Aus der Küche strömt der Duft von Blauen Zipfeln, auf dem Fußabstreifer im Flur hat es sich ein Hund gemütlich gemacht, aus dem Gastraum sind Stimmen zu hören und das Geräusch, das Gläser beim Anstoßen machen. Es ist ein Donnerstagabend in Frickenhöchstadt, und das Dorf hat endlich wieder das, was ihm seit 1999 abging - einen Treffpunkt.
Vor 13 Jahren wurde im Wirtshaus "Zum Auerhahn" das letzte Bier ausgeschenkt, und seitdem lebten die heute nicht einmal mehr 60 Einwohner so nebeneinander her. Ein Zustand, den einige Bewohner des kleinen Vestenbergsgreuther Ortsteiles ändern wollten, unter anderem Herbert Merkel und Martin Ruff. Sie gründeten gemeinsam mit 32 anderen vor gut eineinhalb Jahren den Dorfverein Frickenhöchstadt und Umgebung und verfolgten das Ziel, ein Dorfgemeinschaftshaus zu bauen.

Rund 3500 Arbeitsstunden

Die Gemeinde wurde mit ins Boot geholt und erklärte sich bereit, ein Grundstück in der Ortsmitte zu kaufen sowie einen Zuschuss von 130 000 Euro für den Bau eines Gemeinschaftshauses zu zahlen. Die Frickenhöchstadter ließen sich nicht lange bitten und investierten laut Merkel rund 3500 Arbeitsstunden in den Bau. Ein altes Häuschen wurde abgerissen, ein neues wurde auf einem Betonkeller in Holzständerbauweise errichtet, der Hof wurde gepflastert, der Garten wurde angelegt und der Innenausbau geschultert. Bis zu neun Bauhelfer gehörten zum harten Kern, erzählt Vereinsvorsitzender Merkel, "acht oder neun Familien waren am Bau beteiligt". Lediglich der Außenputz, die Installationsarbeiten sowie das Estrich- und Fliesenlegen übernahmen Fremdfirmen, alles andere erledigten die Einheimischen selbst.
Seit Ostern ist nun geöffnet, immer donnerstags ab 19 Uhr zum Stammtisch und sonntags ab 9.30 Uhr zum Frühschoppen. Gästen zeigt Herbert Merkel gerne die Details, die für eine heimelige Atmosphäre sorgen. So hat der Chef einer Metallbaufirma alte Türen von Baustellen wieder eingebaut, beispielsweise führt die frühere Pforte der Apotheke von Iphofen in den Keller. Im Flur sind Gläser zwischen Ziegelsteinen eingemauert, die mit Brot und Salz die guten Wünsche für einen neuen Nachbarn, mit einer Zeitung und einem Notgroschen aber auch die Utensilien einer Grundsteinlegung beinhalten. Im Gastraum schmücken Gegenstände der vormaligen Grundbesitzer die Wände, und im Jugendraum unter dem Dach haben sich die jungen Frickenhöchstadter mit Handabdrücken an der Wand verewigt.

Der Verein ist der Mieter

Dass letzten Endes neben Geld- und Sachspenden im Wert von rund 17 000 Euro trotzdem noch 155 000 Euro verbaut wurden, hielt die Gemeinde nicht von der Bezahlung ab. Der Verein verpflichtete sich dafür, sich als Mieter um das Haus und den benachbarten Badeweiher zu kümmern. "Unser Haus ist für alle offen", verspricht Schriftführer Ruff, schließlich sei es nur legitim, allen Bürgern etwas zurückzugeben. Neben dem Stammtischbetrieb vermietet der Verein das Haus auch für private Feiern. Ansprechpartnerin dafür ist die stellvertretende Vorsitzende Marita Römer unter Telefon 09552/7570.
Dafür und für die regelmäßigen Öffnungszeiten stehen dem Verein momentan zehn Bewirterfamilien zur Verfügung, die jeweils vier Wochen lang im Wechsel im Einsatz sind. Diverse Veranstaltungen sollen den Betrieb auflockern, dem Vorsitzenden schweben dabei Lesungen in fränkischer Mundart genauso vor wie ein Spieletriathlon für die Jugend. Ein erster Höhepunkt rund um das neue Dorfgemeinschaftshaus soll die Kerwa werden, bei der nicht nur die Einweihung des Hauses über die Bühne geht, sondern auch der Frankenbarde Jürgen Leuchauer auftritt.

Das Kirchweihprogramm