Steppach/Weiher"Maria Bettstroh" - der Name schwört schon Bilder herauf. Die Gottesmutter soll darauf das Jesukind gebettet haben. Karin Seubert, Kräuterpädagogin, Hildegard-von-Bingen-Gesundheitsberaterin, Technikerin für Hauswirtschaft und Ernährung weiß, dass das, was der Volksmund als "Bettstroh" bezeichnet, eigentlich Labkraut heißt.

Zum genau richtigen Zeitpunkt, drei Tage vor Mariä Himmelfahrt hatte die Kräuterexpertin nahe der Ortschaft Weiher (Gemeinde Pommersfelden) zum Kräutersammeln eingeladen. Denn am "Hohen Frauentag", wie der 15. August in verschiedenen Regionen Bayerns heißt, werden in den katholischen Gottesdiensten die Kräuter gesegnet.


Keltischen Ursprungs

"Wurzbüschel" heißen sie auf Fränkisch und Karin Seubert konnte auch erklären, worauf der Brauch beruht.
Von den Kelten sei er ausgegangen und dann vom Christentum übernommen worden. Die Legende berichtet, dass die Apostel drei Tage nach dem Tod der Gottesmutter das Grab öffneten und den Leichnam Mariens nicht mehr vorfanden. Dafür lagen die Lieblingsblumen Mariens - Rosen und Lilien - im Grab und verströmten einen herrlichen Duft. Maria habe ja auch die Beinamen "Rose ohne Dornen" oder "Lilie des Feldes", erklärt Seubert.

"Wildkräuter wachsen kostenlos - aber nicht umsonst", ist ein Leitsatz der Kräuterpädagogin aus Steppach. In einen Wurzbüschel gehört ihrer Meinung nach "alles, was vor unserer Haustür wächst". Das sei von Region zu Region, mitunter von Familie zu Familie verschieden. Nicht nur Kräuter, auch Karotten (Wurzeln), Blaukraut, Wirsing, Weißkraut und Getreide wurden hineingebunden. Blumen gehören - "wegen der sinnlichen Wirkung beim Betrachten" - auf jeden Fall dazu. Die Kräuterpädagogin weiß natürlich auch, welches Kräutlein gegen welches Zipperlein hilft.

Bei der Zahl der Pflanzen, die in den Wurzbüschel gehören, legt sich die Expertin nicht fest: Von sieben, wohl der Mindestzahl, angefangen, lässt sich die Zahl auf mehr als siebzig erweitern. Wichtig ist, dass es sich um eine "magische" oder "heilige" Zahl handelt, die die Wirksamkeit der Kräuter verstärken soll. Sieben steht beispielsweise für die Schöpfungstage, Neun, also drei mal drei, für die heilige Dreifaltigkeit, zwölf für die Zahl der Apostel, vierzehn für die heiligen Nothelfer und so weiter.

Verwendung fanden die Kräuter als "Hausapotheke", vor allem im Winter. Bei Beschwerden wurden sie als Tee aufgebraut oder als Umschläge verwendet. Dem kranken Vieh gab man sie ins Futter und zu Silvester oder Dreikönig wurde damit das Haus ausgeräuchert. Ins Herdfeuer geworfen, sollten sie sogar gegen Blitzschlag helfen. Auch ins Saatgut des nächsten Jahres kamen immer Körner aus dem gesegneten Büschel.


Wohltuende Bitterstoffe

Gut zwanzig Kräuter waren es am Ende, die unscheinbar am Wege standen und von den Teilnehmerinnen eingesammelt wurden. Weitere zwanzig hatte Karin Seubert aus dem eigenen Kräutergarten beigesteuert. Wilde Möhre, Schafgarbe, Dost, Wegwarte, Beifuß, Pastinake, Ackerschachtelhalm, Labkraut, Brennnessel, Gänsefingerkraut, Giersch, Johanniskraut, Löwenzahn und Spitzwegerich, um nur einige zu nennen, haben alle ihre ganz besonderen Eigenschaften. Meist handelt es sich dabei um die Bitterstoffe der Pflanze, die dem menschlichen Organismus besonders gut tun, aus den modernen Gartenpflanzen aber herausgezüchtet wurden.

Am Ende gab es ein köstliches, von Karin Seubert selbst hergestelltes Getränk: Den "fränkischen Almdudler", bestehend aus eine Kaltauszug von Zitronenmelisse, Zitronenverbene und Minze in Apfelsaft. Mit zwei Teilen Wasser aufgefüllt, ergibt das ein erfrischendes und gesundes Getränk, "wie es schon unsere Großmütter gemacht haben".