• Forschungsteam der FAU hat sich mit Corona-Mutationen beschäftigt
  • Über 380.500 SARS-CoV-2-RNA-Sequenzen untersucht
  • Varianten könnten infektiöser sein als Virus aus Wuhan
  • Professor: Schnelltests zu oft falsch - düstere Prognose 

Der Erlanger Virologe Professor Walter Doerfler und sein Forschungsteam haben sich genauer mit den Mutationen des Coronavirus beschäftigt. Von etwa zehn dominanten Mutation im April 2020 sei ihre Anzahl bis zum Frühjahr 2021 "rasant angestiegen", heißt es in einer Mitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Demnach seien heute etwa 100 Mutationen bekannt. 

Erlanger Forscher untersuchen Corona-Mutanten

Die Forscher untersuchen das Auftreten von Virusmutationen und -varianten ab Beginn der Pandemie in definierten Zeitintervallen in zehn Ländern. Ihre Studie wurde jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

Während der "ungehemmten weltweiten Ausbreitung" und "rapiden Vermehrung" von SARS-CoV-2 seien zahlreiche Mutanten und Varianten entstanden. "Dieser Vorgang dauert an und könnte sich trotz Impfung weiterentwickeln, falls es nicht schnell genug gelingt, die Ausbreitung einzudämmen", gibt Doerfler zu Bedenken. "Die bisher bekannten Virus-Varianten könnten ansteckender und auch potenziell krankmachender sein als das ursprüngliche Virus aus Wuhan", sagt Stefanie Weber, die ebenfalls Teil des Forschungsteams ist.

Für ihre aktuelle Forschungsarbeit analysierten die Autoren weltweit über 380.500 SARS-CoV-2-RNA-Sequenzen von der Wissenschaftsplattform GISAID, die freien Zugang zu Genomen liefert, auf Mutanten und Varianten. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler über 1.750 dieser RNA-Sequenzen detailliert auf Änderungen von Virusproteinen, teilt die FAU mit.

Erlanger Forscher: Corona-Mutationen können Probleme für die Bekämpfung sein

Dass sich Mutanten rasant verbreiten, unterstütze die SARS-CoV-2-Vermehrung. "Es ist zu befürchten, dass die hohe Effizienz der Mutagenese langfristig erhebliche Probleme für die Therapie und die Impfprogramme gegen das Virus generieren könnte", schätzt Doerfler die Lage ein. "Wahrscheinlich wird SARS-CoV-2 für längere Zeit ein gefährlicher Begleiter für uns bleiben."

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Doch auch ein zweites Szenario sei unter Umständen denkbar: Im Laufe einer extremen Mutationsbildung könne sich das System erschöpfen und das Virus die Fähigkeit zur Vermehrung verlieren. Für SARS-CoV-2 gebe es dafür allerdings derzeit keine Hinweise.

Um die Rolle der Mutanten im Infektionsgeschehen beurteilen zu können, sei es wichtig, SARS-CoV-2-RNA-Proben genetisch zu analysieren, also zu sequenzieren. Das werde bisher aber außer in Großbritannien nur in wenigen Ländern gemacht. Um das Virus zu verstehen und dagegen vorgehen zu können, sei es wichtig, dass sich Sequenzierungstechnologien und schnelle PCR-Tests auch in Deutschland etablieren.

Schnelle Impfung wichtig im Kampf gegen Corona-Virus

"Je länger wir die Impfung verzögern, umso schneller können sich neue Mutanten durchsetzen und den Impferfolg langfristig infrage stellen", betont Doerfler. In diesem Zusammenhang merkt der Professor kritisch an: "Solange wir uns auf Antigen-Schnelltests verlassen, die in mindestens 35 Prozent der Fälle falsch negative Ergebnisse liefern, werden wir die COVID-19-Pandemie nicht beherrschen."

Auch nach der jetzt in EMBO Molecular Medicine veröffentlichten Studie seien noch viele Fragen offen: Wie wirkt sich die Infektion mit einer neuen Mutante auf den Krankheitsverlauf aus? Welche Mutanten und Varianten setzen sich tatsächlich durch und weshalb? Wie lange wird SARS-CoV-2 seine "Strategie" noch durchhalten? Wie erfolgreich sind die Impfstrategien? "Wir möchten keine Panik machen, aber das Problem klar benennen und aufzeigen, was da gerade passiert", sagt Doerfler.

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