Ein erster Blick auf die umtriebigen Anwohner der Humboldtstraße deckt schon mehr auf, als manchem recht sein wird. Wie viel Licht die Wahrsagerin Madam Petra ins Munkeln der Bewohner bringen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass nicht die Gebrüder Willhelm und Friedrich von Humboldt als Namensgeber gelten, sondern Markus Bedruna, Lehrer der Realschule Herzogenaurach. Als Leiter der Theatergruppe rief er sowohl das Haus in der Humboldtstraße 100 wie auch dessen Bewohner ins Leben.

Nach dem Weggang vieler theatralischer Talente im vergangenen Schuljahr greift Bedruna heuer auch auf Ehemalige zurück, zu denen oft noch guter Kontakt besteht. So hat der weit über die Grenzen des Schultheaters hinaus agierende 19-jährige Tim Steinheimer die Rolle des Attila Bomsberger übernommen.

Über Steinheimers Rolle verrät Leonie Reck, die ebenfalls Lehrerin an der Realschule ist und Markus Bedruna heuer unterstützt, amüsante Details: "Er hat Ticks, die mit Mimik und Körpersprache zum Ausdruck gebracht werden, da tun sich Unerfahrene schwer." Bedruna selbst nennt den Charakter einen neurotischen Phobiker. Das hört sich auf jeden Fall nach einer Paraderolle für Steinheimer an. Natürlich liegen Freude und Enttäuschung bei der Rollenverteilung immer nah beieinander. Doch "auch aus der kleinsten Rolle, dem kürzesten Auftritt ist viel zu machen", weiß der erfahrene Theaterleiter seine Schüler zu motivieren.

Voll in seinem Element

Er ist ganz in seinem Element bei der Beurteilung der Darbietungen der jugendlichen Schauspieler. Ohne Textheft und mit nur wenigen Behelfsrequisiten zeigten sich Bedrunas Zöglinge schon sehr gut vorbereitet. So hagelte es kaum Kritik, aber umso mehr hilfreiche Tipps. "Achtet auf eure Körperhaltung und bleibt auch bei längeren stillen Phasen auf der Bühne immer in eurer Rolle. Unterstreicht mit den Händen das gesprochene Wort."

Viel Arbeit bereitet Bedruna das Vorbereiten des traditionellen Hörspiels zu seinen selbstverfassten Stücken, doch damit möchte er den Schülern das Lernen der Rollen erleichtern. Und auch eine weitere Neuerung erwartet die Zuschauer dieses Jahr. Der Leiter der Theatergruppe wird selbst einen kurzen Auftritt haben. Es war der Wunsch einiger seiner Schützlinge, einmal ihren Regisseur, Autor, Produzenten, Komponisten, musikalischen Leiter, Bassisten und letztlich auch Lehrer auf der Bühne agieren zu sehen.

Der bunte Mix der Bewohner reicht von einer Art Hilfssheriff des Hauses über eine alleinerziehende Mutter und eine Jetset-Queen bis zu einem exzentrischen Maler, doch auch ein Lehrer gehört dazu. Das, was anderswo verwundert, ist in der Humboldtstraße 100 die Normalität, ein Stück Lebensqualität. Und was die Mieterschaft dazu ermuntert, dort zu wohnen oder einen Nachbarn mit allen Mitteln zum Auszug zu bewegen, wird spätestens bei den Aufführungen in der Aula der Realschule vom 10. bis 12. Mai aufgedeckt werden.