Die Spannung stieg die letzten Tage ins Unermessliche. Wird er stattfinden oder nicht? Ein Halbmarathon sollte es sein. Die Gedanken kreisen um eine der wenigen Laufveranstaltungen derzeit. Der Regen hatte die Woche über sicherlich den Boden aufgeweicht, Steine und Wurzeln rutschig gemacht. Auch für den Samstagvormittag war Regen angesagt. Die Infektionszahlen schnellen in die Höhe, aber das Hygienekonzept ist bis ins letzte Detail ausgeklügelt. Was soll ich sagen? Samstag, 9.40 Uhr, stehe ich an der Startlinie des 5. Muggendorfer Gebirgslaufs.

Liebe Freunde der Laufkunst, eine Laufveranstaltung in diesen Zeiten durchzuführen, ist kein Kinderspiel. Der Dank des Querläufers geht an das Orga-Team um Robert Stein. Das hat sich richtig Gedanken gemacht, um das Rennen durchführen zu können. Wenn du es bis zum Start geschafft hast, ist das schon einmal der erste Sieg des Tages. Hygienekonzept durchlesen, Startnummer finden, Startzettel ausfüllen, Startzeit und Registrierungszeit notieren, die Startgruppe merken und am Gelände bis zum Start unbedingt den Mund-Nasen-Schutz tragen.

Trotzdem kommt Wettkampf-Feeling auf. Die ewigen Gespräche im Startbereich ... Nichts hat sich geändert. Was ist, wenn der Wind stärker wird? Oder sogar noch Regen aufkommt? Alles wie immer: "Ich bin eigentlich gar nicht in Form", sagt einer. "Mein Wetter ist das heute auch nicht", antwortet ein anderer. Das typische Understatement am Start. Seit gestern habe ich dieses Kratzen im Hals. Soll ich tatsächlich eine Lungenentzündung riskieren? Sein Gesprächspartner bejaht mit der Bemerkung, dass die Abnahme der Außentemperatur sich diametral zum Verletzungsrisiko verhalte. Ja, genau das hat mir gefehlt. Es geht wieder los.

Seit 8.26 Uhr läuft das Rennen. Alle zwei Minuten wird eine Gruppe von zehn Läufern auf die Strecke geschickt. Alle laufen mit Transponder für die Nettozeitermittlung. Rüdiger zählt runter, um 9.40 Uhr sprinten wir los. Gerade mal fünfzig Meter flach, dann werden wir schon die ersten zweihundert Höhenemeter nach oben geschickt. Na ja, irgendwo müssen ja die insgesamt 1000 Höhenmeter herkommen.

In Engelhardsberg bei Kilometer 5 können wir mal zwei Kilometer ballern. Dann kommt das Geläuf um die Riesenburg. Schnauf und ächz, kann ich da nur sagen. Immer höher hinauf, nur sehr selten abwärts. Und wenn, dann steil und rutschig. Abwärts laufen wir langsamer als hoch. Die Wege sind matschig und nass vom tagelangen Regen. Steine und Wurzeln liegen unter den Blättern verborgen. Die Konzentration muss immer hochgehalten werden. Ein falscher Tritt, und ich bin aus dem Rennen.

Es wird nicht leichter. Oswaldhöhle, hinunter nach Streitberg und auf der anderen Seite wieder hoch zur Neideck. In Trainmeusel sind es noch zwei läppische Kilometer. Denkste! Bergab nach Muggendorf erwarten uns rutschige Holztreppen. Jederzeit besteht die Möglichkeit, aufgeben zu müssen, obwohl schon so nah am Ziel. Doch geschafft, über die Bahnschranken, am Gasthof "Brückla" vorbei setze ich zum Zielsprint an. Fazit: anstrengend, aber schön. Endlich wieder Wettkampfluft schnuppern. Und ich habe es geschafft, in dem ganzen Bericht nicht einmal das böse C-Wort zu verwenden. P asst auf euch auf! Bleibt fit und gesund. Laufen stärkt das Immunsystem.

Run happy and smile!

Euer Querläufer