"Wir haben am längsten durchgehalten", sagt Johannes von Hebel, Vorstandsvorsitzender der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. Er ist stolz darauf, die letzte Sparkasse in Bayern zu sein, die ein kostenloses Online-Girokonto anbietet. Doch auch damit ist Ende des Jahres Schluss.

Die Sparkasse Erlangen muss ihre Gebühren anheben. Der Grund dafür ist für von Hebel und sein Vorstandsmitglied Walter Paulus-Rohmer die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die beiden Erlangen Banker teilen die Meinung ihres Sparkassenpräsidenten Helmut Schleweis, der in einem Brief an EZB-Präsident Mario Draghi die niedrigen oder gar Negativ-Zinsen scharf kritisiert. Schulden zu machen, koste nichts. Geld zu sparen, bringe keine Zinsen. Wer bei der EZB Geld anlegt, müsse sogar noch etwas bezahlen. Schleweis kritisiert in seinem Brief, dass Draghi seit Jahren immer mehr Geld auf den Markt werfe, den Zins abgeschafft und "in unvorstellbarem Umfang hoch verschuldeten Staaten Geld geliehen" habe. Damit Stelle Draghi die Regeln der Wirtschaft auf den Kopf.

Wer kann, flüchte mit seinem Geld in Immobilien, Preise und Mieten steigen. Die Altersvorsorge für Millionen Menschen schmelze dahin. "Die Spar- und Vorsorgekultur in Deutschland wird ad absurdum geführt", klagt von Hebel. Was die Zinsentwicklung betrifft, gehe allen in der Branche der Optimismus verloren.

In der Vergangenheit lebten die Banken vom Zinsertrag, jetzt müsse man für das Anlegen von Geld bezahlen. "Wir werden ein Stück weit geopfert, um den wirtschaftlichen Zusammenhalt in Europa zu erhalten", sagt der Erlanger Sparkassenchef mit Blick auf die höher verschuldeten Länder in Südeuropa. Sparkassenpräsident Schleweis stellt in seinem Brief an Draghi fest, dass die kriselnden Staaten die gekaufte Zeit nicht zum Schuldenabbau genutzt haben und Europa auch nicht näher zusammengerückt ist. Auch von Hebel und Paulus-Rohmer fordern von der EZB dringend eine Umkehr in der Zinspolitik. Für Geld, das die Banken bei der EZB parken, müssen die derzeit zwischen 0,5 und 0,7 Prozent Gebühren in Form von Negativzins bezahlen.

Auch für die Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach kommt da einiges zusammen. Wie von Hebel berichtet, haben die Kunden in den vergangenen dreieinhalb Jahren eine Milliarde Euro Einlagen gebracht, obwohl sie dafür nichts mehr bekommen.

Für die Sparkasse Erlangen, die mit einer Bilanzsumme von 6,3 Milliarden Euro längst nicht mehr zu den Kleinen gehört, bedeutet das Kosten sparen. Das geschieht auch beim Personal. So wird manche frei werdende Stelle nicht mehr besetzt. "Wir müssen unsere Prozesse immer wieder überarbeiten", sagt Vorstandsmitglied Paulus-Rohmer.

Die Sparkasse hat 90 000 Online- und 40 000 klassische Konten und ist in fast jedem Ort vertreten. Ob das immer so bleibt, hänge davon ab, wie die Filialen frequentiert werden.

Fusion bewältigt

Die Fusion mit der Kreissparkasse Höchstadt vor zwei Jahren ist inzwischen bewältigt. Für die Höchstadter Kunden habe sich laut von Hebel nichts geändert, "außer dass ihnen zwei Jahre lang ein kostenloses Online-Konto geboten wurde".

Weil das nicht mehr finanzierbar ist, führt die Sparkasse für alle Privatkunden ab 1. Januar eine monatliche Kontoführungsgebühr von 3,95 Euro ein. Das klassische Girokonto kostete bisher 1,95 Euro im Monat. Während hier die Gebühren für Überweisungen, Bargeldein- und Auszahlungen und Standardtransaktionen leicht angehoben werden, bleiben diese beim Onlinekonto weitgehend kostenlos.