• Erlangen: Westbad wegen Unwetter geräumt - Freibad muss vorzeitig schließen
  • Badegäste müssen auch Innenbereich verlassen - Maßnahme sorgt teils für heftige Kritik
  • "Von Menschlichkeit keine Spur": Zeuge bezeichnet Räumung als "Frechheit"
  • Bäderchef verteidigt Vorgehen: "Das war eine Extremsituation"

In vielen Teilen Frankens haben Unwetter und Gewitter Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst in den vergangenen Tagen mächtig auf Trab gehalten. Auch Erlangen blieb nicht verschont. Die Freibäder mussten am frühen Freitagabend (20. Mai 2022) infolge von Sturm und Starkregen vorzeitig schließen. Dieser Umstand sorgt nun teils für heftige Kritik. "Als das Unwetter losbrach, haben sie alle Besucher aus dem Bad geschmissen", kritisiert Michael Nöth in einem Facebook-Post. Erlangens Bäderchef bittet indes um Verständnis für die Räumung.

Unwetter in Erlangen: Badegäste müssen Westbad verlassen - Vorgehen sorgt für Kritik

Er war demnach gegen 18 Uhr am Westbad vor Ort, um seine Freundin und deren siebenjährigen Enkel mit dem Auto abzuholen. Ihm zufolge seien die Badegäste aufgefordert worden, auch den Vorraum des Freibads kurzerhand zu verlassen, "obwohl es keinen weiteren Schutz vor Wind und Regen in der Nähe gibt", berichtet Nöth. Sein Fazit: "Ich find's 'ne Frechheit." 

"Die Menschen wurden auch aus dem Innenbereich herausgeschickt", sagt Nöth im Gespräch mit inFranken.de am Dienstag (24. Mai 2022), noch immer merklich verärgert. "Das ist anscheinend gang und gäbe." Die hinaus eilenden Badegäste hätten teilweise in einer nahen Tiefgarage Zuflucht vor dem Unwetter gesucht. "Meine Freundin und der Kleine waren schon im Umkleidebereich", erzählt Nöth. Dort hätten sie aber laut Anweisung des Westbad-Personals nicht bleiben dürfen. "Von Menschlichkeit also keine Spur", moniert der Angehörige. "Das fand ich wirklich nicht schön." 

Die Frau und das Kind begaben sich laut Nöths Schilderung daraufhin notgedrungen ins Freie - trotz strömenden Regens. Auch die anschließende Autofahrt sollte sich demnach als schwierig erweisen. "Ich konnte nicht wegfahren, weil der Regen so stark war und ich nichts gesehen habe." Nöths Wunsch: "Mich würde die Begründung interessieren, warum die Leute hinausgeschickt worden sind", hält er fest. "Sie waren ja schon aus dem Wasser draußen." Sein Vorschlag: "Wenn es schüttet, lasse ich die Badegäste halt im Umkleidebereich, wo sie geschützt sind."

Erlanger Bäderchef erklärt Westbad-Räumung - und appelliert an Eigenverantwortlichkeit

Matthias Batz, Bereichsleiter Bäder bei den Erlanger Stadtwerken (ESTW), bezieht bei inFranken.de Stellung zu den entgegengebrachten Vorwürfen. "Die Sicherheit steht bei uns an erster Stelle", betont Batz. "Wenn ein Blitz einschlägt, wird es höchst gefährlich." Wie in solchen Fällen üblich, seien auch am Freitag wegen des nahenden Unwetters Durchsagen erfolgt. Zudem habe es bereits im Vorfeld entsprechende Wettervorhersagen gegeben.

"Am Freitagabend war der Sturm wirklich heftig", berichtet der Erlanger Bäderchef. Die elektronische Schiebetür sei geschlossen worden, sodass keine neuen Gäste mehr ins Bad gelangten konnten. Wer sich noch auf dem Gelände des Westbads aufgehalten habe, sei von den Mitarbeitern aufgefordert worden, das Bad zu verlassen, bestätigt Batz. "'Hinausgeschmissen' finde ich allerdings das falsche Wort", hält er fest. "Unsere Kollegen sind sehr verantwortungsbewusst. Deswegen kam es zu einer Räumung des Bades." Über das jeweilige Vorgehen entscheide letzten Endes das Personal vor Ort.

Der Bäder-Bereichsleiter der Erlanger Stadtwerke appelliert indessen an die Vernunft und Eigenverantwortlichkeit der Badegäste. "Wenn ich merke, dass ein Sturm aufzieht, gehe ich normalerweise freiwillig nach Hause - insbesondere, wenn Kinder dabei sind." Um den Badegästen bei einem Unwetter einen Unterstellplatz zu bieten, reiche die Kapazität des Freibads schlichtweg nicht aus. "Alle Menschen in einem Gebäudetrakt unterzubringen, geht nicht", erklärt Batz. 

Umgeknickte Bäume und beschädigte Fassade: Sturm hinterlässt Spuren im Westbad

Ihm zufolge hat der starke Sturm im Westbad sichtbare Spuren hinterlassen. "An der Fassade gibt es einen Schaden. Wir haben auch umgeknickte Bäume."

Die Badegäste, deren Freibadbesuch aufgrund des Unwetters jäh endete, bittet der Bäderchef indes um Nachsicht. "Das war eine Extremsituation", betont Batz. In Hinblick auf die Räumung des Bads spricht er von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Sein Fazit zum Sturm: "Ich bin jetzt 18 Jahre bei den Erlanger Bädern dabei. So was habe ich zuvor auch noch nie gesehen." 

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Vorschaubild: © Michael Nöth (privat)