er nichts gehört. Wie wir, will er sich trotzdem seiner Herausforderung stellen. Mach's gut, Rainer. Viel Erfolg! Rainer ist gerade um die Ecke, als ein Kombi vorfährt. Alfred und sein Laufkollege Berthold von der TS Lichtenfels haben ebenfalls nichts von der Absage mitbekommen. Richtig überrascht sind aber auch die Beiden nicht.

Punkt 13 Uhr stehen wir an der Startlinie. Der Querläufer gibt das Signal für unseren privaten Lauf. Allein. Ohne Drumherum und Virusgefahr. Keine weiteren Teilnehmer. Nur Vater und Sohn messen sich im Zweikampf. Das pure Laufen. Zwei Gegner, eine Strecke, das gleiche Ziel. So war unser Training nicht umsonst. Danke TSV Neuhaus, nächstes Jahr sind wir wieder offiziell am Start.

Bleibt gesund, ich hoffe wir sehen uns im Sommer bei einem Laufevent. Run happy and smile!

Euer Querläufer