Dass der Haushalt für das Jahr 2020 erst jetzt vom Gemeinderat verabschiedet werden konnte, begründeten Bürgermeister Horst Rehder (BB) und Kämmerer Jörg Hausam mit einigen besonderen Umständen der Gemeinde Heßdorf. Es begann mit den Kommunalwahlen und dann kam Corona, Hauptgrund seien allerdings auch die derzeit laufenden Großprojekte gewesen: die Sanierung der Grundschule Hannberg und der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Heßdorf. Verlässliche Zahlen zu beiden Projekten seien erst sehr spät vorgelegen.

Der Haushaltsentwurf war in der Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses vorberaten worden, es waren einige Änderungen vorgenommen worden , gefolgt von einem einstimmigen Empfehlungsbeschluss für den Gemeinderat. Das Gesamthaushaltsvolumen 2020 beträgt rund 14,53 Millionen Euro, davon entfallen auf den Verwaltungshaushalt etwas über sechs Millionen Euro und der Verwaltungshaushalt beläuft sich knapp 8,5 Millionen Euro.

Natürlich rechnet der Kämmerer, ebenso wie seine Kollegen in anderen Kommunen und Städten, insbesondere bei der Gewerbesteuer mit verminderten Steuereinnahmen. Allerdings werden sich die Mindereinnahmen erst in den nächsten zwei Jahren bemerkbar machen, deshalb habe er auch sehr konservativ geplant und den Ansatz bei der Gewerbesteuer um rund 25 Prozent nach unten korrigiert. Hausam betonte, dass 2019 entgegen der ursprünglichen Planung der allgemeinen Rücklage wieder relevante Beträge zugeführt werden konnten. Das Ergebnis der Jahresrechnung zeigte, dass eine Zuführung von rund 3,6 Millionen Euro möglich war. Für den Haushalt 2020 werden davon aber wieder 3,5 Millionen Euro entnommen. Zur Finanzierung der derzeit laufenden Baumaßnahmen wurde im Jahr 2018 eine Kreditaufnahme in Höhe von rund 4,3 Millionen Euro notwendig. Auch im Jahr 2019 war eine Kreditaufnahme von 4,9 Millionen Euro erforderlich. Ein Teil der Kreditermächtigungen aus 2019 wurde erst in diesem Jahr abgerufen, weswegen der Kämmerer heuer keinen neuen Kredit in Anspruch nehmen muss. Bei der Einkommenssteuer rechnet Hausam mit Einnahmen von rund 2,1 Millionen Euro.

Langfristige Planung fehlt

Die Abwasser-Überleitung in die Erlanger Kläranlage verschlingt 1,55 Millionen Euro und fast genauso viel ist für den Grunderwerb im Baugebiet Heßdorf-Süd vorgesehen. Für die Sanierung der Grundschule in Hannberg gibt die Gemeinde 3,7 Millionen Euro aus, dazu kommen die Kreisumlage (1,7 Millionen Euro), Betriebskosten für den Kindergarten und natürlich der Brandschutz. Nach Abschluss der Baumaßnahmen erwartet der Kämmerer etwas ruhigere Jahre, denn vorerst sind keine größeren Projekte geplant.

Zu dem Zahlenwerk gab aus dem Gremium nahezu keine Fragen, lediglich Thomas Külle (FW) meldete sich zu Wort und dankte dem Kämmerer für das solide Zahlenwerk. Wie bereits in der Sitzung des Finanzausschusses vermisste Külle eine Mittel- bis langfristige Finanzplanung, die zwar nicht in den Haushalt einfließen muss, aber einen Überblick über zukünftige Herausforderungen geben würde. Nach Aussage des Freien Wählers ist die Pro-Kopf-Verschuldung auf mittlerweile 2500 Euro pro Einwohner gestiegen und durch Corona drohen zudem rückläufige und stagnierende Einnahmen.

Deshalb wiederholte Külle den Vorschlag, schnellstmöglich von der Kameralistik, das ist die einfache Buchführung, auf die Doppik, die doppelte Buchführung, umzustellen. Das ermögliche einen vollständigen Überblick über die Vermögenssituation und damit eine hohe Transparenz. Außerdem werde bereits heute teilweise eine betriebswirtschaftliche Kostenkalkulation benötigt, die nur durch die doppelte Buchführung gewährleistet werden könne.

"Wir haben Doppik bereits auf dem Schirm", gab Kämmerer Jörg Hausam zur Antwort und erinnerte die Personalsituation der Verwaltungsgemeinschaft, die bereits auf Kante genäht sein. So erfordere Doppik eine längere Vorlaufzeit und vor allem viel Manpower. Die Umstellung sei nur mit externen Fachkräften zu schaffen. Am Ende gab ein einstimmiges Votum für den Haushalt 2020.