Angekündigt wurde es schon länger, jetzt ließ es der Baufortschritt endlich zu: Gemeinsam mit Bürgermeister German Hacker (SPD) und Bauamtsleiterin Silke Stadter konnten am Samstag Interessierte erstmals die Baustelle des Herzogenauracher Rathausneubaus besichtigen. In drei Führungen mit jeweils 15 Personen konnte man nach einer Online-Anmeldung hinter den Bauzaun treten und sogar in die Baugrube klettern.

Zu Beginn erläuterte der Bürgermeister anhand einiger Schautafeln den aktuellen Stand und die nächsten Schritte. In zwei Wochen soll bereits der Rohbau beginnen. Der Neubau werde am Südflügel, also an der Wand zum Ratskeller, wieder an das alte Schlossgebäude anschließen. Am Ostflügel jedoch werde die Sandsteinmauer wiederhergestellt werden, da der Neubau etwas mehr Richtung Hubmannparkplatz geöffnet werden soll. Dadurch werde natürlich der Schlosshof seine fast quadratische Form verlieren, werde gleichzeitig jedoch größer und biete somit mehr Platz für künftige Veranstaltungen.

"Es ist natürlich das Ziel, dass der Schlosshof wieder der Veranstaltungsort für Kino, Theater, Konzerte und Feste wird", erklärte German Hacker, "deswegen werden auch direkt Wasser- und Stromleitungen unterirdisch verlegt." Unterirdisch werde auch das Archiv zu finden sein: Zwei Drittel des Schlossplatzes werden in Zukunft unterkellert sein. "Wenn alles gut läuft, dann ziehen wir Ende 2022 ein und sehen uns dann zum Altstadtfest 2023 schon im neuen Schlosshof", stellte Hacker zuversichtlich fest.

Natürlich ist das alles noch etwas schwer vorstellbar, wenn man in der 6,50 Meter tiefen Baugrube steht, aber 3-D-Grafiken und Baupläne helfen den Bürgern, und mit etwas Fantasie kann man das neue Rathaus schon erahnen.

Bei Archäologie gespart

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Umgang mit dem Grundwasser: Würde man dieses nicht mit Brunnen abpumpen und über große blaue Leitungen die Bamberger Straße hinaufleiten, würde sich die Baugrube schnell in ein vier Meter tiefes Schwimmbecken verwandeln. Sobald die 265 Betonpfosten, die aktuell die Baugrube umranden, mit Stahlseilen verstärkt wurden, der Rohbau eine gewisse Höhe erreicht hat und das Fundament mit Umlaufdrainagen ausgestattet ist, könne man diese Wasserleitungen dann wieder abbauen, erklärte Hacker den Schaulustigen. Das sollte dann etwa in einem Dreivierteljahr der Fall sein.

Natürlich koste das auch alles Geld, und die unterirdische Wasserleitung Richtung Bamberger Straße sei ein Zusatz, den sich die Stadt gegönnt habe. "Die andere Variante wären oberirdisch verlaufende, riesige blaue Rohre gewesen, die durch die komplette Altstadt zur Aurach verlaufen wären", berichtete der Bürgermeister. Dafür hätte man im Bereich der Archäologie statt der geplanten 900 000 Euro nur 350 000 Euro benötigt, also sei das schon in Ordnung.

Ein Anliegen beim Rathausneubau ist auch die Barrierefreiheit: Durch einen ebenerdigen Haupteingang und mit dem Bürgerbüro im Erdgeschoss soll der Zugang hier leichter gemacht werden. Außerdem soll man künftig durch einen kleinen Umweg auch mit einem Rollstuhl auf die Terrasse des Ratskellers fahren können.

Eine Bürgerin fragte Hacker nach den angekündigten "Gucklöchern" in den Bauzäunen. Das Stadtmarketing arbeite derzeit an ausführlichen Schautafeln, die bald an den Bauzäunen angebracht werden sollen, und er werde dem Wunsch nach Sichtfenstern nachkommen, gab Hacker zur Antwort. Bisher hätte es wenig Sinn gemacht, weil man ohnehin nicht in die Baugrube hineinsehen könne.

Da bieten die Webcams, die etwas höher angebracht sind, einen besseren Blick. Alle 30 Minuten wird hier auf der Homepage der Stadt Herzogenaurach www.herzogenaurach.de ein neues Bild veröffentlicht. Es sollen außerdem auch weitere Baustellenbegehungen stattfinden. "Man muss natürlich immer sehen, ob es der Baufortschritt zulässt, dass wir mit 20 Personen auf der Baustelle rumturnen", erklärte Silke Stadter. "Deshalb können wir solche Führungen eher spontan anbieten, wenn die Bauleitung uns grünes Licht gibt."

Die Herzogenauracher fragten auch nach den Bäumen um den Schlossgraben herum. "Kein Baum, der gesund ist und den wir erhalten können, wird einfach abgeholzt", stellte Hacker klar. In zwei Wochen wird sich also mit dem Beginn des Rohbaus einiges tun, die Fundamente für die ersten Kräne sind schon gegossen. Regelmäßige Updates sieht man auf den Bildern der Webcams.