Eine Forschungsgruppe der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat mit einer neuen Methode gefährdete Korallenarten identifiziert. Die Ergebnisse hätten sie "sehr verblüfft" - denn mit bisherigen Einschätzungen stimmen die Daten kaum überein.
- FAU Erlangen-Nürnberg: Gefährdete Korallenarten identifiziert
- Künstliche Intelligenz ermittelt Eigenschaften gefährdeter Korallenarten
- Ergebnisse der Erlanger Forscher stimmen nur zu 18 Prozent mit den Rote-Liste-Arten überein
- Keine Entwarnung: "Die Korallenriffe verschwinden ja trotzdem"
Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erlangen neue Erkenntnisse über gefährdete Korallenarten: Durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz konnten Daten der in den letzten Jahrmillionen ausgestorbenen Korallenarten ausgewertet werden. Die Eigenschaften der bis dato ausgestorbenen Arten stimmen allerdings sehr schlecht mit den Korallenarten überein, die heutzutage als gefährdet gelten, wie die FAU Erlangen-Nürnberg in einer Pressemitteilung erklärt.
Universität Erlangen-Nürnberg: Rote Liste der gefährdeten Korallenarten - nur 18 Prozent Übereinstimmung
In der Roten Liste der Union for Conservation of Nature (IUCN) sind rund ein Drittel der Korallenarten, die Riffe bilden, als gefährdet verzeichnet. Die Listen der IUCN gelten, so die FAU, normalerweise als sehr zuverlässig auch für die Gefährdung jeweiliger Arten in der Zukunft. Die Geowissenschaftlerin Nussaïbah Raja Schoob untersucht die Eigenschaften, welche gefährdete Korallenarten der heutigen Roten Liste mit den ausgestorbenen Arten der letzten fünf Millionen Jahre gemeinsam haben.
Der Klimawandel spiele eine wichtige Rolle - einen ähnlichen Einfluss auf die Korallen hätte die entstandene Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika, die eine vorher starke Meeresströmung vom Pazifik in die Karibik dauerhaft unterbrach. Gleich 18 Gattungen von Korallen verschwanden damals aus der Karibik, sechs davon starben sogar weltweit aus. "Wir wollten nun wissen, welche Eigenschaften Korallenarten besonders empfindlich für einen solchen starken Wandel machten", erklärt die Geowissenschaftlerin.
Untersucht wurden deshalb eine Reihe von Parametern wie die größte Wassertiefe, in der die Korallen vorkommen, die Temperaturen, die ihre Larven vertragen, wie schnell die Korallen wachsen oder mit welchen Algen sie in Symbiose zusammenleben. Mithilfe von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz wurden Gemeinsamkeiten ermittelt und mit den Ergebnissen der Auswertung der Korallenarten auf der Roten Liste verglichen. Die neusten Erkenntnisse der Erlanger Forscher stimmen jedoch nur zu 18 Prozent mit der Roten Liste der IUCN überein.
Friedrich-Alexander-Universität: Nur 18 Prozent Übereinstimmung - liegt der Fehler in der Roten Liste?
"Dieses Ergebnis widersprach allen Erwartungen und hat uns daher sehr verblüfft", sagt Prof. Dr. Wolfgang Kießling vom Lehrstuhl für Paläoumwelt in Erlangen. "Irgendwo musste ein Fehler stecken", heißt es weiter. Die Daten der Korallengeschichte seien jedoch dingfest: "Diese beruhen auf Fakten, die wir direkt beobachten und messen können", erklärt Kießling. Seine Mitarbeiterin Nussaïbah Raja Schoob wurde in der Roten Liste fündig.
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Das "alte und sehr bewährte System der IUCN, aus der Populationsdynamik einer Art auf deren Gefährdung in der Zukunft zu schließen", sei bei den riffbildenden Korallen an seine Grenzen gestoßen. Weil es nämlich kaum Daten zur Populationsdynamik gebe, musste die IUCN ihre Methoden anpassen und das Gefährdungsrisiko nach den Flächen beurteilen, die Korallenriffe bedecken, heißt es. "Diese Daten sind zwar extrem wichtig", so Kießling, jedoch wüchsen Korallen auch sehr häufig außerhalb eines Riffes verstreut direkt am Meeresboden.