Stolz reckten sie einst ihre gelben und schwarzen Köpfe in die Luft. Wegen ihrer Fernwirkung in den Aischwiesen wurden sie gewissermaßen zum Wahrzeichen Höchstadts. Selbst vor der barocken Fassade von Schloss Weissenstein in Pommersfelden machten sie eine gute Figur.

Jetzt liegen die "Windfahnen" von Roland Lindenmann wie in einem Fahnenfriedhof seit etwa zehn Jahren auf dem städtischen Lagerplatz am Kieferndorfer Weg. Wind und Wetter, Schnee und Eis hatten den eisernen Riesen, von denen einer verschwunden ist, ordentlich zugesetzt. Noch viel mehr aber das in schönster Regelmäßigkeit wiederkehrende Hochwasser der Aischaue. Bis - ja bis der Rost die Lager und Fahnen derart angefressen hatte, dass sie als nicht mehr sicher galten und abmontiert wurden.

Seine Höchstadter Freunde haben den Künstler Lindenmann nicht vergessen. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren ist er am 29. Januar 2011 gestorben. Nach einem wechselvollen Leben mit viel Licht und Schatten. Immer wieder wurde diskutiert, ob man die Fahnen nicht wieder aufstellen könnte. Jetzt arbeiten der Verein "Initiative Roland Lindenmann" mit seinem Vorsitzenden Eberhard Ranger und Hermann Proksch daran, dass Lindenmanns Kunstobjekt zu neuem Leben erweckt wird.

Im November trug Proksch sein Anliegen Jürgen Ganzmann vom städtischen Bauamt vor und fand bei ihm ein offenes Ohr. Hinzu kommt, dass Proksch ausgebildeter Senior-Trainer ist und als solcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, immer wieder neue Projekte anzustoßen. Projekte, die zeitlich begrenzt sind und für deren Umsetzung sich ein Helferkreis findet.

Eines wird deutlich, wenn man die gelben und schwarzen Riesen vor sich liegen sieht: Der Weg wird nicht einfach. Es wird viel Zeit und Geld investiert werden müssen, um die zwischen 2,50 Meter und zwölf Meter hohen Windfahnen wieder aufzustellen.

Entrosten, grundieren und lackieren ist nur das eine, der Zustand die andere Seite. Man habe schon darüber nachgedacht, die Fahnen zu verzinken und dann wieder in der ursprünglichen Farbgebung zu lackieren, erzählt Hermann Proksch. Aber das Metall sei zu dünn und könnte sich beim Verzinken verziehen. Und - wären es dann noch Lindenmanns Fahnen? Muss ein Kunstwerk nicht altern, Patina ansetzen?

Proksch hatte auch die Idee, die Lager am Fuß der Fahnen, die für die Rotation zuständig waren, höher zu setzen, damit sie nicht mehr im Hochwasserbereich liegen. Jetzt sah sich ein Mann vom Fach die Fahnen an: Georg Dorsch hat in Adelsdorf einen Metallbaubetrieb und bringt das nötige Know-how mit. Keine Frage, machbar sei es, das Kunstwerk wieder aufzustellen. Wie man es umsetze, sei noch zu überdenken. Als Erstes schlug er ein Treffen aller Beteiligten vor, bei dem auch ein Statiker anwesend sein soll.

Und wo sollen die Fahnen aufgestellt werden, wenn das Vorhaben gelingt? Natürlich wieder in den Aischwiesen, sagt Proksch. Da gehören sie doch hin!