Nach dem Winterchaos: Jetzt strömt die milde Luft nach Franken

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Die ganze Nacht waren die Räumfahrzeuge im Einsatz. Jetzt schlägt das Wetter wieder um. Foto: Paul Zinken/dpa
Die ganze Nacht waren die Räumfahrzeuge im Einsatz. Jetzt schlägt das Wetter wieder um. Foto: Paul Zinken/dpa

Der Wintereinbruch hielt Einsatzkräfte in der Nacht in Atem. Am Montagmorgen herrschte dann zumeist ein ganz anderes Bild: Jetzt strömt milde Luft zu uns.

Der Wintereinbruch hat in vielen Teilen Deutschlands zu chaotischen Verkehrslagen geführt, ehe Tauwetter die Lage weitgehend entspannte. In einigen Regionen zählte die Polizei in der Nacht zum Montag Hunderte Einsätze. Die Bergungsarbeiten dauerten bis in den frühen Morgen. Allein die Beamten in Leipzig mussten innerhalb von vier Stunden zu etwa 100 Verkehrsunfällen ausrücken.
In vielen Regionen Deutschlands hatten Polizei und Rettungsdienste reichlich zu tun. Da viele Autofahrer angesichts von Eis und Schnee das Tempo drosselten, gingen Unfälle aber meist glimpflich aus: In den meisten Fällen sei es bei Blechschäden geblieben, sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn in Baden-Württemberg. Zum Start des Berufsverkehrs waren die Fahrbahnen in vielen Teilen Deutschlands dank Plus-Temperaturen wieder frei.


Wintereinbruch sorgt für Chaos: Unfälle, Verspätungen und Verletzte in ganz Deutschland


Milde Luft aus Südwesteuropa strömt nach Franken

Wetterexperte Stefan Ochs rechnet die kommende Woche über mit milden Temperaturen in Franken: Am Montag strömt außerordentlich milde Luft aus Südwesteuropa zu uns. In 1000 m Höhe klettern die Temperaturen auf +10 Grad. In den bodennahen Luftschichten blockieren die Alpen den direkten Zustrom der Warmluft. Daher kommen wir nicht über +7 Grad hinaus. Dabei ist es meist bedeckt mit zeitweiligem Regen. Nur am Nachmittag kann es vorübergehend auflockern. Der schwache bis mäßige Wind weht aus Südost.

Am Dienstag dreht der schwache bis mäßige Wind auf West. In den einströmenden feuchten Nordseeluftmassen ist es überwiegend stark bewölkt mit einzelnen Schauer. Dabei fällt teils Schnee, teils Regen. Die Temperaturen liegen bei +3 Grad. Im Bereich eines Zwischenhochs klart es in der Nacht zum Mittwoch auf und die Temperaturen sinken auf -3 Grad. Tagsüber macht sich dieses Zwischenhoch am Mittwoch durch sonniges und niederschlagsfreies Wetter bemerkbar. Maximal werden +3 Grad erreicht.

Von Mittwochabend bis Donnerstagabend überqueren uns atlantische Tiefausläufer mit ihren Regengebieten. Die Temperaturen liegen zwischen +3 und +8 Grad. Für das nächste Wochenende wird dann wieder kälteres Wetter erwartet mit Schneeregen und Schnee bei Temperaturen um 0 Grad.


Wintereinbruch sorgte zuvor für Chaos

Zuvor gab es zahlreiche Unfälle: In Schleswig-Holstein prallte ein Auto mit vier Senioren gegen einen Baum. Eine 87-Jährige erlitt tödliche Verletzungen, die drei weiteren Insassen wurden schwer verletzt. Im Wagen saßen zwei Ehepaare. Der Fahrer kam am Sonntagabend aus zunächst ungeklärter Ursache in Kisdorf von der Fahrbahn ab - laut Polizei war möglicherweise Glätte die Ursache.


Zahlreiche Unfälle in der Nacht auf Montag

Schnee und Glätte sorgten auch in Ostdeutschland bis in den Morgen für viele Unfälle. Zwischen Sonntag 17.30 Uhr und Montagmorgen 4.00 Uhr ereigneten sich laut Polizei allein in Brandenburg 136 Unfälle - 66 davon wetterbedingt, 21 Menschen wurden leicht verletzt. In Sachsen-Anhalt gab es am Sonntag laut Polizei insgesamt fast 300 Unfälle mit mindestens 42 Verletzten. In der Nacht zum Montag habe es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keine schweren wetterbedingten Unfälle oder größeren Behinderungen gegeben, erklärte die Polizei. Allerdings sei örtlich im morgendlichen Berufsverkehr noch mit glatten Straßen zu rechnen.

Am Alpenrand warnte der Deutsche Wetterdienst am frühen Montagmorgen vor Unwettern. Erwartet wurden unter anderem starke Winde.

Nach dem Wintereinbruch in Nordrhein-Westfalen waren die Fahrbahnen zum Wochenstart wieder größtenteils frei. Für den Berufsverkehr am Montagmorgen erwarteten die Polizeileitstellen keine größeren Behinderungen, wie die Sprecher sagten. Am Sonntag hatte Schneefall den Verkehr schwer beeinträchtigt - es gab etliche Unfälle.


Weihnachtsbaum stürzte auf Kinderkarussell

Nach dem Sturz eines Weihnachtsbaums auf ein Kinderkarussell sucht die Polizei nach der Ursache. Auf einem Weihnachtsmarkt in Eschweiler bei Aachen war der Baum am Sonntagnachmittag gebrochen und auf das Karussell gekippt. Es werde ermittelt, ob der Baumstamm wegen Windböen nachgegeben habe oder ob ein Fehler beim Aufstellen des Baums gemacht worden sei, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei. Fünf Erwachsene wurden bei dem Unglück verletzt, ein schwer verletzter 49-Jähriger kam ins Krankenhaus.

Die Bahn sperrte wegen des Wintereinbruchs vorübergehend die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main, die Fernverkehrszüge wurden umgeleitet. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main war am Morgen wieder frei. Man habe sich für die Sperrung entschieden, um mögliche witterungsbedingte Schäden zu beheben, damit die Züge am Montag wieder pünktlich rollen, hieß es bei der Bahn.


Zahlreiche Flüge gestrichen

An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main entfielen am Sonntag bis zum Nachmittag mehr als 260 Flüge, verzögerten sich oder wurden umgeleitet. Eine Fraport-Sprecherin nannte die Situation am Sonntag "dramatisch". Selbst auf den geräumten und gestreuten Bahnen seien wegen des anhaltenden Schneefalls nicht die vorgeschriebenen Bremswerte erreicht worden.
In Leipzig lief eine traditionelle Schneeballschlacht am Sonntagabend aus dem Ruder: Etwa 150 Menschen waren zur sogenannten Connewitzer Schneeballschlacht zusammengekommen, bei der seit einigen Jahren zum jeweils ersten Schneefall oft Hunderte mitmachen. Am Ende kippte die Stimmung: Unbekannte zündeten Müllcontainer an und bewarfen Löschkräfte der Feuerwehr mit Flaschen.