Es ist ein ungewöhnlicher Gerichtstermin am Donnerstagvormittag in Falkendorf. Die dritte Kammer des Verwaltungsgericht Ansbach versammelt sich vor einem Kuhstall am Ortsende. Verhandlungsgegenstand: Die Firma "Plotzki Außenwerbung" möchte an der Außenwand des Stalls eine große Werbetafel anbringen. Die Gemeinde hatte den Antrag abgelehnt. Die Firma versuchte daraufhin, die Entscheidung beim Landratsamt durchzubringen. Doch auch dort wurde der Antrag abgelehnt.

Der nächste Schritt für Plotzki: Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Das ist durchaus keine Seltenheit - viele Gemeinden wehren sich gegen große Werbetafeln. Wenn die rechtlichen Grundlagen für eine Ablehnung allerdings nicht erfüllt werden, ist die Chance groß, dass das Gericht für den Werbeträger entscheidet.
Damit sich der Richter auch ein Bild der Situation machen kann, wird die Verhandlung nicht im Gerichtssaal abgehalten, sondern direkt vor Ort - in Falkendorf, Münchaurach und Weisendorf.

Rechtsanwalt Sven Dittrich, der Plotzki Außenwerbung vertritt, hat bei solchen Terminen durchaus Routine. Zwei Tage pro Woche ist er im Schnitt auf Tour durch die Republik und vertritt das Recht, Werbung zu machen. Die Präzedenzfälle, in denen Werbeanbieter gegen Kommunen gewonnen haben, hat er alle im Kopf.

Ablenkung für den Autofahrer?

Die Argumente der Kommunen sind meist die selben: Die Werbeplakate würden Autofahrer ablenken und das Ortsbild zerstören. Zumindest von der ersten Begründung ist sogar Richter Rainer Stumpf inzwischen genervt. Seiner Ansicht nach könne ein Autofahrer durchaus geradeaus fahren, ohne von einem Werbeplakat abgelenkt zu werden. "Man könnte fast meinen, der deutsche Autofahrer muss völlig bescheuert sein", sagt er bei der Verhandlung. Solange ein Plakat keine Straßenschilder verdeckt und nicht beleuchtet ist, sieht er keine konkrete Verkehrsgefährdung.

Bleibt also das Argument des Ortsbildes. Manuel Hartel, der die Abteilung für Bau- und Verkehrsrecht am Landratsamt leitet, weist bei allen drei Terminen auf das ländlich geprägte Ortsbild hin, das durch die Werbeplakate zerstört würde.

In Falkendorf und Weisendorf wird das Gericht seine Entscheidung erst noch mitteilen. Zumindest im Fall Münaurach bekommt er aber sofort recht: Das Werbeplakat soll auf einem unbebauten Grundstück errichtet werden, gegenüber dem denkmalgeschützten Rathaus. Zusätzlich würde es den Blick auf die Kirche teilweise verdecken. Richter Stumpf findet hier gegenüber Anwalt Dittrich klare Worte: "Um es mal fränkisch auszudrücken: Also naaa..."