Musik ist Balsam für die Seele, heißt es im Volksmund. Quasi ein Allheilmittel, ein Medikament ohne Nebenwirkungen. Was für eine Wirkung muss es dann aber haben, wenn vier Seelen Musik machen?

Die Akustikband "4 Souls" ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Wenn Sonja Tonn, Wulli Wullschläger, Christian Pöllmann und Jürgen Hoffmann die Bühne betreten, werden die Seelen mit Balsam regelrecht überschüttet. Eine Intensivkur, die in Coronazeiten vielleicht noch ein wenig wichtiger ist als sonst. Am Freitag, 25. September, geht es wieder auf die Bühne. In der Fortuna Kulturfabrik findet bei schönem Wetter ein Open-Air statt, bei ungünstiger Witterung geht es in den Saal der Kulturfabrik.

Musik verringert Abstand

"Natürlich mit den entsprechenden Hygieneregeln", erzählt Christian Pöllmann, einer der vier Künstler. Leider stünden die Zeichen nach den Wettervorhersagen auf innen, aber die Abstände werden gewahrt, das Konzerterlebnis sichergestellt. Die vier Musiker, die vier Seelenverwandten selber, möchten auch diese Sicherheitsregeln haben. Das gelte für die Beteiligten auf der Bühne ebenso, wie für das Publikum untereinander und letztlich auch der Abstand zwischen Besuchern und den Akteuren. Dieser Abstand wird dann durch die Musik überwunden, da sind sich die Musiker sicher.

Der Adelsdorfer Christian Pöllmann geht mit einem "komischen Gefühl" auf die Bühne. "Für Sonja und Wulli ist es ein Stück Normalität, da die beiden Vollblutmusiker seit einiger Zeit auf den Bühnen unterwegs sind." Aber: "Für mich und Jürgen Hoffmann ist es sicher wieder ein neues Gefühl." Es sei halt doch etwas anderes als ein Live-Streaming. Die Interaktion fehle, das sei schon ein wenig komisch. "In Adelsdorf haben wir im Schlosshof gespielt, ein Kamerateam, kein Publikum", erinnert sich Pöllmann. "Wer die Atmosphäre erahnen will, kann sich das Video auf YouTube anschauen, es ist dort zu finden." Und doch gab es bei dem Konzert ohne physisch anwesendes Publikum Gänsehautmomente. "Als wir unser letztes Stück gespielt haben, gingen in den Häusern in Adelsdorf die Fenster auf und es wurde applaudiert." Ein unvergessener Moment.

Auf mehr Reaktionen hofft das Quartett nun am kommenden Freitag. "Es gibt noch Karten, es haben noch viele nicht mitbekommen, dass wir wieder unterwegs sind", sagt Christian Pöllmann. Natürlich werden es nicht so viele Zuhörer und -schauer sein wie sonst, aber Pöllmann kann sich vorstellen, dass es dadurch intensiver wird. "Du kannst im Grunde jeden Einzelnen im Publikum direkt ansprechen", so seine Überlegung. Es ist ungewohnt, denn in der Vergangenheit, " egal, wo wir gespielt haben", waren die Konzerträume immer ausverkauft. Das soll ja in der Kulturfabrik nicht anders sein, auch wenn es komisch klingt: Ausverkauft und trotzdem mehr Platz.

Bei einem sind sich die vier ebenfalls sicher: Der Funke wird überspringen. "Dafür ist zu viel Herz und Seele dabei!" Die "Seelenverbindungen" wird es sicher auch mit dem Publikum haben. Ein treues Publikum, wie Pöllmann hinzufügt. "Wir hatten das Glück, dass unsere musikalischen Freunde uns nicht im Stich gelassen haben." Das gelte auch monetär. Er wisse von anderen Künstlern, die nach einer "Streaming-Session" nicht einen Euro überwiesen bekommen hätten. Künstler, die ihre gelebte Leidenschaft aufgeben mussten, das Wohnmobil, das eigentlich zur Fahrt von Auftritt zu Auftritt gedient hatte, verkauft werden musste, um Essen kaufen zu können.

Wichtiges Konzert

"Künstler sind generell irgendwie Lebenskünstler", sagt Pöllmann. Aber die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schmerzlich das auch sein könne. Gelder wurden gezahlt, um Auftrittsorte zu finanzieren, um Equipment zu besitzen - für das "täglich Brot" durften diese Gelder nicht verwendet werden. "Man hat Künstler am ausgestreckten Arm verhungern lassen", moniert Pöllmann. Umso wichtiger sei es, dass durch solche Veranstaltungen gezeigt wird, dass zum einen die Kreativen noch da sind, zum anderen aber auch, dass das Publikum Kultur, Kreativität und Künstler benötigt.

Es wird spannend, auch für die "4 Souls". Normalerweise gab es im Durchschnitt einen Auftritt im Monat, in der Coronazeit gab es vor Publikum nichts. "Wir sind ein Stück weit auf Publikums- und Bühnenentzug", sagt Pöllmann. Das Publikum umgekehrt hoffentlich auch - auf Kulturentzug, auf Musikentzug. "Wir nennen uns so gerne das Land der Dichter und Denker", sagt der Musiker. "Wir haben eine tolle Musikszene", ergänzt er. Darum ist es so wichtig, dass es wieder diese Auftritte gibt. Und Pöllmann meint nicht nur die 4 Souls. "Es geht um die Schauspieler, die Musiker, aber auch die Schausteller - all diejenigen, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausüben und wegen Corona ausgebremst werden.

"Von der Kunst zu leben ist ja oft schon eine Kunst." Doch Musik als Balsam an die Seelen weiterzugeben, ist mehr als dies. Das wird sich nun beim Konzert der 4 Souls zeigen.