Man wäscht sich irgendwo im öffentlichen Raum die Hände und möchte sie abtrocknen. An der Wand hängt ein Papier- oder Handtuchspender? Gefühl beim Abreißen: eher gut. Das angenehme Empfinden verringert sich deutlich bei einem Gebläsetrockner, der Luft auf die Haut haucht. Dann lieber ein Jetstream, der trockene Hände in zehn Sekunden verspricht. Aber: Hat Händetrocknen wirklich etwas mit Gefühl zu tun? Die Frage ist doch: Ist die eine Methode hygienischer oder umweltfreundlicher als die andere?

"Das ist ein heißes Thema, weil die unterschiedlichen Industriebranchen je nach Interessenlage argumentieren", sagt Elke Kre o wski vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau. Die Behörde hatte bereits 1993 in einer vergleichenden ökologischen Betrachtung der unterschiedlichen Systeme - Gebläsetrockner, Spender mit Papiertüchern aus Altpapier oder Zellstoff sowie Stoffhandtuchrollen - keine "ökologische Rangfolge" entwickelt. Zellstoff-Papierhandtücher wurden jedoch als "vergleichsweise ökologisch nachteilig" bewertet. Die Gründe liegen im Verbrauch von Frischfasern, im vergleichsweise hohen Verbrauch von Energie und Wasser sowie der Luftbelastung aus dem Produktionsprozess.

Jetstreams schneiden am besten ab

In einer aktuellen Studie untersuchte das UBA erneut unterschiedliche Händetrocknungssysteme nach ökologischen Aspekten. Außer Stoff- und Papierhandtüchern sowie Warmluf thändetrocknern kamen dieses Mal auch Jetstreams (Schnelltrockner) auf den Prüfstand. Daraus ergibt sich eine ökologische Rangfolge, nach der Jetstreams am besten abgeschnitten haben. "Sie weisen beim Treibhausgas die geringste Belastung auf", sagt Kreowski. Die anderen Trocknungsarten sind bis auf die Papiertücher aus Frischfaser aus Sicht des Umweltbundesamtes gleichwertig.

Aufgrund ihrer Geräuschcharakteristik werden Jetstreams im Trocknungsbetrieb häufig als belästigend beschrieben. "Bei der Betrachtung des Lärms in der Nutzungsphase wurde die Belastung jedoch als gering eingestuft und hängt auch stark von der Nutzung der Nachbarräume ab", heißt es aus dem Umweltbundesamt. Hintergrund sind die kurzen Trocknungszeiten der Geräte und somit relativ kurzzeitige Geräuschemissionen beim Gebrauch.

Bei der Betrachtung der Händetrocknungssysteme in Bezug auf die Hygiene hat die Studie ergeben, dass bei allen Systemen keine hygienischen Bedenken bestehen. Bei Gebläsetrocknern empfiehlt das Umweltbundesamt einschränkend, diese nicht in hygienischen Bereichen wie Krankenhäusern zu verwenden.

Bakterien werden aufgewirbelt

Hier klinkt sich Claudia Schuller vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelhygiene in Erlangen (LGL) ein. "Weil die Luft aus den elektrischen Trocknern Bakterien aufwirbelt und diese auch auf Hände bläst, sollen diese Geräte nicht in infektionsrelevanten Bereichen eingesetzt werden", bestätigt sie. Ansonsten, "wenn man von normalen Situationen und normal gesunden Menschen ausgeht", sieht das LGL keinen Unterschied in den Trocknungssystemen.

Bei der Handhygiene ist es wichtig, dass die Hände vollständig getrocknet werden. "Feuchte Umgebung fördert die Vermehrung von Bakterien", sagt Ursula Thomaschewski von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Daher ist es von großer Bedeutung, dass ein Trocknungsvorgang nicht zu lange dauert, weil er sonst möglicherweise zu früh abgebrochen wird."

Genau das passiert oft bei den herkömmlichen elektrischen Trocknern. "Schneller geht es mit dem Papiertuch", sagt LGL-Sprecherin Schuller. "Manche Geräte brauchen zu lang. Niemand hat Lust und Zeit, da zwei-, dreimal draufzudrücken." Außerdem komme manchen Benutzern die angesaugte und erhitzte Luft unappetitlich vor. "Aber das ist ja dieselbe Luft, die man auch atmet. Warum sollte etwas passieren, wenn diese Luft ein bisschen auf die Haut geweht wird?"

