Gemeindefest, Kirchencafé, ein freundlicher, aufgeschlossener Pfarrer - diese Gemeinde lebt. Besonders positiv fällt der Umgang mit den Kindern und die Einbeziehung der gesamten Gemeinde auf. Zum Beispiel singen alle gemeinsam den dreifaltigen Lobpreis nach der Wandlung. Ein Ministrant darf zum Einstieg ein Gebet vortragen, die Kinder verlesen die Fürbitten und sie werden durch Fragen eingebunden. Auch Kinderbücher und Malstifte fallen ins Auge. Johannes Saffer weist am Ende des Gottesdienstes sogar noch auf ein Ausmalbild hin, das er mitgebracht hat, damit die Kinder es sich mit nach Hause nehmen können. Nach dem Auszug bleibt der Pfarrer an der Türe stehen, verabschiedet jeden Gottesdienstbesucher mit Handschlag und lädt nochmals ausdrücklich zum Kaffee trinken und Plauschen vor der Kirchentüre ein, wo einige Ehrenamtliche Stehtische und ein Kuchenbuffet aufgebaut haben. So sieht gelebte Gemeinde aus. Da wundert es nicht, dass mehr junge Leute in den Bänken sitzen, als anderswo in katholischen Kirchen. Allerdings hätte der Gottesdienst insgesamt etwas besser besucht sein können. Er hätte es nämlich wirklich verdient. Einstieg:

Sehr persönlich begrüßt Pfarrer Johannes Saffer die Gemeindemitglieder. Er lässt es sich nicht nehmen, Kinder und Jugendliche extra zu erwähnen, von denen doch einige den Weg in die Kirche gefunden haben. Er zieht auch gleich den Bogen zum Thema des Sonntags: die Dreifaltigkeit, die sich im Kreuzzeichen manifestiert.

Musik:

Anfangs scheint der Organist sein Instrument nicht recht im Griff zu haben, er verspielt sich einige Male. Die Gemeinde singt, wenn überhaupt, nur leise mit. Beides könnte aber an den etwas weniger bekannten Liedern in der ersten Gottesdiensthälfte gelegen haben. Später, bei bekannteren Liedern, werden Organist wie Gemeinde sicherer. Auch der Pfarrer hält sich nicht zurück - manchmal hört man vor allem ihn, da er ins Mikrofon singt. Das stört jedoch nicht, sondern stabilisiert den Gemeindechor eher, weil er gut singen kann.

Lesung:

Eine Lektorin trägt die Lesung klar und deutlich vor. Leider sucht sie kein einziges Mal Blickkontakt mit der Gemeinde. Vom Text bleibt nichts hängen.

Predigt:

Da Dreifaltigkeitssonntag ist, hat das Johannesevangelium die Verheißung des Heiligen Geistes zum Thema. Johannes Saffer steigt mit einer Parabel ein, in der deutlich wird, wie unmöglich es ist, dieses Geheimnis des katholischen Glaubens mit dem Verstand zu erfassen. Dennoch erklärt er anhand des Kreuzzeichens - das ja an sich ein Zeichen der Dreifaltigkeit ist - sehr anschaulich, was mit Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist gemeint ist und was es für einen Christen bedeutet. Besonders schön ist, dass er nicht nur in einfachen, für alle verständlichen Worten spricht, sondern die Kinder in den ersten Reihen durch Fragen einbezieht. Sie scheuen sich auch nicht, die Hand zu heben und zu antworten.

Kommunion: Der Pfarrer bricht eine überdimensionale Hostie in viele Teile, die dann als erstes an die Ministranten und die Kommunionhelferin ausgegeben werden. Das ist ein schönes Symbol für das Brot, das Jesus beim Abendmahl brach. Da die Stücke nicht für alle Gemeindemitglieder reichen, gibt es danach auch kleine Hostien.

Segen:

Vor dem Segen bittet der Pfarrer um Helfer für das anstehende Gemeindefest. Auch hier bezieht er sich auf das Thema des Tages, indem er an den verbindenden Geist der Gemeinde appelliert. "Wir sind eine Gemeinschaft durch den Geist." Man solle sich auch so verhalten, damit die Arbeit nicht an einigen wenigen hängen bleibt. Beim Segen betont Saffer nochmals verstärkt die Dreifaltigkeit Gottes und lädt zum anschließenden Kirchencafé ein. Entsprechend entlässt er die Gemeinde mit: "Bleibt in Frieden!" anstatt "Gehet in Frieden!"

Ambiente:

Hell, freundlich und eher schlicht ausgestattet fällt St. Josef für eine katholische Kirche etwas aus dem Rahmen. Keine Opulenz, kein Protz, aber sehr schön. Bei der Farbgebung dominieren angenehm helle Farben: Die Wände sind weiß gestrichen, die Nischen für die Heiligen in den Seitenaltären sind strahlend gelb. Das bildet einen schönen Kontrast zum dunklen Holz der Bänke. Kerzen und Blumen sind leider etwas unterrepräsentiert, hier täte mehr Schmuck gut. Hingucker sind die beiden Buntglasfenster neben den Seitenaltären, die biblische Situationen darstellen. Aber im Grunde lenkt kaum etwas vom Geschehen am Altar ab.

Kirchenbänke: Die Bänke sind mit bunten Schnitzereien verziert. Die Sitze sind bequem gepolstert, die Rückenlehne aus Holz lässt eine natürliche, angelehnte Haltung zu. Die Kniebänke sind ebenfalls mit Leder gepolstert, so dass die (wenigen) Kniemomente nicht unangenehm werden.

Beleuchtung: Typische Hängelampen mit mehreren Glühbirnen und einige große Weißglasfenster bringen genügend Licht in die Kirche. Die etwas dunkleren Motivfenster am Altarende des Kirchenschiffs werden dadurch gut ausgeglichen, so dass es überall gleich hell ist. Kerzen braucht es für die Helligkeit nicht, aber einige mehr würden für eine noch feierlichere Atmosphäre sorgen.

Sinne: Glocken rufen zum Gottesdienst, die Wandlung wird von Schellen umrahmt. Weihrauch wird gezielt eingesetzt. Die Luft ist gut, nicht stickig, keine unangenehmen Gerüche. Es ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Der Kontakt der Menschen untereinander ist herzlich: Beim Friedensgruß werden quer durch alle Bänke Hände geschüttelt. Musik spielt eine große Rolle. Von jedem Lied werden mindestens zwei Strophen gesungen. Zudem intoniert Saffer viele liturgische Texte und fordert die Gemeinde auf, mitzusingen.