In einer kurzen, humorigen Ansprache verwies Schulleiter Ulrich Langer auf die Fakten des Abends. Eine Gema-freie Welturaufführung vor ausverkauftem Haus kündigte er dem erwartungsvollen Publikum an. Dies ist Markus Bedruna zu verdanken, Lehrer an der Realschule Herzogenaurach und auch Leiter deren Theatergruppe. Er verfasste für seine Schützlinge der Theatergruppe, aber auch für Band und Chor der Schule Text und Musik des Stückes "Humboldtstraße 100", einer Mietkomödie mit Musik. Hans W. Geißendörfer, den seine Kindheit in einem Neustädter Mehrfamilienhaus zur Lindenstraße inspirierte, möchte der vielseitige Bedruna dennoch nicht nacheifern: "Eine serienmäßige Verpflichtung hat großen Druck zur Folge und letztlich leidet die Qualität darunter."

Gelitten haben an diesem Abend nur die Zuschauer, nämlich unter heftigen Lachanfällen.
Die Geschichte über die skurrilen Bewohner des Mietshauses sowie die wundersame Wandlung des Erwin Lumpe, vom verhassten Nachbarn zu "Super-Lumpe", strapazierte das Zwerchfell sehr.

"Um seine Wohnung nicht zu verlieren, bemüht sich Lumpe ein besserer Mensch zu werden", beschreibt der 17-jährige Alex Kaltenhäuser seine Rolle. "Herr Bedruna hat uns allen die Rollen wieder herrlich auf den Leib geschrieben, auch mir. Lumpe ist ebenso charmant und liebevoll wie ich", schmunzelt der Schüler. Selbst die Romantik zu seiner Mitschülerin Daria Krasnykh, 16 Jahre alt, überträgt der Schelm ins Privatleben, um sie damit zu necken. Daria spielt die Hausmeisterin Budrimowsky und putzt ebenso hingebungsvoll den Boden, wie sie Erwin Lumpe anhimmelt.

Rezon Krasniq verkörpert den mittellosen Maler Isidor Nüsslein. Seine Leidenschaft ist sein Pinsel sowie seine Nachbarin. Mit vollem Körpereinsatz tanzt der 15-Jährige über die Bühne und buhlt so um sein Herzblatt Nora. Auch Rezon erkennt sich in seiner Rolle wieder: "Privat bin ich eher zurückhaltend, doch habe ich auch eine künstlerische Ader." Seit vielen Jahren spielt er Klavier, zeichnerisch jedoch kommt er nicht über ein Strichmännchen hinaus. "Den Tanz gestalte ich größtenteils spontan, nur wenig davon ist eine feste Choreographie", verrät er. Schon im Vorjahr konnte er sich in zwei Rollen austoben und verausgaben und hofft auf ähnliche Möglichkeiten in seiner nächsten Rolle im kommenden Jahr.

Jeder lernt anders

Alex lernte die ersten fünf Szenen des Stückes eifrig, doch den Rest eignete er sich im Rahmen der Proben durch "learning by doing" an. Der ehemalige Schüler Tim Steinheimer, 19, fand trotz Besuch der zwölften Klasse an der Fachoberschule genug Zeit, die Rolle des Phobikers Attila Bomsberger zu studieren.

Bomsberger leidet an unzähligen Phobien, die im Verlauf des Stückes auch zum Durchbruch kommen. Ein Schnüffeltuch, welches er immer bei sich trägt, beruhigt ihn jedoch schnell, doch die Menschen in seiner Umgebung können den widerlichen Gestank des Tuches kaum ertragen.

"Es ist spannend, nach zwei Jahren wieder zu der Truppe zu stoßen", strahlt Tim. Die gemeinsamen Proben waren für den auch außerhalb der Schule eifrigen Theaterspieler und Musiker dennoch wichtig, denn über die Gesamtübersicht kann er sich leichter integrieren. Besonders reizvoll findet er die Loriot'esken Momente des Stücks. Die deutlichste Hommage ist sicherlich das Filmteam, das die Familie der alleinerziehenden Mutter Jennifer Talberg besucht.

Dank eines genialen Bühnenbaus konnten alle acht Wohnungen, sowie der Hausflur der Humboldtstraße 100 durch wenige Handgriffe gestaltet werden. Auf das Drängen seiner Schauspieltruppe knickte Lehrer Markus Bedruna in den Vorbereitungen ein und schrieb sich selbst auch einen Kurzauftritt.

Das Publikum belohnte alle Darsteller, Chor und Orchester mit lang anhaltendem Applaus.