Unter dem Christbaum sind die Modellfahrzeuge der Firma Conrad im Kalchreuther Ortsteil Röckenhof (Landkreis Erlangen-Höchstadt) selten anzutreffen. "Wir stemmen keine Sonderschichten vor Weihnachten", sagt Christine Conrad. "Eher im Frühjahr vor der weltgrößten Baumesse, der Bauma, Anfang April in München."

Was Conrad und ihre rund 70 Mitarbeiter in den Produktionshallen mitten in einem Wohngebiet täglich fertigen, begeistert in erster Linie den erwachsenen Mann. Raupenbagger, Nutzfahrzeuge, Kräne, Gabelstapler und andere Baumaschinen - alles in einer Größe, um es mit zwei Händen vor dem Körper auszuprobieren. Und Probieren ist hier wörtlich gemeint. Denn die Modelle im Maßstab 1:50, beziehungsweise 1:25 bei Staplern und 1:87 bei Kränen (sonst wären diese viel zu hoch), bilden so gut wie jedes Detail ab.

Für Kinder sind die Miniaturen aus der Bauwelt weniger gedacht. Diese sind laut Conrad zwar in ausgewählten Fachgeschäften zu finden. Auch gibt es eine Sammlergemeinschaft, meist Männer über 50, die jede Auflage eines Fahrzeugs genau kennen und zu erwerben suchen. Der eigentliche Kundenkreis ist aber ein anderer. Conrad beliefert in erster Linie die Industrie, also die Hersteller der Originale in Groß. Diese nutzen die detailgetreuen Modelle zu Marketingzwecken. Aber nicht nur. Im Vertrieb sind sie die besten Werbemittel. Wie funktioniert der neue Bagger, was kann er alles? Die maßstabsgetreue Miniatur aus Mittelfranken ist besser als jedes Foto, jede Broschüre, jede Computersimulation. "Wir bekommen die Originalkonstruktionsdaten in abgespeckter Version. Aber schon in der Entwicklungsphase", berichtet Geschäftsführerin Conrad. Schließlich sollen die Modelle zeitgleich zur Markteinführung fertig sein. "Wir unterliegen strengsten Geheimhaltungsvorschriften."

Modellbau statt Hotelmanagement

Die Arbeit mit den Modellen ist für die zweifache Mutter nicht neu. Schon als Kind hat sie damit gespielt. Dass sie heute an der Spitze der Firma steht, die ihr Großvater 1956 gegründet hat, war aber nicht von vornherein klar. Sie und auch Ehemann Paul hatten ursprünglich Hotelmanagement studiert. Als ihr Bruder die Firma nicht übernehmen wollte, wagte sie den Schritt - zusammen mit ihrem Mann, der sich vor allem um die Produktion kümmert.

So ist der fränkische Hersteller ein Familienbetrieb geblieben, ein echter: Der Vater von Christine Conrad berät sie in der Geschäftsführung, die Mutter sitzt im Büro und der Onkel, Jürgen Conrad, hat ein Unternehmen, das die Formen für die Modelle herstellt.

Die Miniaturfahrzeuge werden dann im Zinkdruckguss-Verfahren gefertigt. "Wir versuchen, so wenig wie möglich Kunststoff zu verwenden, außer da, wo es nicht möglich ist, zum Beispiel bei den Fensterscheiben", sagt Conrad.

Bis ein neues Modell, dessen Stückzahl in der Regel im vierstelligen Bereich liegt, produziert werden kann, vergehen sechs bis acht Monate. Für jedes Einzelteil muss ein Stahlkörper gefertigt werden, in dem dann das Rohmaterial eingefüllt und gegossen wird. Bei einem kleinen Bagger etwa kostet das Herstellungswerkzeug um die 100 000 Euro. Dennoch präsentiert Conrad jährlich zwischen 14 und 18 Neuheiten.

Wer in der Produktion in Kalchreuth große Maschinenlinien erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Spezielle Aufgaben bei kleinen Stückzahlen erfordern Handarbeit. Allein, um am Ende den kleinen Schriftzug auf ein Modell zu bringen, wird es bei Conrad achtmal angefasst. "Wir sind die einzigen, die in Deutschland oder Europa produzieren", sagt die Chefin über den Nischenmarkt. Seit 2010 betreibt die Firma zusätzlich eine Produktionsstätte in Tschechien - für handarbeitsintensive Zwischenschritte.

Die Kunden schätzen das Ergebnis. Sie sitzen weltweit. Bekannte Namen sind darunter: MAN, Mercedes, Linde, Liebherr - mit letzterem Baumaschinenkonzern besteht sogar eine jahrzehntelange Partnerschaft. Aber es klopft auch die kleine Speditionsfirma an, die ein bestehendes Modell einfach mit ihrem Firmennamen versehen haben will.