Wenn Matthias Düthorn in diesen Tagen Streife durch Herzogenaurach fährt, ist eine Sache ein bisschen anders als sonst: die Aussicht. Denn zwischen den vielen Wahlplakaten, die überall neben- und übereinander hängen, ist auch der Polizeioberkommissar selbst zu sehen. Ein bisschen komisch war das für den CSU-Bürgermeisterkandidaten anfangs schon. "Aber eigentlich nehme ich das gar nicht richtig wahr. Man steht teilweise so unter Strom", sagt der 39-Jährige, als er in Jeans und schwarzem Pulli lässig durch den Dohnwald spaziert. Hier ist er sonst regelmäßig beim Joggen anzutreffen.

Zur Zeit allerdings weniger. Denn hat er erstmal Feierabend - Düthorn ist seit 1999 Polizist in Herzogenaurach - hat er im Schnitt einen Termin pro Tag. An manchen Tagen ist es ruhiger, an anderen sind es gleich mehrere Veranstaltungen auf einmal. Hausbesuche, Infostände in der Innenstadt und im Gewerbegebiet Nord, Ortsteil-Gespräche - Düthorn ist selten vor 22 Uhr zuhause. Seit Dezember hat er außerdem jeden Monat eine Woche Urlaub genommen, um sich voll und ganz auf seinen Wahlkampf zu konzentrieren. "Es ist eine wahnsinnig tolle Zeit. Ohne mein Team könnte ich das alles nicht bewältigen."

Seinen Namen zur Bürgermeisterkandidatur hat er im Juli 2013 selbst in den Ring geworfen. Für viele eine Überraschung. Denn inoffiziell galt eigentlich schon der stellvertretende CSU-Vorsitzende Markus Burkhardt als Kandidat. Er trat dann aber doch nicht an. Im Oktober wurde Düthorn nominiert. Er will German Hacker ablösen. Will den Wechsel. "Ich bin nicht der Typ, der rummotzt, sondern selbst mit anpackt." Der Kandidat saß schon mal im Stadtrat. Sechs Jahre lang, 2002 bis 2008. Dann ließ er sich allerdings - aus persönlichen Gründen - nicht mehr aufstellen.


Befreundet mit Stefan Müller

Überhaupt erst auf die Politik gebracht hat ihn vor vielen Jahren der parlamentarische Staatssekretär Stefan Müller (CSU). "Er war damals Kreisvorsitzender in der Jungen Union. Da hatte ich Lust, auch mitzumachen", erinnert sich Düthorn. Ein paar Jahre später war er es, der maßgeblich Müllers Wahlkampf organisierte, als er das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde.

Diesmal steht Düthorn selbst im Rampenlicht. Der Gruppenleiter übernimmt gerne Verantwortung, mag die Herausforderung. Schon von Berufs wegen. "Das könnte ich als Bürgermeister nochmal toppen", lacht er. Dass es immer schwierig ist, gegen einen Amtsinhaber zu kandidieren, darüber ist er sich voll und ganz bewusst. Düthorn hofft dennoch auf eine Stichwahl. "Schön wär's! Das ist das Ziel", betont er. Ein paar Jogger kommen ihm entgegen. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, das vermag er aber nicht zu sagen: "Das kann ich nicht einschätzen. Ich kämpfe bis zum letzten Tag, gebe alles, mehr kann ich nicht tun."

Die Innenstadt ist für Düthorn das brisanteste Thema, bei dem er sich seiner Meinung nach von Amtsinhaber German Hacker unterscheidet. Statt einem "Hin und Her" und einem "heute so, morgen so", wie er Hackers Politik in den letzten Wochen wahrnimmt, will er für das Rathaus, das Hubmannareal und das Vereinshaus ein Gesamtkonzept. Auch wenn er das Wort so gar nicht mag. Doch bevor irgendetwas angefangen wird, noch dazu Geld in die Hand genommen wird, möchte er in Ruhe überlegen, wie es mit dem gesamten Bereich - von der Hinteren Gasse bis zur Hans-Maier-Straße - weitergehen könnte.

Beispielsweise mit dem Vereinshaus. Doch auch dieses Wort mag er eigentlich gar nicht mehr in den Mund nehmen. Düthorn spricht lieber von einer Stadthalle. Und die will er, größer, und vor allem: woanders. Er kommt ins Schwärmen: "Wo die Leute Kaffee trinken können, wo es eine Gastronomie gibt, wo es eine Kinderecke gibt und vor allem wo es mehr Veranstaltungen gibt als jetzt, auch für die Jugend." Wo genau eine solche Stadthalle verwirklicht werden könnte, da möchte sich Düthorn nicht festlegen. Er will die Standortfrage den Herzogenaurachern selbst überlassen: "Es gibt verschiedene Alternativen. Ich würde einen Bürgerentscheid machen."


Braucht es eine Tiefgarage?

Und wäre die Entscheidung für eine neue Stadthalle an neuer Ort und Stelle erst einmal gefallen, stellt sich für Düthorn die Frage, ob es dann überhaupt noch eine Tiefgarage am Hubmann-Parkplatz braucht. "Die Anwohner, mit denen ich gesprochen habe, wollen das eh nicht. Ein meterhohes Gebäude würde das Bild der Innenstadt verschandeln", erklärt der Kandidat. Wenn es nach ihm ginge, würde er die Fläche des Parkplatzes ausheben, den Boden erneuern, mehr nicht. Und was würde mit dem Vereinshaus passieren? "Entweder es kommt etwas anderes rein oder es kommt weg."

Einen kompletten Neubau könnte sich Düthorn auch für das Rathaus vorstellen. "Das jetzige Rathaus entspricht nicht mehr den Standards, die Büros sind zu eng", meint er. Doch die genauen Zahlen kennt er nicht, die müsse er erst überprüfen. "Alles auf einmal zu realisieren, ginge eh nicht. Da muss man die Kirche schon im Dorf lassen", betont er. Größte Priorität, da muss er nicht lange überlegen, hätte für ihn eindeutig eine Stadthalle. Ein weiteres Anliegen ist Düthorn aber genauso eine Einkaufsmöglichkeit im Stadtsüden. Oder die Ansiedlung eines Baumarkts. "Man kann sich schon die Frage stellen: Warum ist in den letzten sechs Jahren nichts passiert?"

Derzeit wohnt Düthorn noch in Buch. Würde er Bürgermeister werden, will er auf jeden Fall nach Herzogenaurach ziehen. Dann hat er es auch nicht mehr so weit in den Dohnwald. Hier und gemeinsam mit seinem sechsjährigen Sohn Maximillian findet er seinen Ausgleich. Düthorn ist ledig.

Viel Zeit für Ausgleich ist momentan aber nicht. Denn wenn er nicht gerade auf einem Wahlkampftermin ist, ist er immer noch auf Streife. Und fährt immer noch vorbei an seinen eigenen Wahlplakaten.