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Weisendorf
Sanierung

Fünf Silberpfennige pro Bürger

Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt versuchte, den Weisendorfern eine Spende für die Renovierung der evangelischen Kirche schmackhaft zu machen, indem er die Eurosumme in den Wert eines Geldstücks von 1717 umrechnete.
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Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt (li.) ist bei der Renovierung der evangelischen Kirche in Weisendorf voll involviert. Richard Sänger
Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt (li.) ist bei der Renovierung der evangelischen Kirche in Weisendorf voll involviert. Richard Sänger
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Manchmal begegnet man auf ganz kuriosen Wegen unversehens der Geschichte. Im Rahmen der Sanierung der evangelische Kirche in Weisendorf waren Grabungen notwendig, die auch einen Blick auf die Historie werfen. So ergaben sich bei der Innensanierung einige archäologische Überraschungen, der große "Schatz" wurde allerdings nicht gefunden. "Die evangelische Kirchengemeinde war schon früher eine arme Gemeinde", erklärte Pfarrer Wilfried Lechner-Schmidt beim Baustellentermin schmunzelnd.

Erste Erwähnung 1358

Die Anfänge der Weisendorfer Kirche liegen im Dunkeln der Geschichte verborgen, allerdings ergeben sich Hinweise auf einen sehr frühen Beginn. Im Jahr 1358 wird die Kirche im Zusammenhang mit der Beurkundung, dass die Pfarrei eigenständig wird und den Filialkirchenstatus von Büchenbach verliert, erstmalig erwähnt. Damit kann zu diesem Zeitpunkt bereits eine Kirche vorausgesetzt werden. Ob sich schon vorher auf dem Platz der heutigen Kirche eine Kapelle mit Begräbnisplatz befand, lässt sich zwar nicht eindeutig beweisen, kann aufgrund der Grabungen aber vorausgesetzt werden.

Zwischen 1450 und 1500 wurde die Kirche in Richtung Süden erweitert und vermutlich am vorhandenen Chorraum eine Grabkapelle für die Familie von Seckendorff (damals Besitzer des Schlosses) angefügt. Damit wurde das Kirchenschiff auf die doppelte Größe verbreitert. Dort wurde 1558 Hans von Seckendorff auch beigesetzt und ein Renaissance-Doppelgrabmal im südlichen Chorraum an der Ostwand aufgestellt. Das Grabmal bildet den verstorbenen Hans sowie seinen Vater Friedrich-Joachim von Seckendorff-Nold ab. Allerdings wurde der Vater erst 20 Jahre später in der Jochsberger Kirche (bei Ansbach) beerdigt.

Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche im Barockstil umgebaut und drei große Kirchenfenster im Norden und Süden eingefügt. Gleichzeitig erhielt die Kirche die zwei Emporen und der Zugang ging über eine Stiege außerhalb der Kirche. Der Haupteingang war auf der Südseite, wo sich heute noch der kleinere Eingang befindet.

In den Jahren 1884/85 erfolgte wieder ein grundlegender Umbau, diesmal im neugotischen Stil. Dazu wurden die beiden Durchgangsbögen zu den Chorräumen und der Grablege derer von Seckendorff auf ein einheitliches Niveau als gotischer Spitzbogen gesenkt. Ziel der Renovierung war, möglichst hohe Symetrie herzustellen. Dazu wurde auf der Westseite ein neuer Haupteingang geschaffen. Die Stiege zu den Emporen wurde abgerissen und durch eine Treppe im Innern ersetzt.

Zweites Chorfenster im Osten

Im südlichen Chorraum wurde das Seckendorff-Doppelgrabmal von der Ostwand an die Südseite versetzt. So konnte in die Ostwand ein zweites Chorfenster, ähnlich wie im nördlichen Chorraum, eingesetzt werden. Auch die Empore wurde an der Nordwand auf die Hälfte gekürzt und dafür auf der Südseite in der gleichen Länge wieder angebaut. Dazu wurde der Kirchenraum mit Malereien im neogotischen Stil geschmückt. Die Stuckdecke erhielt dadurch das Aussehen einer Holzdecke. Die Freifläche der Stuckdecke versah der damalige Restaurator Johann Böhner aus Nürnberg mit einem Auferstehungsbild.

Eine weitere Generalsanierung gab es 1956/57 unter Pfarrer Gottfried Kühhorn, bei der das neogotische Dekor vollständig entfernt wurde. Der Pfarrer ließ die Kanzel und den Altar neu aufmauern, der Boden wurde flächendeckend mit gebrannten Fliesen ausgelegt. Damals wurden oberhalb des Altars die nahezu mannshohe Christusfigur am Kreuz sowie Johannes und Maria unter dem Kreuz angebracht.

Bei der jetzigen Sanierung trat nach Abbruch der Altarmauern an der Rückwand eine "Draperie" (in frischen Putz gemalter Vorhang) zutage, der vermutlich Teil eines romanischen Altars aus dem 13./14. Jahrhundert war. Zudem wurden im nördlichen Chorraum 70 Zentimeter unter dem Niveau des Bodens Fundamentsteine entdeckt, die die Basis einer ursprünglichen Apsis bilden könnten. Die Apsis war der Vorgängerbau des Chorraums als Basis des Kirchturms. Sie bezeichnet im Kirchenraum einen halbkreisförmigen Teil der Basilika, in dem der Altar steht. Sie ist der Raum, der dem Klerus vorbehalten war. Von der damals üblichen Ausmalung des Altars ist außer der "Draperie" allerdings nichts erhalten.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde auch der Boden im Kirchenraum sukzessive angehoben, denn die Geschichte berichtet, dass mehrmals bei Hochwasser der Marktplatz überflutet wurde und das Wasser bis in die Kirche drang. Allerdings wurden die Arbeiten nicht immer fachgerecht ausgeführt, davon zeugt die massive Feuchtigkeit im Mauerwerk. Lechner-Schmidt zeigte sich zuversichtlich, dass die Handwerker das Problem diesmal in den Griff bekommen. Wie bereits berichtet, war die Kirche in den zurückliegenden drei Jahren in den Sommermonaten von Milben befallen, die damit eine Nutzung unmöglich machten. Auch die alten Kirchenbänke wurden entsorgt, weil sie massiv vom Holzwurm befallen waren, die der Wirt für die Milben sind.

700 000 Euro Sanierungskosten

"Wir wollen den Innenraum der Kirche so neu gestalten, dass er wieder für alle Besucher ein ansprechender Ort wird, an dem gerne Gottesdienst gefeiert wird", sagte der Pfarrer. Der erste soll an Ostern 2021 stattfinden. Einen erheblichen Teil der rund 700 000 Euro Sanierungskosten muss die Kirchengemeinde beisteuern. "Wir sind nicht reich und sind deshalb auf jeden Euro Spende angewiesen", erklärte Lechner-Schmidt.

Dass auch in früheren Zeiten gespendet wurde, zeigt der Fund eines "Bamberger Pfennigs" von 1717, der unter Lothar Franz von Schönborn als Zahlungsmittel zwischen 1701 und 1717 in Umlauf gebracht wurde. Der Silberpfennig befindet sich allerdings in einem durch Korrosion sehr angegriffenen Zustand. In gutem Zustand wäre er 40 bis 50 Euro wert. "Rein rechnerisch wäre die Sanierung ohne Kreditaufnahme möglich, wenn pro Gemeindeglied der Gegenwert von fünf Silberpfennigen gespendet würden", scherzte der Pfarrer.

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