"Die Keime sind sowieso da"

Auch durch ein offenes Toilettenfenster werde Luft verwirbelt und komme Wind in die Haare. "Da macht sich keiner Gedanken", sagt Schuller. In vielen elektrischen Trocknern seien Filter eingebaut, die die eingesaugten Keime herausfiltern oder abtöten. Aber auch ohne diese Zusatzsysteme sei die Keimzahl in der Ausblasluft niedriger als in der Ansaugluft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts Fresenius.

Stimmt also doch nur mit dem Gefühl etwas nicht, wenn man ungern auf den Trockner drückt? Es scheint so. LGL-Sprecherin Schuller fasst zusammen: "Die Trocknerluft verwirbelt lediglich Keime, die ohnehin da sind." Wichtig ist letztlich nur eines: dass die Hände nach dem Waschen komplett trocken sind.



Saubere Hände schützen vor Krankheiten

Da hat man sich die Hände nach dem Toilettenbesuch gewaschen und fasst gleich wieder etwas Schmutziges an: die Türklinke, auf der jede Menge Keime sitzen. Könnte man das Händewaschen dann nicht genauso gut bleiben lassen? "Nein", sagt Claudia Schuller vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

"Das Händewaschen ist nie obsolet und immer hilfreich. Dass man sich danach die Hände wieder schmutzig macht, versteht sich von selbst, ob an einer Toiletten-Türklinke oder eben später anderweitig. Trotzdem ist Händewaschen unerlässlich."

Nach Angaben der World Health Organization (WHO) werden bis zu 80 Prozent aller Infektionskrankheiten über die Hände übertragen. "Das Händewaschen stellt daher eine einfache, aber effiziente Hygienemaßnahme zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten dar", sagt Schuller. Und es helfe selbst in Umgebungen, die per se eher unhygienisch seien. Schuller zitiert eine Studie, die in den ländlichen Gebieten Bangladeschs durchgeführt wurde und zeigte: Kinder von Familien, die sich regelmäßig die Hände reinigten, erkrankten weniger häufig an Durchfall.

Türklinke mit Ellenbogen öffnen

Für die Problematik mit der WC-Türklinke gibt es übrigens einen einfachen Tipp: "Statt sie mit der bloßen Hand zu berühren, kann man sie beispielsweise mit dem Ellenbogen oder einem Einmaltuch, das anschließend entsorgt wird, aufdrücken", rät Ursula Thomaschewski von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.



Hände waschen!


Warum?
Die Hände kommen den ganzen Tag über mit Gegenständen und Menschen in Berührung und deshalb auch mit Viren und Bakterien. Da die Erreger von den Händen leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund übergehen können, ist es wichtig, der Hygiene der Hände besondere Beachtung zu schenken und die Hände vom Gesicht fernzuhalten. Händewaschen beseitigt nicht nur den groben Schmutz, sondern auch Grippeviren oder Durchfallerreger.

Wann? Hände waschen sollte man nach dem Toilettengang, dem Naseputzen, Niesen und Husten, vor dem Kochen und Essen, nach Umgang mit Tieren, nach Kontakt mit Abfällen und schmutzigen Materialien (z. B. öffentliche Verkehrsmittel, Gartenarbeit), nach Kontakt mit Kranken und immer nach dem Nachhausekommen. Sinnvoll ist das Händewaschen außerdem, bevor man man Salben oder Cremes verwendet. Durch schmutzige Finger können sich an den Behältern Mikroorganismen absetzen und vermehren.

Wie? Zur täglichen Handpflege gehört Seife (pH-neutral). Wasser allein löst nur den groben Schmutz und reinigt die Hände nicht in dem Umfang, der ausreichend vor Infektionen schützt. Und so geht's: Die Hände unter fließendes, möglichst lauwarmes Wasser halten, Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern verreiben. Dann sorgfältig abspülen und abtrocknen. Möglichst mit einer Creme nachfetten - trockene Haut ist anfälliger gegen Mikroorganismen.