Es sind Schreie, die einem das Mark in den Knochen gefrieren lässt. Sina Aue läuft quer über den Platz: "Schmerzen, es sind solche Schmerzen! Warum hilft mir keiner?" Dann klammert sie sich an den Kommandanten und Einsatzleiter Matthias Rocca, um endlich Hilfe zu bekommen. Der reagiert professionell und ordert sofort einen seiner Feuerwehrleute heran, der sich um das schreiende Opfer kümmern soll. Immerhin hat er einiges zu tun.

Triethymalin geladen

Um 19.17 Uhr erklangen die Piepser der Feuerwehrleute Herzogenaurach. Gleichzeitig wurden die Rettungsdienste alarmiert. Sebastian Hagen und Patrick Dreher hatten sich ein Szenario ausgedacht, das im engsten Sinne des Wortes "echt ätzend" war. "Verkehrsunfall mit einem Tanklastzug - ein unbekannter flüssiger Stoff tritt aus, mehrere Verletzte", so hatte es in der Alarmierung geheißen.
Das Herzogenauracher Unternehmen Heizöl Maier hatte einen Tanklastzug zur Verfügung gestellt, der in diesem Falle allerdings kein Öl, sondern den Stoff Triethylamin geladen haben soll. Anhand der Nummer auf dem Gefahrenschild erkannten die Einsatzkräfte frühzeitig, dass sie nicht allzu nahe an die Einsatzstelle heranfahren durften. Das Lösungsmittel sorgt beim Einatmen und bei Hautkontakt für schwere gesundheitliche Schäden.

Aufpasser auf dem Platz

Keine einfache Aufgabe für die gut 60 Feuerwehrleute und zwei Dutzend Helfer des Roten Kreuzes. Zumal in einem Auto im Gefahrenbereich auch noch zwei Personen zu retten waren. Weiterhin fehlte aus einem weiteren Laster der Fahrer und der Lenker des Lastzuges lag völlig verätzt vor seinem Laster, aus dem der Gefahrenstoff spritzte.

Mit der Lage gingen die Kräfte allerdings professionell um, wie auch die anwesende Bürgermeisterin Renate Schroff erkannte. "Zum Glück gibt es solche Übungen, das gibt Sicherheit", erklärte sie. Wichtig ist die Übung auch, weil die Kräfte lernen, besonnen vorzugehen. Die Eigensicherung spielte bei diesem Szenario eine wichtige Rolle. Es mache keinen Sinn, dass die Kräfte sich bei der Rettung anderer Person in Lebensgefahr brächten, erklärten die Beobachter, die akribisch jeden Schritt per Kamera und auf ihren Blöcken festhielten.

Sina Aue und die anderen Opfer, die allesamt vom Jugendrotkreuz gestellt wurden, atmeten ebenso wie die eingesetzten Kräfte um 20.22 Uhr auf, als es hieß: "Die Übung ist beendet." Denn ausgeruht wird sich bei so einer Übung nicht.